
Die Stadt Gelsenkirchen unternimmt einen neuen Anlauf, um ein „Haus des Jugendrechts“ in die Stadt zu holen – zumindest als Außenstelle. Angesichts anhaltender Raubüberfälle durch Kinder und Jugendliche halten Oberbürgermeisterin Andrea Henze (SPD) und Ordnungsdezernent Simon Nowack (CDU) eine solche Einrichtung für sinnvoll. Eine Dependance könnte zumindest tage- oder stundenweise in der Woche besetzt sein, hoffen die beiden.
Seit Mitte 2022 beschäftigt eine Serie von Diebstählen, Raubzügen und Gewaltdelikten durch Kinder und Jugendliche die Stadt. Meist geht es nur um ein paar Euro, um Kopfhörer oder schlicht um Machtspiele und sinnlose Gewalt. Polizeipräsident Tim Frommeyer betonte Anfang des Jahres: Die Zahl der Fälle steche im Vergleich zu den Vorjahren nicht besonders heraus – die Gewaltbereitschaft der jungen Täter aber nehme zu. Immer wieder kommen auch Messer oder Pfefferspray zum Einsatz – und nicht selten handelt es sich um Wiederholungstäter.
Auch deshalb wünscht sich die Stadt Gelsenkirchen, die in enger Zusammenarbeit mit der Polizei Maßnahmen gegen Jugendkriminalität angekündigt und teilweise bereits ergriffen hat, ein „Haus des Jugendrechts“. Denn dort arbeiten Jugendgerichtshilfe, Staatsanwaltschaft und Polizei unter einem Dach zusammen, um kriminelle Karrieren jugendlicher und heranwachsender Tatverdächtiger früh zu stoppen, die Rückfallquote zu senken und so die Sicherheitslage zu verbessern. Die kurzen Wege zwischen den Behörden sollen auch dafür sorgen, dass auf Taten auch schneller Strafen folgen.
Es gehe aber nicht immer nur um den schnellen Prozess, um ein schnelles Urteil, sondern vielmehr um die „angemessene Reaktionsform“, heißt es in einer allgemeinen Erläuterung der NRW-Polizei zu den Häusern des Jugendrechts im Land. Manchmal müsse man zwar schnell reagieren, manchmal könne es aber auch zielführend sein, wenn man den Jugendlichen Zeit ließe, zu verstehen, was er getan hat, und sich zu entschuldigen. „Aber darüber, wie man am besten reagiert und was jeder einzelne Kooperationspartner zur Zielerreichung beitragen kann und sollte, müssen die Fachleute reden. Dazu muss man im wahrsten Sinne des Wortes ‚die Köpfe zusammenstecken‘ – und in der Regel nicht nur einmal. Den Rahmen dazu bietet ein Haus des Jugendrechts“, so die Polizei.
Ein eigenes Haus des Jugendrechts wird Gelsenkirchen allerdings auch in Zukunft wohl kaum bekommen, weil es je Staatsanwaltschaftsbezirk in der Regel nur eine solche Einrichtung gibt. Für Gelsenkirchen ist die Staatsanwaltschaft Essen zuständig – und dort existiert bereits ein Haus des Jugendrechts. Deshalb setzt die Stadt nun auf eine abgespeckte Variante: eine Außenstelle, die nur an bestimmten Tagen oder zu festen Stunden geöffnet ist.
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