Nach dem Einbruch: Kunden klagen gegen Sparkasse Gelsenkirchen – tagesschau.de


Stand: 28.01.2026 19:44 Uhr
Rund einen Monat nach dem Einbruch in der Gelsenkirchener Sparkasse hat die Polizei noch keine heiße Spur. Drei Kunden haben Klage eingereicht. Ihr Anwalt erhebt scharfe Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen der Bank.
Vor fast genau einem Monat wurde der spektakuläre Einbruch in die Sparkasse Gelsenkirchen entdeckt. Mehrere Täter bohrten ein Loch in den Tresorraum und erbeuteten mutmaßlich einen dreistelligen Millionenbetrag. Heute hat ein Anwalt die ersten Klagen gegen die Sparkasse eingereicht.
Es geht um drei einzelne Klagen von Schließfachbesitzern, die Anwalt Daniel Kuhlmann heute Vormittag dem Landgericht Essen elektronisch übermittelt hat. Bei den Fällen handelt es sich nach seiner Auskunft um Kunden, die seriös nachweisen können, welche Werte in ihren Schließfächern gelagert hatten.
Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann hat die ersten Klagen eingereicht
Unter den Personen, die klagen, ist eine Rentnerin. Die Frau habe eine Eigentumswohnung verkauft und die Summe von rund 400.000 Euro in bar in ihrem Fach aufbewahrt. Den hohen Betrag könne die Frau auch nachweisen. Ein weiterer Kläger habe vor allem Gold im Wert von rund 50.000 Euro in seinem Schließfach aufbewahrt. Auch dafür gebe es Nachweise.
Der dritte Kläger ist Daniel Oryan, Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens: „Bei mir im Schließfach lagen Werte, die natürlich die Versicherungssumme überschritten haben. Und da geht es natürlich auch drum, da möglichst schnell, so viel wie möglich von dem Schaden zurückzubekommen“, sagt er. Die Schließfach-Versicherung deckt nur den Verlust von bis zu 10.300 Euro ab.
Anwalt Daniel Kuhlmann will erreichen, dass die drei Verfahren als Musterklagen behandelt werden. Dazu sei er mit der Sparkasse Gelsenkirchen im Austausch. „Wenn die Musterklagen positiv ausgehen, werden alle unserer anderen Mandanten davon profitieren“, so der Anwalt. Lasse sich die Sparkasse nicht darauf ein, würden zu einem späteren Zeitpunkt weitere Klagen eingereicht. Der Anwalt habe die Mandate von mehreren hundert Geschädigten.
Der Anwalt wirft der Sparkasse Gelsenkirchen vor, grob fahrlässig gehandelt zu haben. „Hätte die Sparkasse ein Sicherheitskonzept gehabt, dass dem aktuellen Stand der Technik entsprochen hätte, wäre der Einbruch aufgefallen“, sagt Kuhlmann. Nun fordert er Schadenersatz.
Die Täter bohrten ein 40 Zentimeter großes Loch in die Wand zum Tersorraum
Der Rechtsanwalt hat nach eigener Aussage einen Gutachter beauftragt, der bereits ein Gutachten in einem anderen Verfahren in Norddeutschland erstellt hat. In dieser Studie im Auftrag des OLG Hamburg hat er der Hamburger Sparkasse nach dem Einbruch in den Tresorraum der Sparkasse Norderstedt schwere Sicherheitsmängel vorgeworfen. Dort waren im Jahr 2021 auch Täter in den Tresorraum eingedrungen und hatten Schließfächer aufgebrochen. Das Verfahren hatte die Sparkasse verloren und dagegen Berufung eingelegt.
Auch im Gelsenkirchener Fall gebe es laut Auskunft des Anwalts schwere Sicherheitsmängel, so habe unter anderem ein spezieller Schutz in der Wand zum Tersorraum gefehlt, den die Täter Ende Dezember aufgebohrt hatten. Die Sparkasse Gelsenkirchen wies zuletzt Kritik an der Sicherheitstechnik in der Bank zurück, die Filiale sei nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert gewesen.
Bei dem Einbruch überwanden die Täter Ende Dezember mehrere Sicherheitssysteme und erbeuteten nach Schätzungen eine dreistellige Millionensumme. Wie den Einbrechern das gelang ohne den Einbruchalarm auszulösen, gilt als zentrale Frage der Ermittlungen.
Die Ermittlungen der Polizei laufen auf Hochtouren. Noch gibt es keine heiße Spur auf die Täter. Die Ermittler haben bereits 840 Schließfachbesitzer vernommen, außerdem wurden 130 Mitarbeiter der Sparkasse, eingesetzte Polizei- und Feuerwehrkräfte sowie Hausbewohner befragt. Von den rund 500.000 Gegenständen, die die Täter im Tresorraum zurückgelassen haben, sind mittlerweile 50.000 erfasst worden. Darunter persönliche Papiere, Schmuck, Uhren oder auch Gold. Parallel dazu gehen die Beamten rund 600 Hinweisen nach, die mittlerweile eingegangen sind.
Unterdessen hat die Sparkasse Gelsenkirchen eine Servicestelle für betroffene Schließfachkunden eingerichtet. Ab kommender Woche (2. Februar) können sich Betroffene an die Mitarbeiter in der ehemaligen Geschäftsstelle am Bahnhofsvorplatz wenden. „Wir wissen, dass diese Situation für Viele mit Sorgen und Unsicherheiten verbunden ist. Unser Anspruch ist es, unsere Kundinnen und Kunden in dieser Phase zu begleiten, transparent zu informieren“, sagt der Vorstandsvorsitzende Michael Klotz.
Sendung: WDR.de, Nach dem Einbruch: Erste Klagen gegen Sparkasse Gelsenkirchen, 28.01.2026, 16.17 Uhr

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