
Gelsenkirchen. Erles Trainer Sebastian Freyni ist nach dem 4:0 im Top-Duell stolz auf seine Jungs. Westfalia-Coach Thomas Krömmelbein spürt „zu große Last“ nach dem Rückstand.
Unterschiedlicher hätten die Gefühlslagen von Westfalia 04 und Eintracht Erle nach dem Abpfiff des Kreisliga A-Topspiels nicht sein können. Während die Eintracht-Kicker nach dem 4:0 (2:0)-Sieg mit ihrem mitgereisten Anhang zur La Ola-Welle an der Seitenlinie ansetzten und zu „Wir wollen die Erler sehen“-Gesängen ausgelassen hüpften, hockten sich einige Westfalia-Spieler bedröppelt auf ihrer Reservebank und schauten dem ausgelassenen gegnerischen Jubel zu.
Vor dem Kabinenbereich war die Stimmung im Eintracht-Lager weiterhin ausgelassen. Zu dröhnender Mallorca-Mucke wurden Kaltgetränke gereicht. Das Sieger-Bierchen hatten sich die Erler, die mit dem Auswärtssieg den geplanten Westfalia-Angriff auf Platz zwei bravourös abwehrten und sich selbst das Ticket für die Aufstiegsspiele gegen den Vertreter aus dem Kreis Unna/Hamm sicherten, redlich verdient.
„Es war eigentlich ein 50:50-Spiel“, meinte Eintracht-Trainer Sebastian Freyni in seiner Spiel-Analyse, „aber wir sind sehr souverän aufgetreten. Bei uns haben wirklich alle gebrannt. Einige unserer ganz jungen Spieler waren zum ersten Mal in so einem wichtigen Spiel dabei – sie haben das richtig gut gemacht.“ Schon beim Aufwärmprogramm vor dem Anpfiff auf dem Rasenplatz am gut besuchten Trinenkamp war Freyni positiv gestimmt: „Ich habe das sofort gemerkt. Die Jungs waren heiß, konzentriert – dazu war die Stimmung gut.“
Bis auf die ausgeglichene Anfangsphase, in der die Westfalia sich als die erwartet harte Nuss erwies und aggressiv dagegenhielt, musste sich Freyni im weiteren Spielverlauf keine Sorgen machen. Bei der Westfalia machte sich das Fehlen der beiden Torhüter bemerkbar. Vertreter Lukas Wessels, der in den 90 Minuten einige gute Paraden zeigte, boxte sich den Ball beim 0:2 im Anschluss an eine Standardsituation selbst ins Netz. Damit sorgte Wessels unfreiwillig für eine Vorentscheidung im Kampf um den zweiten Tabellenplatz.
„Bis zum Rückstand waren wir gut im Spiel. Wenn man sich dann aber noch das 0:1 ansieht, das unglücklich abgefälscht war, dann kam da schon einiges zusammen“, meinte Thomas Krömmelbein, der zusammen mit Jörn Heitbreder das Trainer-Duo bei Westfalia 04 bildet. Krömmelbein stellte fest: „Wir haben im Spiel fünf Wechsel vollzogen, sind volles Risiko gegangen. Aber die Last war für uns nach dem klaren Rückstand zu groß. Eintracht hat verdient gewonnen – das muss man anerkennen.“
Westfalia 04 – Eintracht Erle 0:4 (0:2).
Tore: 0:1 (16.) Gehrmann, 0:2 (25.) Wessels (Eigentor), 0:3 Gehrmann (78.), 0:4 Ciuberek (90.). Zuschauer: 150.
Der Ticker zum Nachlesen:
Fußball Kreisliga A: Westfalia 04 – Eintracht Erle 0:4 (0:2)
90. Traumtor Deluxe: Kapitän Mateusz Ciuberek haut den Ball aus 30 Metern zum 4:0-Endstand für Eintracht in die Maschen.
87. „Drei Minuten noch, Männer“, ruft Eintracht-Trainer Sebastian Freyni seinen Jungs zu. Doppel-Schütze Samuel Gehrmann wird soeben unter lautem Beifall der Eintracht-Bank asugewechselt.
83. Westfalia liegt deutlich hinten und baut in der Abwehr von links nach rechts geruhsam auf. Lange Bälle wären hier möglicherweise das bessere Mittel, um noch einmal in den gefährlichen Sektor der Eintracht vorzustoßen.
