
Redakteur Lokal
Gelsenkirchen. Die einen reisen seit 37 Jahren gemeinsam zu Springsteen-Konzerten, der andere erlebt in Gelsenkirchen seine 34. Show. Der „Boss“ hat treue Fans.
Der „Boss“ ist in der Stadt – und begleitet wird er von einer Anhängerschaft, die mit dem schlichten Begriff „Fan“ unzutreffend beschrieben wäre. Nein, Bruce Springsteen hat echte Weggefährten. Diese folgen ihm teils seit Jahrzehnten – egal, wo der Weltstar in die Saiten seiner Fender Telecaster greift. Einige von ihnen waren vor dem großen Konzert am Freitagabend in der Veltins-Arena auch auf der großen Einstimmungsparty auf dem Heinrich-König-Platz anzutreffen. Und im Gepäck hatten sie ungewöhnliche, teils abenteuerliche Geschichten.
„Wir fahren jetzt schon seit 37 Jahren auf Konzerte von Springsteen. Und das immer gemeinsam“, berichten Martin (56) aus Herzlake und Uwe (54) aus Münster. Das Duo ist befreundet seit Jugendzeiten. „Das ist heute unser 15. Springsteen-Konzert. Manchmal waren auch noch andere Kumpels mit“, sagt Martin. „Aber wir beiden waren immer dabei“, ergänzt Uwe. Ein echtes Treue-Doppelpack eben.
Nach dem bisherigen Konzert-Höhepunkt gefragt, antwortet Martin: „Das war 1999 in Berlin-Wuhlheide. Einfach unvergesslich!“ Und was schätzen sie am „Boss“ besonders? Uwe antwortet sofort: „Seine Authentizität! Seine kraftvolle Stimme! Aber auch seine Texte, die ich mir nach dem Kauf eines Albums immer komplett durchlese.“
Doch beide ziehen auch den Hut vor ihrem Lieblings-Musiker, mit wie viel Mut und Haltung der sich seit Monaten dem US-Präsidenten entgegenstellt. „Er ist eine Speerspitze gegen Trump“, lobt Uwe. Beim Konzert am Abend stehen sie nicht im Innenraum, sondern sitzen auf der Tribüne. Martin kommentiert das nur mit zwei Worten: „Das Alter!“
Einen noch größeren Erfahrungsschatz besitzt Eoghan. Das sei die irische Schreibweise des englischen Vornamens Owen, erklärt der 29-Jährige. Und im Deutschen spricht sich das Ganze dann „O-En“. Der junge Mann im blauen Springsteen-Fanshirt ist mit seinem Vater Jerry (73) extra aus Dublin für das Konzert nach Gelsenkirchen gereist. „Es ist heute meine 34. Boss-Show, 14 davon habe ich allein in 2023 gesehen“, nennt Eoghan beachtliche Zahlen.
„Ich habe Eoghan 2008 erstmals ein Album von Bruce vorgespielt. Seitdem war er völlig verrückt nach ihm“, blickt Vater Jerry zurück. Was er und sein Sohnemann besonders bewundern, sei „die erstaunliche Bühnen-Präsenz“, die der US-Rocker auch im stolzen Alter von 75 Jahren noch besitze. „Und er wechselt fast immer seine Setlist. So bekommt man an jedem Abend ein etwas anderes Konzert serviert“, betont Heoghan, der übrigens zum allerersten Mal in Gelsenkirchen ist – und gemütlich über die Bahnhofstraße zur Fan-Zone geschlendert ist.
Dort fallen – wie schon am Mittwoch beim umjubelten Konzert von Robbie Williams – sofort die zahlreichen Flaggen ins Auge, die an den Fahnenmasten im Wind flattern. Sie sind ein ebenso beliebtes Fotomotiv, wie die beiden Riesen-Banner. Diese funktionieren bestens als Magneten, die die Massen zur Fan-Zone ziehen. Die Zahl der dort entstehenden Selfies geht in die Tausende. Da werden natürlich sofort Erinnerungen an das Vorjahr wach, als die Taylor-Swift-Fans in der Stadt waren und sich in „Taylor Town“ die Seele aus dem Leib fotografierten.
Ein solches Selfie haben auch Martina (60) und Elmar (62) aus Siegburg von sich gemacht. „Als die Tournee angekündigt wurde, habe ich gesagt: Wir müssen dahin – egal, was das kostet“, erzählt Martina. Vor zwei Jahren war das Paar schon beim „Boss“-Auftritt in Düsseldorf mit dabei. „Und Fans sind wir praktisch schon seit unseren Teenager-Tagen“, stellt Elmar fest. Beide gehen regelmäßig zu Konzerten. Sting, Coldplay und Ed Sheeran standen zuletzt auf dem Plan. „Am häufigsten haben wir aber Peter Gabriel live gesehen“, so Marina. Doch nun überwiege die Vorfreude auf ihren „Bruuuuuuce“.
Auch per Zug reisen die Springsteen-Jünger ab dem frühen Nachmittag an. In der Halle des Hauptbahnhofs werden sie von zwei sympathischen Mitarbeiterinnen der Stadt in Empfang genommen. Sie verteilen nicht nur Gratis-Flyer und -Sticker, sondern weisen auch den Fußweg zum Fan-Fest. Viele Eintreffende befolgen den Ratschlag, andere gehen lieber gleich hinunter zur Straßenbahn-Haltestelle, um mit der Linie 302 in Richtung Arena zu fahren.
Auch Thorsten Millnitz, der aus der Nähe von Hannover kommt, wählt dieses Verkehrsmittel. Er war schon 2003 mit dabei, als Springsteen zum ersten Mal in der Schalker Arena aufgetreten war. Daran erinnert er sich aber nicht so gern zurück. „Ich habe damals etwas weiter hinten gestanden und fand die Akustik bei geschlossenem Dach wirklich nicht so gut“, erzählt der 55-Jährige. Was er besonders schätzt, ist das Miteinander in der Anhängerschaft: „Gerade im Innenraum gehen immer alle sehr gut und behutsam miteinander um. Es besteht eine enge Verbindung unter den Fans und fühlt sich für mich fast wie eine zweite Familie an.“
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