Stipendium schon vor dem Abi: Neue Chancen für Talente aus Gelsenkirchen – WAZ | Westdeutsche Allgemeine Zeitung


Für viele Jugendliche entscheidet nicht allein die Leistung über den Bildungsweg. Oft spielt auch die Frage eine Rolle, ob sich ein Studium überhaupt finanzieren lässt. Genau hier setzt ein Förderprogramm an, das maßgeblich von Gelsenkirchen aus begleitet wird.
Das NRW-Zentrum für Talentförderung an der Westfälischen Hochschule baut seine Zusammenarbeit mit der Studienstiftung des deutschen Volkes aus. Herzstück ist die sogenannte „Vorabitur-Auswahl“. Sie ermöglicht besonders begabten und engagierten Schülerinnen und Schülern bereits im letzten Schuljahr vor dem Abitur die Zusage für ein Stipendium. Bislang war eine Bewerbung bei der Studienstiftung meist erst nach Studienbeginn möglich.
Die Neuerung richtet sich vor allem an Jugendliche aus einkommensschwächeren Familien. Sie sollen frühzeitig Planungssicherheit erhalten und nicht aus finanziellen Gründen auf ein Studium verzichten müssen.
Doch wer hat überhaupt eine Chance auf das Programm? Entscheidend sind nicht nur gute Noten. Gesucht werden junge Menschen mit besonderen Fähigkeiten, hohem Engagement und erkennbarem Entwicklungspotenzial. Auch ehrenamtliche Tätigkeiten, Verantwortungsbewusstsein oder besondere Leistungen in Schule und Gesellschaft können eine wichtige Rolle spielen.
Direkt bei der Studienstiftung bewerben können sich Schülerinnen und Schüler für diesen Weg in der Regel nicht. Eine Schlüsselrolle spielen die Talentscouts, die an vielen Schulen in Nordrhein-Westfalen aktiv sind. Der Weg zum Stipendium führt meist über sie: Sie beraten Jugendliche und schlagen geeignete Kandidaten für das Auswahlverfahren vor. Wer Interesse hat, kann sich über seine Schule oder direkt an die Talentscouts wenden.
Das Modell wird bereits erfolgreich erprobt. 2025 wurde die „Vorabitur-Auswahl“ als Pilotprojekt in sieben Bundesländern getestet. Inzwischen wird das Programm bundesweit angeboten.
Auch die Erfolgsquoten können sich sehen lassen. Nach Angaben der Studienstiftung werden von Talentscouts vorgeschlagene Bewerber häufiger aufgenommen als Kandidaten, die ausschließlich über ihre Schule vorgeschlagen werden. Die Aufnahmequote liegt bei 33,2 Prozent, gegenüber 27,1 Prozent bei klassischen Schulvorschlägen.
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Für Gelsenkirchen hat das Thema besondere Bedeutung. Das NRW-Zentrum für Talentförderung an der Westfälischen Hochschule gilt als zentrale Plattform für Talentförderung in Nordrhein-Westfalen. Rund 40.000 junge Menschen wurden bislang bei ihrer Studien- und Berufswahl begleitet.
„Stipendien sind eines der wirkungsvollsten Instrumente gegen herkunftsbedingte Chancenunterschiede“, sagt Hochschulpräsident Bernd Kriegesmann. Ziel der Kooperation ist es, Talente stärker nach ihren Fähigkeiten zu fördern – und weniger danach, aus welchem Elternhaus sie stammen.
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