„Ärgernis“: Kampf gegen herrenlose Einkaufswagen – hier müssen Händler zahlen – NRZ


Sie liegen achtlos auf dem Grünstreifen, blockieren Bushaltestellen oder stehen mitten auf dem Gehweg. Immer wieder verirren sich Einkaufswagen von Supermarktplätzen in die wildesten Ecken der Stadt. Für viele Bürger ist die Vermüllung ein großer Störfaktor, für Händler ein logistisches Problem: Sie müssen regelmäßig losziehen, um ihr Eigentum wieder einzusammeln. Besonders in Gelsenkirchen hat sich das Problem der „wilden“ Einkaufswagen zu einem echten Ärgernis entwickelt. Seit August greift die Stadt deshalb zu einer drastischen Maßnahme: Händler werden selbst zur Kasse gebeten.
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Das Prinzip dahinter ist simpel: Bürgerinnen und Bürger können herrenlose Einkaufswagen über die städtische App melden, daraufhin kommen Mitarbeiter und sammeln sie mit einem Spezialfahrzeug ein. Doch der „Abholservice“ hat seinen Preis: Möchte ein Händler einen seiner Einkaufswagen zurückhaben, muss er 120 Euro pro Stück bezahlen. Wird der Wagen nicht abgeholt, kommen zusätzlich 30 Euro Entsorgungskosten obendrauf. Seit Einführung des Systems Anfang August seien bereits über 400 Wagen eingesammelt worden, heißt es stolz aus der Stadtverwaltung.
Doch nicht nur Gelsenkirchen kämpft mit den Diebstählen von Supermarktparkplätzen. Laut Schätzungen verschwinden deutschlandweit jedes Jahr etwa 100.000 Einkaufswagen und tauchen oft abseits des ursprünglichen Standorts wieder auf. Wie Aldi Nord erklärt, falle die Anzahl der Verluste in Großstädten und Ballungsgebieten deutlich höher aus als in ländlicheren Kommunen.
„Das System ist aber deutlich teurer als der Verlust, den ich mit verlorenen Einkaufswagen habe.“
David Hegemann, Betreiber von fünf Rewe-Märkten in Düsseldorf und Meerbusch, kennt das Problem. Ein bis zwei Mal pro Woche zieht der Kaufmann los, um verschwundene Shopper wieder einzusammeln. Wenig im Vergleich zu anderen Märkten, „aber über ganz Düsseldorf und alle Supermärkte verteilt kommt natürlich eine gewisse Menge zusammen“, weiß Hegemann. Oftmals kämen Hinweise auch aus seiner Kundschaft. Bekommt die Stadtverwaltung Hinweise auf herumstehende Wagen, gibt sie diese an Händler weiter, die für die Abholung verantwortlich sind.
In Städten wie Düsseldorf und Krefeld ein erprobter Ablauf, oft unterstützt durch Melde-Apps. In Krefeld etwa können Bürger über den „Maak et“-Mangelmelder Informationen übermitteln. Der Krefelder Kommunalbetrieb KBK sichert den Wagen und fordert die zuständigen Händler auf, diesen zeitnah abzuholen. Doch ob sie dem Ruf folgen, liegt oft allein an den Supermärkten selbst. Freiwillig klappt das nicht immer, wie das Beispiel Gelsenkirchen zeigt. Hegemann kann die Ruhrgebietsstadt zumindest verstehen, auch wenn er sich, wie er sagt, gerne „selbst um das Problem kümmert“.
Irrelevant ist das Thema auch in anderen Städten der Region nicht. In Dinslaken werden nach Angaben der Stadt ein bis zwei Mal im Monat einzelne oder zusammengeschobene Wagen gefunden. Tendenz: steigend. Nur selten würden sie durch Bürger gemeldet. In der Regel, heißt es, werden sie direkt von Pflegekolonnen oder der Stadtreinigung mitgenommen und – wenn funktionsfähig – am entsprechenden Supermarkt wieder abgestellt.
Bei André Stepper, der mehrere Edeka-Märkte in Voerde führt, käme es nur selten zum Diebstahl. „Und wenn, dann vielleicht mal bei einem Jugendstreich, dann sammeln wir die direkt wieder ein.“ Auch in Kleve und Moers gingen bei der Stadt nur äußerst selten Beschwerden über herrenlose Wagen ein, heißt es auf Nachfrage. Eine Maßnahme wie in Gelsenkirchen sei hier also nicht nötig.
Dabei ist das eingeführte System nicht ganz neu. Die Stadt Bergkamen geht so bereits seit 2021 gegen die „wilden“ Einkaufswagen vor, die lange das Stadtbild prägten. Für den Handelsverband Nordrhein-Westfalen ein „Ärgernis, dass Händler für etwas zahlen müssen, das sie nicht verursacht haben“, erklärt eine Sprecherin im Gespräch mit unserer Redaktion.
Um sich die Kosten zu sparen, überlegen Gelsenkirchener Händler inzwischen, wie sie ihre Wagen besser sichern können. Ein Beispiel könnte Kaufland im Duisburger Stadtteil Hochheide sein. Die Supermarkt-Kette führte dort im vergangenen Jahr ein System ein, bei dem ein Magnetstreifen auf dem Parkplatz das Weiterrollen des Wagens verhindert. Auch Discounter wie Aldi Süd setzen seit Jahren schon auf Diebstahlsicherungen.
Noch sieht der Düsseldorfer Kaufmann David Hegemann in seinen Märkten keinen Handlungsbedarf. Auch wenn er sich in der Vergangenheit schon ein Angebot für das Wegfahrsperren-System eingeholt hat. „Das System ist aber deutlich teurer als der Verlust, den ich mit verlorenen Einkaufswagen habe.“ Sein Ansatz? „Für mich war die beste Entscheidung, meine Einkaufswagen mit meinem Firmennamen zu individualisieren“, so Hegemann. So ließen sich verschwundene Wagen schnell zuordnen und wieder einsammeln.
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