
Wer am Hauptbahnhof Gelsenkirchen aussteigt, bewegt sich weiterhin in einem der Bahnhöfe in NRW mit der höchsten Kriminalität: Obwohl die Zahlen zurückgehen, liegt der Halt nach einer aktuellen Auswertung des NRW-Innenministeriums auf Rang sechs der NRW-Bahnhöfe mit den meisten registrierten Straftaten. Nur Köln, Dortmund, Düsseldorf, Essen und Münster verzeichnen mehr Fälle. Die Zahlen gehen aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der AfD-Landtagsfraktion hervor.
Im vergangenen Jahr registrierte die Bundespolizei am Gelsenkirchener Hauptbahnhof 688 Straftaten. Ein hoher Wert – aber zugleich der niedrigste seit 2022. Damals war die Zahl mit 881 Fällen sprunghaft nach oben geschnellt. Im Jahr zuvor, mitten in der Corona-Pandemie, waren es nur 316 Straftaten. Ein mutmaßlicher Grund für den deutlichen Anstieg 2022 könnte die schrittweise Rücknahme der Maßnahmen sein – die Bahnhöfe füllten sich wieder. In den Jahren 2019 und 2020 war Gelsenkirchen noch gar nicht unter den zehn am stärksten belasteten Bahnhöfen aufgetaucht.
Seit 2022 hat sich die Zahl der Fälle in Gelsenkirchen auf einem hohen Niveau eingependelt: 702 Straftaten waren es 2023, 716 im Jahr 2024, zuletzt 688. NRW-weit erreichte die Kriminalität an Bahnhöfen 2023 ihren Höhepunkt mit fast 37.500 registrierten Fällen. Seither sinken die Zahlen, bleiben aber auf einem vergleichsweise hohen Stand.
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Insgesamt hat sich die Gewalt an den Bahnhöfen in NRW innerhalb von fünf Jahren mehr als verdoppelt. Wurden 2020 noch 2325 Gewaltdelikte registriert, waren es 2025 insgesamt 4711 – ein Plus von 103 Prozent. Noch deutlicher stieg die Zahl der Sexualstraftaten: von 169 Fällen im Jahr 2020 auf 442 im vergangenen Jahr. Das entspricht einem Anstieg um 162 Prozent. Die Kriminalität insgesamt wuchs im selben Zeitraum von 19.380 auf 30.490 Fälle – ein Plus von 57 Prozent.
Auch die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen ist gestiegen, allerdings weniger stark. Sie kletterte von 10.560 im Jahr 2020 auf knapp 14.000 im vergangenen Jahr – ein Plus von 32 Prozent. Auch hier ist seit 2023 ein Rückgang zu beobachten.
Über die Ursachen des landesweiten Anstiegs der Kriminalität gibt es bislang nur Vermutungen. Eine Polizeisprecherin verweist auf die deutlich gestiegene Polizeipräsenz und verstärkte Kontrollen – dadurch würden mehr Straftaten erfasst als früher. Außerdem hielten sich an Bahnhöfen schlicht mehr Menschen auf: mehr Reisende, mehr Verspätungen, mehr Zugausfälle.
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