BP verkauft Raffinerie Gelsenkirchen – EU gibt grünes Licht – WAZ | Westdeutsche Allgemeine Zeitung


Der Mineralölkonzern BP darf aus EU-Sicht seine Raffinerie in Gelsenkirchen an den Raffineriebetreiber Klesch-Gruppe verkaufen. Es gebe keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken gegen einen Zusammenschluss, teilte die EU-Kommission mit. Die Unternehmen hätten nur eine begrenzte gemeinsame Marktstellung. Bei großen Übernahmen prüft die Brüsseler Behörde, ob dadurch unverhältnismäßig große Einschränkungen des freien Wettbewerbs entstehen können. 
Die Raffinerie Gelsenkirchen ist eine der größten Deutschlands. Der aus zwei Standorten bestehende Komplex kann jährlich rund zwölf Millionen Tonnen Rohöl verarbeiten. Hergestellt werden vor allem Kraftstoffe für den Straßen- und Luftverkehr. Produziert werden auch Rohstoffe für die petrochemische Industrie.
Der integrierte Raffineriekomplex mitsamt Tanklager in Bottrop beschäftigt laut BP-Angaben von März rund 1.800 Menschen. Der Konzern hatte im März angekündigt, die Raffinerie an die konzernunabhängige Klesch-Gruppe zu verkaufen. Der Verkauf soll nach einer Zustimmung der Behörden noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden, hieß es damals.
Die auf Malta ansässige Klesch‑Gruppe des US-Amerikaners A. Gary Klesch betreibt in Europa zwei Ölraffinerien: die Raffinerie Heide im schleswig-holsteinischen Kreis Dithmarschen und eine Raffinerie im dänischen Kalundborg. 
Das Bundeswirtschaftsministerium prüft laut einem „Spiegel“-Bericht von April ebenfalls den Verkauf der Raffinerie und nimmt dafür eine Investitionsprüfung vor. Hinter der auf Malta ansässigen Klesch-Gruppe stehe ein undurchsichtiges Firmenkonstrukt in der Steueroase Jersey, berichtete der „Spiegel“. Der Staat kann unter bestimmten Voraussetzungen den Erwerb von Firmen durch nicht-europäische Investoren untersagen.
Aus Sicht der Belegschaft sei man froh, dass mit dem Verkauf an Klesch eine „lange Phase der Ungewissheit“ zu Ende gehe. „Wir warten jetzt darauf, dass es losgeht“, sagte Betriebsratsvorsitzender Darko Manojlovic Manojlovic bereits vor einigen Wochen. Bislang habe er schon zwei Mal mit Gary Klesch persönlich gesprochen und sich einen Eindruck verschaffen können: „Das ist ein echter Selfmademan, ein Macher, der hemdsärmelig daherkommt“, beschreibt er.
Und auch Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Andrea Henze und der für die Wirtschaftsförderung zuständige Stadtrat Simon Nowack hatten in ersten Reaktionen begrüßt, dass endlich Klarheit über die Zukunft des Unternehmens besteht, und erwarten vom neuen Eigentümer eine verlässliche Perspektive für den Standort und seine Beschäftigten. (mit dpa)
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