
Die Polizei geht von einer Beute im dreistelligen Millionenbereich aus. Jetzt veröffentlichen die Beamten neue Details zum Vorgehen der Kriminellen.
Nach dem spektakulären Einbruch in eine Gelsenkirchener Sparkassen-Filiale arbeiten laut Polizei "jeden Tag über 200 Ermittelnde in Zwölf-Stunden-Schichten daran, den Tathergang zu rekonstruieren, Beweise zu sichern, Spuren zu verfolgen und Zeugen zu vernehmen". Mittlerweile gebe es mehr Klarheit über das Vorgehen der Diebe, teilten die Beamten am Dienstag mit. Demnach lasse sich anhand der ausgewerteten Daten sagen, dass die Täter am 27. Dezember 2025 um 10.45 Uhr das erste Schließfach in dem Tresorraum aufbrachen. Die letzte digitale Aufzeichnung der Öffnung eines Schließfaches sei um 14.44 Uhr erfolgt.
Innerhalb von vier Stunden knackten die Gangster demnach fast alle der 3.256 Schließfächer gewaltsam, entleerten den Inhalt auf den Boden und nahmen alles mit, was sie für wertvoll hielten. Eine erste Schätzung der Polizei ging von einem mittleren zweistelligen Millionenbereich aus, inzwischen halten Ermittler aber auch einen Schaden im dreistelligen Millionenbereich für realistisch.
Alles, was die Täter auf den Boden kippten, muss jetzt akribisch auf mögliche Spuren untersucht werden. "Da der Tresorraum durch die Täter mit verschiedenen chemischen Flüssigkeiten kontaminiert worden ist, mutmaßlich um Spuren zu verwischen, ist die Arbeit für die Ermittlerinnen und Ermittler vor Ort sehr fordernd", teilten die Beamten mit.
Gelsenkirchens Polizeipräsident Tim Frommeyer erklärte: "Wir haben es hier mit einem der größten Kriminalfälle in der Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen zu tun." Für die Polizei von besonderem Interesse ist, wie die Täter in die Bank gelangten – und ob sie möglicherweise Hilfe hatten. Dazu teilten die Ermittler am Dienstag nun mit: Inzwischen stehe fest, dass eine eigentlich nicht zu öffnende Fluchttür aus dem Keller der Sparkasse in ein angrenzendes Parkhaus so manipuliert war, dass "den Tätern ein ungehinderter Zugang vom Parkhaus in das Sparkassengebäude möglich" gewesen sei.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul hatte bereits zuvor in einem Interview mit der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" ("WAZ") gesagt, er halte es für "nicht unwahrscheinlich", dass die Einbrecher mit Insidertipps versorgt waren. Es gebe, "ganz vorsichtig gesprochen, ein paar Merkwürdigkeiten".
Unter anderem erklärte Reul der "WAZ", die Täter seien durch diese Tür in einen Archivraum der Sparkasse gelangt. "Sie setzten dort einen Kernbohrer genau an der richtigen Wand zum Tresorraum an."
Quellen anzeigen
Antworten