82, Westfalia 04 hat drei Mal im Spielverlauf gewechselt und alles probiert. Heute müssen die 04-Spieler anerkennen, dass Eintracht Erle in vielen Bereichen den Tick besser war.
78. Zack! Eintracht macht den Deckel drauf. Samuel Gehrmann zieht flach ab und trifft zum 3:0.
76. Fast das Anschlusstor für Westfalia, aber die scharfe Hereingabe wird von Patrick Platzek in höchster Not geklärt.
75. Westfalia 04 rennt an, versucht es immer wieder, findet aber nicht den Dosenöffner gegen konzentrierte Erler. Geht da noch was für die „Blauen“ im Endspurt?
70. Julian Lück versucht es mit einem angeschnittenen Schuss, zielt aber knapp rechts vorbei.
68. Zwar hatten die Hausherren jetzt einige positive Aktionen, aber die Zeit rennt zugunsten von Eintracht Erle.
61. Auf der Gegenseite ist plötzlich Erles Daniel Spielhoff gefragt und löscht einen Westfalia-Angriff.
60. Unfassbar: Eintracht Erle hat hier das 3;0 auf dem Kopf – und das gleich doppelt. Matthias Büch trifft erst die Latte, kommt noch mal an die Kugel – Außenpfosten!
53. Julian Lück, Westfalias Torjäger, köpft, aber mit zu wenig Druck.
51. Das Wetter verlangt den rund 150 Fans alles ab, Die Leute, die gerade noch in der Sonne ihre Pullis ausgezogen hatten, stehen jetzt dick eingepackt im Regen unter Bäumen.
49. Die erste gefährliche Aktion der zweiten Hälfte spielt sich im Westfalia-Strafraum ab. Da das Zuspiel zu unpräzise ist, verpufft der Angriff.
47. Direkt Gelb für einen Eintracht-Spieler. Erles Trainer Sebastian Freyni ist unzufrieden: „Meine Güte….“ Der Schiedsrichter-Assistent schreitet ein und sagt; „Es reicht jetzt!“
46. Es geht weiter am Trinenkamp.
45. Halbzeit am Trinenkamp. Eintracht Erle hat hier nahezu alles im Griff und steht – Stand jetzt – als Teilnehmer an den Aufstiegsspielen zur Bezirksliga fest. Die Westfalia muss hier drei Tore schießen, um die Partie zu drehen. Wie das gehen soll? So, wie im ersten Durchgang, auf keinen Fall.
43. Wieder Lukas Wessels. Dieses Mal ist er nach einem Freistoß von Tugrul Aydin präsent. Das Chancenplus für den Tabellenzweiten ist mehr als eindeutig.
40. Westfalia-Torwart Lukas Wessels zeigt, dass er es auch anders kann als beim unglücklichen 0:2. Einen Knaller von Eintrachts Ciuberek entschärft er klasse.
39. Das war die berühmte Sense: Gelb für Westfalias Mehlmann.
36. Jerome Schmidt zieht im Strafraum von Westfalia 04 ab, wird aber im letzten Moment von Christopher Mehlmann geblockt.
32. Ein schwarz-weißer Terrier zeigt Interesse an der Berichterstattung, die wegen der Wetterlage unter einem Baum stattfindet. Das Herrchen gibt Entwarnung: „Wenn der Hund beißen würde, wäre er angeleint.“ Der Hund sei zudem „Fußball-Fan“ und alle 14 Tage auf der Anlage.
29. Westfalia meldet sich: Schuss Rene Renneberg, Parade von Daniel Spielhoff. Immerhin ein Ausrufezeichen der Hausherren.
24. Was für ein Bock: Nach einer Ecke köpft Eintracht Erle auf den Kasten, aber Westfalia-Keeper Lukas Wessels boxt sich die Kugel ins eigene Netz – 0:2. Wessels begräbt sein Gesicht im Rasen. Das sind die Momente, in denen Fußballer im Boden versinken möchten.
21. Geht jetzt etwas für Blau? Freistoß für Westfalia aus 25 Metern. Gut geschossen, aber Eintrachts Torwart Spielhoff reißt die Fäuste hoch und klärt.
18. Die Eintracht führt aktuell verdient am Trinenkamp. Nach Chancen liegt der Tabellenzweite klar vorne. Soeben wurde ein weiterer Distanzversuch von der Westfalia-Defensive abgeblockt.
