
Shanghai, Veltlin, Lausitz – und Gelsenkirchen-Schaffrath. Im Radsport-Kalender von Moritz Augenstein steht zwischen Weltklasse-Stationen ein Ortsname, der überrascht – zumindest, wenn man kein Radsport-Kenner ist.
Es ist nicht mehr lange hin, bis der 29-Jährige drei Wochen lang in Italien trainiert. Dann geht es für den Radsportler ins Veltlin nach Livigno, ein „absolutes Eldorado“ für Radfahrer. Augenstein bereitet sich auch auf die Weltmeisterschaft im Oktober vor, die in Shanghai/China ausgetragen wird. Aber für ihn wie für viele Radsportler ist klar: Gelsenkirchen gehört in jeden gut gefüllten Kalender.
2026 findet die City Nacht, organisiert vom Gladbecker Michael Zurhausen, zum 32. Mal statt. Am Mittwoch, 3. Juni, gehört Weltmeister Moritz Augenstein zum Teilnehmerfeld. Im vorigen Jahr hatte er bei der Bahnrad-WM in Santiago de Chile Gold geholt. Er gewann in der Disziplin Scratch, einem Massenstartrennen über eine festgelegte Distanz, bei dem die Reihenfolge im Ziel entscheidet.
Ein perfekter Abend in Gelsenkirchen sähe für ihn so aus, sagt Moritz Augenstein: „Auf dem Podest zu stehen – und etwas Leckeres zu essen würde auch guttun.“
Ein Rennen unter der Woche, abends, hat schon seinen eigenen Charme, wenn es dunkel wird.
Für den Podestplatz ist er an diesem Abend ab etwa 20.15 Uhr selbst über 60 Runden verantwortlich. Es ist seine zweite Teilnahme bei der City Nacht in Gelsenkirchen-Schaffrath, bei seiner ersten Visite 2016 waren die Podestränge für Augenstein doch ein ganzes Stück entfernt.
Aber Augenstein kommt am Mittwoch gut vorbereitet ins Ruhrgebiet. An Pfingsten hat er in der Lausitz das Rennen um den 14. Forster Derny-Cup gewonnen, Zweiter wurde dort Roger Kluge, auch ein Fahrer, der schon WM-Gold geholt hat. Die beiden werden sich am Mittwoch in Gelsenkirchen wiedersehen.
Im Rennen selbst, so Augenstein, bekommen die Fahrer nicht so viel mit, „da ist man schon im Tunnel.“ Aber auf die Atmosphäre an diesem Abend freut er sich schon: „Ein Rennen unter der Woche, abends, hat schon seinen eigenen Charme, wenn es dunkel wird.“
Augenstein kommt als Weltmeister nach Gelsenkirchen. Sein WM-Sieg im Oktober 2025 war nicht nur Gold bei seinem Weltmeisterschaftsdebüt, sondern auch ein Comeback nach einem schweren Unfall zu Beginn jenes Jahres.
Augenstein gehörte zur deutschen Bahnrad-Nationalmannschaft, die im Januar 2025 beim Training auf Mallorca einen schweren Unfall hatte. Damals war ein 89-Jähriger mit seinem Auto in die Gruppe der Radsportler gefahren. Einige von ihnen verletzten sich dabei schwer. Moritz Augenstein musste an der Schulter operiert werden und verpasste die Bahnrad-EM, kämpfte sich aber einige Wochen darauf wieder zurück.
Wie er die schnelle Rückkehr geschafft hat? Augenstein sagt heute: „Es war gar keine so große Frage für mich, zurückzukommen. Ich war gar nicht so richtig raus und habe einfach direkt weiter durchgezogen.“
In diesen Wochen schickt ihn sein Wettkampfkalender nacheinander durch die Lausitz, Gelsenkirchen, danach durchs Veltlin und schließlich zur WM nach Shanghai. Das alles in einem Jahr unterzubringen, sei nicht nur Kopfsache, sagt Augenstein: „Eine gute Planung gehört auch dazu, aber ich fahre gerne Rennen. Je mehr Rennen, desto mehr Spaß habe ich dann auch.“
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