„Leute sind laut“: Weltmeister fiebert Gelsenkirchener Radrennen entgegen – WAZ | Westdeutsche Allgemeine Zeitung


Gelsenkirchen. Bei der 31. City Nacht geht Top-Star Roger Kluge heute erstmals an den Start. Der 39-Jährige lobt den Herzblut-Veranstalter Michael Zurhausen.
Bei der 31. Gelsenkirchener City Nacht versprüht Roger Kluge am Mittwochabend auf dem schnellen Rundkurs besonderen Glanz. Der 39-jährige Bahnspezialist ist dreifacher Weltmeister im Zweier-Mannschaftsfahren, holte dazu 2008 in der chinesischen Millionen-Metropole Peking die Olympische Silbermedaille im Punktefahren. Bei der legendären Tour de France war Kluge fünf Mal am Start. Nun also Ruhrpott. Kluge: „Wenn ich mich richtig erinnere, bin ich am Mittwoch zum ersten Mal in Gelsenkirchen. Ich freue mich auf das Rennen.“
Etwas schmackhaft gemacht wurde Kluge die City Nacht durch seinen Kumpel Theo Reinhardt, mit dem er im Februar die 112. Auflage des Berliner Sechs-Tage-Rennens gewann. „Theo hat mir ein paar Dinge über das Rennen in Gelsenkirchen erzählt. Ich weiß, dass es ein schneller Kurs ist, dass es große Anfeuerung durch die Zuschauer gibt. Ein Straßenrennen ist immer besonders und eher ein Event, als zum Beispiel ein reines Rennen. Natürlich kenne ich auch die großen Rennen mit Fans am Straßenrand, aber es gibt auch die große Leere, in der man nur die Weite und eben keine Leute sieht. Bei diesem Rundkurs ist das Fahrerfeld laut, die Leute sind laut, das macht Spaß“, erläutert Kluge.
Bekommt er als Top-Athlet überhaupt die Kulisse mit? „Wenn ich im Tunnel bin, dann blende ich das aus“, sagt der fünffache Olympia-Teilnehmer, „ohne Stress kann man es natürlich genießen. Mal abwarten, wie das in Gelsenkirchen wird.“ Roger Kluge wird sich erst am Mittwochmorgen ins Auto setzen und die Strecke von Berlin Richtung Schaffrath zurücklegen. „Ich will zwei, drei Stunden vor Rennbeginn da sein. Nach dem Rennen bleibe ich allerdings zum Übernachten. Dann noch mehrere hundert Kilometer zurückzufahren, wäre zu viel“, sagt der Altmeister.
Roger Kluge hat im Moment ohnehin einen vollen Terminkalender. Die Grundausbildung bei der Feuerwehr hat er vor einigen Monaten erfolgreich beendet. In Berlin absolviert der Routinier zurzeit ein Praktikum als Rettungssanitäter. Als er mit der WAZ telefoniert, „ist es gerade ruhig.“ Kluge warnt aber: „Das kann sich auch schnell ändern. Dann muss ich sofort auflegen.“
Neben dem Praktikum steht auch der LKW-Führerschein, mit dem er ein 40-Tonnen-Ungetüm steuern kann, auf seiner To-do-Liste. „Wenn man mit acht Mann in einem Feuerwehrwagen zum Einsatz fährt, kommt es auf Teamarbeit an. Das ist dann schon irgendwo eine Parallele zum Radsport. Im Straßensport war ich über viele Jahre auch nur der Helfer für meine Teamkollegen – jetzt helfe ich eben anderen Leuten“, sagt Roger Kluge mit einer Portion Gelassenheit.
Der Silbermedaillen-Gewinner von Peking mag beim Radrennen auch die Nähe zu den Anhängern. „Als ich in Buchholz war, habe ich vor dem Rennen eine kleine Autogrammstunde gegeben. Die Leute haben bei solchen Straßenrennen die Chance, ihre großen Idole zu sehen. Es ist wichtig, dass es so Rennen gibt, bei denen wir uns den Zuschauern präsentieren können. Kinder kriegen einfach noch viel mehr Bezug zum Radsport und zu uns“, skizziert Roger Kluge.
Dass Leute wie Michael Zurhausen, der die City Nacht als Präsident des organisierenden RC Olympia Buer vor über drei Jahrzehnten ins Leben rief, sich mit viel Herzblut für den Radsport engagieren, findet Roger Kluge lobenswert: „Ein Begriff war mir Michael Zurhausen vor unserem Kontakt schon. Es ist schön, wenn man einen Organisator hat, der sich stark engagiert und über die Jahre weg eine feste Konstante, nämlich ein funktionierendes Rennen, anbietet.“ Jetzt ist Kluge selbst ein Teil der längst etablierten City Nacht, zu der bei gutem Sommerwetter über den Abend verteilt 5000 Zuschauer erwartet werden.
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