16. Tooooooooooooor! Eintrachts Sami Gehrmann rutscht beim Schuss etwas weg, die Bogenlampe schlägt unhaltbar ein.
12. Erste Großchance der Partie: Eintracht-Kapitän Mateusz Ciuberek zieht ab, Westfalia-Torhüter Wessels macht sich lang und wehrt ab. Der Nachschuss zischt links vorbei.
10. Die Schirme werden aufgespannt – es regnet.
08. Westfalias Christopher Mehlmann lässt nichts anbrennen und klärt rustikal ins Seitenaus.
06. Torschuss von Erle durch Patrick Platzek – deutlich drüber.
05. Beide Keeper hatten bisher Ballkontakte – allerdings war es weder für Westtfalia-Schlussmann Lukas Wessels noch für Eintracht-Schnapper Daniel Spielhoff brenzlig.
02. Erste Strafraumaktion von Westfalia-Knipser Julian Lück, aber der Unparteiische pfeift ab. Freistoß für die Gäste.
01. Anpfiff. Westfalia 04 stößt an.
Kreisliga heißt immer: Nah dran. Ein Mann mit Lederjacke will wissen; „Was ist das?“ Er deuter auf das Laptop. Danach gibt er sich als Vater eines Eintracht-Spielers zu erkennen und ruft seinem Sohn zu: „Tiki-Taka Barcelonaaaaaaaaaa!“ Sein Sohn hört das, lacht und winkt.
Glückauf vom Trinenkamp. Das Wetter ist wolkig-windig, draußen lauert eine zehn Meter lange Pfütze auf Fußgänger. Die Stimmung auf der Anlage ist gut. Würstchen liegen auf dem Grill, Cola, Fanta und Bier stehen für Durstige bereit. Der Mann an der Kasse zum Eingang der Sportanlage gibt dem Berichterstatter direkt die Anweisung des Tages mit; „Du kommst nur rein, wenn Du Gutes schreibst.“ Na dann…
Vor dem Spiel:
Schaltet Westfalia 04 im Gelsenkirchener Kreisliga A-Spitzenspiel gegen den aktuellen Tabellenzweiten Eintracht Erle in den Überholmodus? Ab 15 Uhr hat die Westfalia heute auf dem Rasenplatz am Trinenkamp die Chance, den Konkurrenten aus Erle durch einen Sieg zu überflügeln und damit die Tür zu den Aufstiegsspielen gegen einen Vertreter aus dem Kreis Unna/Hamm ganz weit aufzustoßen.
„Wir müssen gewinnen“, sagt Westfalia 04-Trainer Thomas Krömmelbein. Der Druck lastet ganz klar auf den Gastgebern. Sollte die Eintracht den Westfalia-Angriff abwehren und das Auswärtsspiel gewinnen, wäre ihr der zweite Platz bei dann vier Punkten Vorsprung nicht mehr zu nehmen. Das Gelsenkirchener Duell verspricht nicht nur wegen des Gerangels um die Vizemeisterschaft Spannung, sondern auch wegen der enormen Offensiv-Power. Eintracht Erle hat 121 Saisontore erzielt – Bestmarke in der Kreisliga A. Und die Westfalia? Sie muss sich mit 109 erzielten Treffern ebenfalls nicht verstecken.
Bei Westfalia 04 rangieren Stürmer Julian Lück (35 Saisontore) sowie Marcel Simon (20) in der Top-10 der Kreisliga-Torjägerliste. Dort sind auch die beiden Eintracht Erle-Knipser Christopher Rausch (23) und Samuel Gehrmann (22) zu finden.
Im Falle einer Punkteteilung müsste Westfalia 04 am letzten Spieltag auf Schützenhilfe hoffen. Eintracht Erle ist beim Tabellenzwölften BV Rentfort II gefordert. Für die geretteten Rentforter geht es beim Saisonfinale am 1. Juni um nichts mehr. Die Westfalia hat mit dem FC Horst 59 die leichteste aller möglichen Schluss-Aufgaben zu lösen. Der Tabellenletzte Horst steht mit 24 Pleiten in 32 Spielen bereits als Absteiger aus der Kreisliga A fest.
Kennen Sie schon unsere PLUS-Inhalte?
Jetzt WAZ testen
Kennen Sie schon unsere PLUS-Inhalte?
Jetzt WAZ testen
Aktuelle Nachrichten und Hintergründe aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport – aus Essen, Deutschland und der Welt.
Kennen Sie schon unsere PLUS-Inhalte?
Jetzt WAZ testen
Antworten