
Gelsenkirchen. Karin Welge, Oberbürgermeisterin der Stadt Gelsenkirchen, tritt 2025 nicht erneut für die SPD an. Diese Frau soll ihre Nachfolgerin werden.
Lange hat sich die amtierende Oberbürgermeisterin Gelsenkirchens nicht dazu geäußert, ob sie bei der Kommunalwahl 2025 erneut für die SPD ins Rennen gehen will. Doch jetzt steht fest: Karin Welge wird nicht für eine zweite Amtszeit als Chefin des Hans-Sachs-Hauses kandidieren. Die 62-Jährige teilte ihre Entscheidung nach WAZ-Informationen am Montagvormittag zunächst im engeren SPD-Kreis mit.
Als SPD-Kandidatin nachfolgen soll ihr nach Informationen unserer Redaktion Gelsenkirchens Sozialdezernentin Andrea Henze. Die SPD-Fraktion hat sich demnach für die 50-Jährige starkgemacht. Henze erfährt parteiübergreifend viel Respekt und Zuspruch für ihre Arbeit, die sie in Gelsenkirchen seit 2021 leistet. Neben ihren eigenen Aufgabegebieten (Arbeit, Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz) übernimmt sie seit einigen Monaten auch große Teile des Ressorts der erkrankten Stadträtin, Anne Heselhaus. Darunter beispielsweise die Themenfelder Bildung und Integration.
Bevor Karin Welge vor vier Jahren das Amt von Frank Baranowski übernahm, war die gebürtige Saarländerin bereits Stadtdirektorin, Kämmerin und Sozialdezernentin in Gelsenkirchen. In die Anfangsphase ihrer Amtszeit als Oberbürgermeisterin fiel die Corona-Pandemie, die es für Welge nicht einfach machte, sich im neuen Amt den Bürgerinnen und Bürgern richtig vorzustellen.
Nachdem die Kontaktbeschränkungen nach und nach aufgehoben wurden, bemühte sich Welge bei möglichst vielen Terminen auf Tuchfühlung mit den Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchenern zu gehen. Sie tanzte und sang bei Karnevalsveranstaltungen und stellte sich entschlossen und unbeirrt an die Spitze antifaschistischer Kundgebungen. Und doch wurde sie den Eindruck der Unnahbaren nie so richtig los. Besonders beliebt war Welge, die als Präsidentin der kommunalen Arbeitgeber mitunter auch den Groll ihrer eigenen Angestellten auf sich zog, in Gelsenkirchen nicht.
„Ich bin kein Typ für Propaganda-Sprüche und große Ankündigungen“, hatte Karin Welge einst in einem Interview mit der WAZ gesagt. Und auch: Ich will als OB nicht nur freundlich im Stadtbild wahrgenommen werden, sondern möchte an anderen wichtigen Positionen die Stimme für Gelsenkirchen mit Beharrlichkeit und Überzeugungskraft erheben, für eine Stadt, die bei Bund und Land ohnehin unter dem Radar läuft. Ich zeige Präsenz in den Ministerien, dem Städtetag und anderen Gremien. Das bedeutet viel Anstrengung, Zeit und Engagement. Ist nicht sonderlich laut, sieht man manchmal nicht, ist aber effektiv und notwendig für eine gute Zukunft unserer Stadt.“
Und tatsächlich ist es Welge etwa gelungen, mit dem Bauministerium ein in den Nachbarstädten viel beachtetes Paket für Gelsenkirchen zu schnüren, das eine Förderung von bis zu 100 Millionen Euro vorsieht, um Schrotthäuser vom Markt zu nehmen. Beim Thema Armutszuwanderung aus Südosteuropa und der Unterstützung, die Gelsenkirchen nötig hätte, ist aber auch Welge weder in Düsseldorf noch in Berlin der ganz große Wurf gelungen, obgleich sie noch vor wenigen Tagen zusammen mit Andrea Henze im Bundeskanzleramt um mehr Unterstützung für Gelsenkirchen geworben hat. „Wir haben einmal mehr deutlich gemacht: Wir brauchen einfach mehr Geld, damit Integration vor Ort gelingen kann. Und Städte, die wie Gelsenkirchen eine überproportionale Zuwanderung zu verzeichnen haben, brauchen mehr Geld als andere. Der hochkarätig besetzte Termin im Kanzleramt lässt zumindest hoffen, dass hier nun ein Umdenken stattgefunden hat“, zeigte sich Welge anschließend im Gespräch mit der WAZ vorsichtig optimistisch.
An die große Glocke hängen mochte Welge ihre Arbeit im Hintergrund nie besonders gerne. Wohl auch deshalb wurde ihr häufig nachgesagt – auch aus Reihen der SPD –, sie könne nicht gut repräsentieren, nicht die Herzen der Menschen für sich gewinnen. Dass die überzeugte Europäerin, die rund um die Uhr alles ihrem Amt untergeordnet hat, zwar eine gute Stadtdirektorin abgebe, aber eben keine beliebte Oberbürgermeisterin sei.
Kennen Sie schon unsere PLUS-Inhalte?
Jetzt WAZ testen
Kennen Sie schon unsere PLUS-Inhalte?
Jetzt WAZ testen
Aktuelle Nachrichten und Hintergründe aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport – aus Essen, Deutschland und der Welt.
Kennen Sie schon unsere PLUS-Inhalte?
Jetzt WAZ testen
Antworten