
Dieser Fall hat selbst hartgesottene Mitarbeitende des Veterinäramtes erschüttert: Nach einem Hinweis fanden sie in zwei Wohnungen in Gelsenkirchen insgesamt 16 Hunde und acht Katzen – in desolatem Zustand, in ihren Exkrementen lebend und offenbar zu Zuchtzwecken gehalten. Alle Tiere wurden umgehend ins Gelsenkirchener Tierheim gebracht.
Gegen die Halterin wurde ein Tierhalteverbot ausgesprochen. Ein Teil der Tiere kann nun vermittelt werden – dringend nötig, wie Tierheimleiterin Annika Gehrmann sagt: „Wir haben aktuell 102 Hunde hier.“ Ausgelegt ist das Tierheim aber lediglich für 80. „Unser Personal hat mehrere Tage gebraucht, bis sich die neuen Tiere einigermaßen wohlgefühlt haben“, berichtet Heike Reddig, Pressesprecherin des Tierschutzvereins. Viele Hunde seien so verschmutzt und verfilzt gewesen, dass sie kaum laufen konnten.
„Bei den Katzen ist es noch dramatischer: Alle acht benötigen eine Zahnsanierung.“ Was harmlos klingt, ist es nicht. Den meisten Katzen müssen nahezu alle Zähne gezogen werden, schwere Entzündungen müssen behandelt werden. „Das kann pro Tier rund 2000 Euro kosten. Wir müssen sehen, wie wir das stemmen.“
Die acht Katzen – alles Rassetiere und bereits älter – sind im Tierheim nicht unbekannt. „Die hatten wir vor ein paar Jahren schon einmal hier“, erinnert sich Gehrmann. Damals mussten sie der Halterin zurückgegeben werden.
„Sie hat die Haltungsbedingungen damals auf Anweisung des Veterinäramtes angepasst“, sagt die Tierheimleiterin. So sei die Rechtslage. Jetzt aber könnten die Tiere dauerhaft vermittelt werden. „Sie sind alle sehr menschenbezogen und lieb.“ Dennoch brauche es Zeit, bis sie sich eingewöhnt haben.
Auch die Hunde seien durchweg freundlich. „Sie haben einfach nichts erlebt – nichts Gutes, aber auch nichts Schlechtes. Vom Kopf her sind das noch Welpen“, sagt Gehrmann. Offenbar wurde mit mehreren Rassen gezüchtet, darunter Old English Bulldog, Französische Bulldogge, Havaneser-Mix und Cocker Spaniel. Viele Tiere hätten sich bereits gut entwickelt. Andere zeigen noch deutliche Spuren der schlechten Haltung.
So auch eine etwa dreijährige Hündin: Sie kommt neugierig ans Gitter, zittert aber, kriecht über den Boden und reagiert schreckhaft. „Aber dabei sie ist sie einfach nur lieb.“
Besonders dringend ist die Situation bei einer Französischen Bulldoggen-Familie: Rüde „Rubble“, Hündin „Bubble“ und die 18 Wochen alte Tochter „Mini“. Gerade der junge Hund müsse schnell vermittelt werden, um sich gut entwickeln zu können. Die Platznot ist groß. Viele Tiere sind in provisorischen Zwingern untergebracht – sogar in den Umkleiden des Tierheims.
„Ich weiß nicht mehr, wo ich die Tiere noch unterbringen soll“, sagt Gehrmann. Erst kurz zuvor sei wieder ein beschlagnahmter Hund aufgenommen worden.
Heike Reddig appelliert eindringlich, keine Tiere im Internet zu kaufen. Damit unterstütze man ein System, das großes Tierleid verursache. Oft fehlten verlässliche Informationen über Herkunft und Zustand der Tiere. „Man kann ein Tier nicht wie aus einem Katalog bestellen“, sagt sie. Trotzdem bestehe das System fort. „Solange es Käufer gibt, gibt es auch Verkäufer.“
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Zehn Hunde und acht Katzen aus der Beschlagnahmung können bereits vermittelt werden, weitere sechs Hunde sollen folgen. Interessenten können sich an das Tierheim Gelsenkirchen wenden: https://tierheim-gelsenkirchen.de und telefonisch erreichbar unter der Rufnummer 0209 722 41.
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