Mord in Gelsenkirchen: Ex-Freundin mit 21 Stichen getötet – WAZ | Westdeutsche Allgemeine Zeitung


Gelsenkirchen/Essen. Mann soll in Gelsenkirchen seine Ex-Lebensgefährtin mit 21 Messerstichen getötet haben, weil er ihre neue Beziehung nicht akzeptieren wollte.
Graue Strickjacke, unauffällige Brille und eine freundliche Stimme: Auf den ersten Blick würde wohl niemand glauben, dass dieser Mann zu einem grausamen Femizid fähig wäre. Doch genau das wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Der 39-Jährige soll vor knapp neun Monaten in Gelsenkirchen seine Ex-Partnerin ermordet haben – mit 21 Messerstichen.
Als der Angeklagte am Dienstag von den Wachtmeistern zur Anklagebank des Essener Schwurgerichts geführt wird, versteckt er sein Gesicht hinter einem Aktendeckel. Reden will er am ersten Verhandlungstag nicht. Verteidiger Andreas Renschler hat am Rande des Prozesses aber schon ein Geständnis angekündigt.
Es war der 13. August vergangenen Jahres, als der nicht vorbestrafte Deutsche früh morgens mit seinem Mazda von Herne in die Baldurstraße im Gelsenkirchener Stadtteil Erle fuhr. Laut Anklage versteckte er sich, bis seine Ex-Partnerin gegen 5.20 Uhr das Haus verließ, um zur Arbeit zu fahren.
Ihr neuer Freund wartete am Auto, um sich von ihr zu verabschieden. Sie selbst wollte noch schnell den Abfall zu den Mülltonnen bringen, die auf dem Hinterhof standen. Dort traf sie angeblich auf den Angeklagten. Dabei sollen noch diese Worte gewechselt worden sein: „Hi.“ „Was machst Du denn hier?“ Dann ging angeblich alles ganz schnell.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 39-Jährige immer wieder auf seine Ex-Partnerin eingestochen hat. Die 36-Jährige muss verzweifelt um ihr Leben gekämpft haben. Eine Wand war später voller Blut.
Nach der Tat soll der Angeklagte wieder zu seinem Auto gegangen und unerkannt entkommen sein. Als der neue Freund der 36-Jährigen nach seiner Partnerin sehen wollte, weil sie nicht wiederkam, war es bereits zu spät. Die Stiche hatten die Brust und den Bauch getroffen. Eine Vene am Hals und die Luftröhre waren durchtrennt.
Wie es heißt, soll der Angeklagte anschließend in aller Seelenruhe einen Zahnarzttermin wahrgenommen haben. Auf dem Weg dorthin hat er möglicherweise auch seine blutverschmierte Kleidung und das Tatmesser entsorgt, das bis heute nicht gefunden wurde.
Rund zwölf Jahre lang waren die beiden ein Paar, Ende 2023 brach die Beziehung auseinander. „Der Angeklagte konnte die Trennung nicht verkraften und war deshalb der Ansicht, die Geschädigte habe kein Lebensrecht mehr“, heißt es in der Anklage.
Tatsächlich hatte aber auch der Angeklagte schon eine neue Partnerin, mit der er drei Wochen vor der Bluttat sogar noch gemeinsam im Italien-Urlaub war. 
Der Herner war noch am selben Tag festgenommen worden und hatte anschließend lange geschwiegen. Erst kurz vor Prozessbeginn soll er die Tat gestanden, sich dabei aber auf Wahnvorstellungen und Realitätsverzerrungen berufen haben.
Der Angeklagte will nach der Trennung offenbar in ein tiefes Loch gefallen sein. Sein Hausarzt soll ihm Antidepressiva verschrieben haben, die angeblich zu auffälligen Nebenwirkungen führten. Seine neue Freundin soll ihm sogar geraten haben, das Medikament „Citalopram“ wieder abzusetzen. Das hat er aber offenbar nicht getan.
Der 39-Jährige will angeblich von dem Gedanken besessen gewesen sein, seine Ex-Partnerin töten zu müssen. In der Tatnacht sei er plötzlich wachgeworden und nach Gelsenkirchen gefahren. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er wusste, dass seine Ex-Partnerin die Angewohnheit hatte, früh morgens noch schnell den Müll zu den Tonnen auf dem Hinterhof zu bringen.
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Die Eltern der 36-Jährigen waren am ersten Verhandlungstag, an dem nur die Anklage verlesen worden ist, noch nicht anwesend. „Sie haben den Angeklagten gut gekannt“, hieß es am Rande des Prozesses. „Für sie war er früher wie ein Schwiegersohn.“
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