Nach dem Millionenraub bei der Sparkasse Gelsenkirchen wollen viele Geschädigte vor Gericht ziehen. Unterdessen ist die Tat auch Thema im Innenausschuss des Landtages.
Über ein großes Loch konnten die Täter in den Tresorraum gelangen. 230 Polizisten ermitteln.
Nach dem spektakulären Sparkassen-Einbruch mit Millionenbeute in Gelsenkirchen hat ein Anwalt angekündigt, schon kommende Woche Klage gegen die Bank einreichen zu wollen. Er habe bereits Mandanten-Vollmachten von etwa 150 Geschädigten sowie etwa genauso viele Interessierte, sagte der Dattelner Anwalt Daniel Kuhlmann der Deutschen Presse-Agentur. Zuständig wäre das Landgericht Essen.
Im Fall der ausgeraubten Sparkasse in Gelsenkirchen folgen weitere Ermittlungen und Durchsuchungsmaßnahmen.
Er sehe Anzeichen einer Pflichtverletzung der Bank, sagte Kuhlmann. So gebe es anscheinend keinen Erschütterungsmelder in dem Tresorraum. Die Einbrecher hätten sich möglicherweise ungestört 48 Stunden in der Bank aufgehalten.
Offensichtlich sei das Sicherheitskonzept der Bank unzureichend oder zumindest nicht ordnungsgemäß umgesetzt worden. Zum Nachweis werde er, wenn nötig, auch Sachverständige beauftragen.
Laut Kuhlmann droht der Bank "eine Klagewelle ungeahnten Ausmaßes". Er halte es nicht für abwegig, dass am Ende etwa 1.000 Kläger gegen die Bank zusammenkämen. Das bringe der Bank einen erheblichen Reputationsschaden.
Nach dem Einbruch in die Gelsenkirchener Sparkasse, erhielten nun Bürger der Stadt dubiose Anrufe. Es handelt sich um eine Masche bei der sich Trittbrettfahrer als Bankmitarbeiter ausgeben.
Der Gelsenkirchener Sparkassenchef Michael Klotz hatte dagegen Kritik an der Sicherheitstechnik in der Filiale zurückgewiesen. "Die Filiale mit dem Schließfachraum war nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert", hatte Klotz zuletzt betont. Die Maßnahmen seien laufend verbessert worden, die Zukunft der Sparkasse Gelsenkirchen sieht Klotz nicht bedroht.
Ende Dezember hatten sich die bislang unbekannten Täter über ein Parkhaus Zutritt zu der Bank verschafft und ein großes Loch in eine Wand gebohrt, um in den Tresorraum zu gelangen. Fast alle 3.250 Kundenschließfächer der Sparkassen-Filiale im Stadtteil Buer wurden aufgebrochen.
Rechtsanwalt und Schließfach-Experte Michael Plassmann wirft einen Blick auf den Einbruch in Gelsenkirchen und beantwortet Fragen zu Rechten und Möglichkeiten bei Schließfacheinbrüchen.
Die Polizei sucht inzwischen mit 230 Ermittlern nach den Tätern. Es gebe eine "riesige Bereitschaft" unter den Beamten, sich an dem Fall zu beteiligen, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) bei einer Sondersitzung des Innenausschusses. Der Anspruch sei: "Das Ding klären wir auf."
Die Ermittler seien außerdem dabei, 10.000 Stunden Videomaterial auszuwerten. Insgesamt gebe es derzeit 8 Terrabyte Daten. "Wie viel davon wirklich brauchbar ist, weiß man nicht", sagte der Minister. Im Tresorraum und dem danebenliegenden Archivraum hätten Schätzungen zufolge unter anderem 500.000 Gegenstände auf dem Boden gelegen. Diese müssten akribisch untersucht werden.
Antworten