Umsonst und draußen: Wo Gelsenkirchens Bäume zu Kunst werden – WAZ | Westdeutsche Allgemeine Zeitung


Redakteur Lokal
Gelsenkirchen. Imposante Werke: Das Projekt „Kunst am Baum“ des Kunstvereins Gelsenkirchen ist längst eine Institution. Nun wurde es sehenswert aufgearbeitet.
32 Jahre ist es nun her, dass der Kunstverein Gelsenkirchen seine Aktion „Kunst am Baum“ ins Leben gerufen hat. Seitdem haben ebenso viele Kreativköpfe mit Hilfe von Gerüst und Motorsäge im Waldstück in der Nähe von Schloss Berge imposante Werke geschaffen, von denen knapp die Hälfte sogar heute noch steht. Wer alle bisherigen Arbeiten sehen will, der hat dazu nun die Gelegenheit. Denn der Verein hat eine sehenswerte Dokumentation veröffentlicht.
Diese Sammlung kommt im Postkarten-Format daher, findet sich im Inneren eines aufwendig gestalteten Schubers und präsentiert das bisherige Gesamtwerk. Den Anfang im Jahr 1993 hatte Stefan Pietryga mit seinem Werk „Pappel Westwind“ gemacht, als vorerst Letzter war 2024 Arno Bortz mit „Gesichter des Waldes“ zu einem Bestandteil des Skulpturenparks geworden.
„Ich weiß noch, dass wir am Anfang ganz schön zu kämpfen hatten und es manche Diskussion mit dem damaligen Grünflächenamt gab“, erinnert sich Ulrich Daduna, der Vorsitzende des Kunstvereins. Doch längst sei „Kunst am Baum“ etabliert und zählt zu den Institutionen im Gelsenkirchener Kultur-Kalender.
Nur im Jahr 1994 habe das Projekt einmal kurz aussetzen müssen. Dafür gab es 1997 dann zwei Baum-Kunstwerke innerhalb eines Jahres. „Ganz wichtig ist, dass die Künstler ausschließlich Bäume bearbeiten, die erkrankt sind und ansonsten gefällt würden“, erklärt Daduna und stellt klar: „Es werden keine gesunden Bäume genutzt.“
Nach einer gewissen Zeit fallen die Kunst-Bäume dann zu Boden. Doch sie werden dann nicht entfernt, sondern verbleiben als Totholz im Wald und verrotten dort. Das erklärt auch, warum von den insgesamt 32 Werken heute nur noch 15 vor Ort zu entdecken sind. Bis zu 14 Tage würden die Künstler brauchen, um die Bäume nach ihren Vorstellungen zurechtzuschneiden und zu gestalten. „Am eiligsten hatte es Felix Droese im Jahr 2006“, weiß Daduna. „Er hat aus der Spitze des Stamms ein Holzkreuz geschnitten und war nach 30 Minuten komplett fertig.“
Das Projekt habe sich in Künstlerkreisen längst so weit herumgesprochen, dass der Kunstverein gar keine Werbung mehr machen muss. „Es kommen zahlreiche Initiativbewerbungen herein“, so Daduna. Die Ausstellung in diesem Jahr wird am 6. Juli eröffnet. Wer dann seine Kunst präsentieren darf, verriet der Vereinsvorsitzende aber noch nicht.
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In einer Auflage von 1000 Exemplaren hat der Kunstverein diese sehenswerte Dokumentation erstellen lassen. „Sie ist als Werbegeschenk geplant und wir haben sie auch schon an alle beteiligten Künstler verschickt“, sagt Daduna. Wer an einem Exemplar interessiert ist, kann sich per E-Mail melden: info@kunstverein-gelsenkirchen.de. Die Karten-Sammlung sei gratis, so Daduna. „Über eine kleine Spende würde sich unser Verein aber sehr freuen.“

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