Kann das Zufall sein? NRW-Innenminister sieht "Merkwürdigkeiten" bei Sparkassen-Coup – T-Online


Gangster haben in Gelsenkirchen Millionenbeute gemacht. Ein paar Dinge findet Nordrhein-Westfalens Innenminister so seltsam, dass laut ihm eine bestimmte Schlussfolgerung naheliegt.
Der Einbruch in eine Gelsenkirchener Sparkasse beschäftigt weiter die Polizei – und ist mittlerweile auch zu einem Politikum geworden. Am Dienstag befasste sich der Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags auf Antrag der SPD mit dem Thema. Innenminister Herbert Reul (CDU) gab bei einer Sondersitzung ein Update.
Mittlerweile seien 230 Beamte an dem Fall dran, sagte Reul. Der Anspruch laute: "Das Ding klären wir auf."
Aber es sei eine Menge Arbeit: Im Tresorraum der ausgeräumten Sparkasse sowie dem angrenzenden Archivraum hätten die Gangster 500.000 Gegenstände auf dem Boden zurückgelassen. Diese müssten akribisch untersucht werden. "Auf jedem dieser Gegenstände könnten relevante Spuren sein", sagte Reul. Außerdem seien die Ermittler dabei, 10.000 Stunden Videomaterial auszuwerten.
Bereits zuvor hatte Reul in einem Interview mit der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" gesagt, er halte es für "nicht unwahrscheinlich", dass die Einbrecher Hilfe hatten. Es gebe "ganz vorsichtig gesprochen ein paar Merkwürdigkeiten".
Unter anderem erklärte Reul der "WAZ": Die maskierten Männer hätten augenscheinlich eine nicht alarmgesicherte, manipulierte Tür benutzt, um in einen Archivraum der Sparkasse zu gelangen. "Sie setzten dort einen Kernbohrer genau an der richtigen Wand zum Tresorraum an und ließen von 3.256 Schließfächern viele ungeöffnet, von denen die meisten nicht belegt sind."
"Kann natürlich alles Zufall sein", sagte Reul. Aber auch am Dienstag in der Sondersitzung des Innenausschusses spekulierte der Innenminister weiter über einen Tippgeber. Infrage kämen dafür nicht nur Sparkassen-Mitarbeiter: "Das muss gar nicht sein", sagte Reul. Auch andere Personen könnten über das notwendige Wissen verfügen.
Im Fokus der Landtagssitzung stand am Dienstag außerdem ein Feueralarm am frühen Morgen des 27. Dezember. Zu diesem Zeitpunkt waren die Täter möglicherweise schon in der Bank. Mutmaßlich befanden sie sich gerade im Archivraum neben dem Tresorraum, als Feuerwehr und Polizei die Filiale inspizierten. Reul sagte dem Ausschuss: "Da der Alarm aus dem Tresorraum kam, haben sich Polizei und Feuerwehr auf den Weg gemacht." Der unmittelbare Zugang zum Tresorraum sei zwar durch ein verschlossenes Rollgitter versperrt gewesen, die Einsatzkräfte hätten aber gut in den Vorraum sehen können. Dort hätten sie weder einen Brand noch eine Störung festgestellt. Daher seien sie von einem Fehlalarm ausgegangen und wieder weggefahren.
Erst als am 29. Dezember ein weiterer Brandmeldealarm bei der Feuerwehr einging, wurde der Einbruch entdeckt. Der genaue Wert der Beute wird weiter ermittelt. Eine erste Schätzung der Polizei ging von einem mittleren zweistelligen Millionenbereich aus, inzwischen halten Ermittler aber auch einen Schaden im dreistelligen Millionenbereich für realistisch.
Spekulationen, bei dem gestohlenen Werten könne es sich um Clanvermögen oder Schwarzgeld handeln, wies Reul zurück: Er sprach im Interview mit der "WAZ" von "Kaffeesatzleserei": "Alle, die solche Spekulationen in die Welt setzen, sollten aufpassen, dass sie nicht die Opfer dieses Verbrechens zu Tätern machen." Bei mehr als 3.000 aufgebrochenen Schließfächern sei mutmaßlich alles Mögliche dabei – "Familienschmuck, Hochzeitsgeld, Erbstücke, Altersvorsorge und wahrscheinlich auch Vermögen aus nicht ganz so sauberen Quellen". Das wisse jedoch niemand und sei nicht das vorrangige Thema.
Der Anwalt Daniel Kuhlmann kündigte unterdessen eine Klage gegen die Sparkasse an, die er kommende Woche erheben wolle. Er habe bereits Mandanten-Vollmachten von etwa 150 Geschädigten sowie etwa genauso viele Interessierte, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Er sehe Anzeichen einer Pflichtverletzung der Bank, sagte Kuhlmann. So gebe es anscheinend keinen Erschütterungsmelder in dem Tresorraum. Die Einbrecher hätten sich möglicherweise ungestört 48 Stunden in der Bank aufgehalten. Offensichtlich sei das Sicherheitskonzept der Bank unzureichend oder zumindest nicht ordnungsgemäß umgesetzt worden.
Der Gelsenkirchener Sparkassenchef Michael Klotz hatte dagegen Kritik an der Sicherheitstechnik in der Filiale zurückgewiesen. "Die Filiale mit dem Schließfachraum war nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert", hatte Klotz zuletzt betont. Die Maßnahmen seien laufend verbessert worden.
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