Anklage: Gelsenkirchener soll drei Frauen missbraucht haben – WAZ | Westdeutsche Allgemeine Zeitung


Essen/Gelsenkirchen. Ein Mann aus Gelsenkirchen soll drei Frauen sexuell bedrängt und vergewaltigt haben. Vor Gericht erzählt er jedoch eine andere Geschichte.
Erst wurde gechattet, dann kam es zu heimlichen Treffen: Immer wieder soll ein Mann aus Gelsenkirchen Kontakt zu Frauen aufgenommen und ihr Vertrauen anschließend brutal und schamlos ausgenutzt haben. Seit Freitag steht der 26-Jährige vor Gericht. Gleich drei Frauen haben ihn angezeigt.
Es geht um sexuelle Übergriffe, Vergewaltigung und um Todesdrohungen. Der Angeklagte selbst will davon jedoch nichts wissen. „Ich habe nichts gegen ihren Willen gemacht“, sagte er den Richtern zum Prozessauftakt am Essener Landgericht. „Alles war freiwillig.“
Genau das sieht die Staatsanwaltschaft jedoch anders. Sie geht sogar davon aus, dass der Angeklagte einen der Übergriffe mit seinem Handy gefilmt und anschließend mit der Veröffentlichung des Videos gedroht hat. Außerdem soll er eine Frau gebissen und an den Haaren gerissen haben, als sie laut Anklage versucht hat, aus seinem Auto zu flüchten. Doch auch das wird von dem 26-Jährigen bestritten.
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Die Vorwürfe liegen schon eine Zeitlang zurück. Die Übergriffe sollen 2020 und 2023 passiert sein. Der Angeklagte soll die Frauen über Snapchat oder Instagram kennengelernt haben. Die vereinbarten Treffen waren laut Anklage zunächst auch wirklich freiwillig. Einmal war ein Kaffeetrinken geplant, einmal ein Spaziergang. Die Ziele waren seine Wohnung oder ein Parkplatz in Gelsenkirchen-Horst.
„Wir haben uns unterhalten“, so der Angeklagte. Irgendwann sei man sich dann nähergekommen, habe sich geküsst. „Wir waren erregt“, so seine Worte im Prozess. Dann habe man sich ausgezogen – ganz oder teilweise.
Warum die Frauen anschließend zur Polizei gegangen sind, kann er sich angeblich nicht erklären. Einmal sei ein Druckknopf an der Hose einer der Frauen kaputt gegangen. Außerdem habe sie an einer Tankstelle bezahlen müssen, weil er seine Geldbörse vergessen hatte. „Darüber war sie sauer.“
Mit einer der Frauen will er sich sogar vorher schon einmal getroffen haben. Auch dabei sei es zu sexuellen Handlungen gekommen. Sie habe ihn sogar gebeten, sie nicht vor ihrer Haustür abzuholen. „Die Nachbarn sollten nicht mitkriegen, dass wir uns treffen.“
Für die Richter der 16. Strafkammer wird der Fall nicht leicht. Sie müssen nun zahlreiche Zeugen vernehmen, um die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft und die Aussagen des Angeklagten zu überprüfen.
Dass der Fall erst jetzt vor Gericht kommt, hängt damit zusammen, dass er 26-Jährige weiter auf freiem Fuß ist. Strafverfahren, in denen Angeklagte in Untersuchungshaft sitzen, haben immer Vorrang. Mit einem Urteil ist voraussichtlich im Juni zu rechnen.
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