Biathlon auf Schalke: So lief die Wintersport-Party in Gelsenkirchen – WAZ News


Gelsenkirchen. Norwegen dominiert beim Biathlon auf Schalke. Die beiden deutschen Teams holen vor 30.000 Zuschauern in der Verfolgung Doppelpodest
Um 19:58 Uhr war es so weit: Sturla Holm legte den Zeigefinger auf den Mund und blickte kurz nach links in die Kamera. Er hatte Zeit. Fünf Mal hatte er die Scheiben beim letzten Schießen abgeräumt. Mal wieder. Entspannt konnte er sich auf die letzte Laufrunde machen und seiner Teamkollegin Karoline Offigtadt Knotten in die Arme fallen. Die Norweger dominierten beim 21. Biathlon auf Schalke.
Noch lauter feierten die über 30.000 Zuschauer aber die Zieleinläufe danach. Und das lag nicht nur daran, dass Justus Strelow und Philipp Nawrath sich im Gegensatz zum norwegischen Sieger auf der Schlussrunde noch einmal komplett verausgaben mussten. Sie holten auch die Podestplätze zwei und drei für das deutsche Team. Justus Strelow, mit Anna Weidel Zweiter, wusste im Anschluss nur gutes über den Biathlon auf Schalke zu sagen: „Also die Stimmung war nochmal ein ganz anderes Level. Es war ein unglaublicher Gänsehaut-Moment wenn man eine Null geschossen hat und das Stadion ausgerastet ist. Also es war etwas ganz Besonderes, hat sehr viel Spaß gemacht.“ Teampartnerin Weidel sah das ganz ähnlich: „Es ist wirklich ein einzigartiges, sehr gutes Gefühl, wenn man ins Stadion einfährt. Die Zuschauer hier sind wirklich klasse.“ 
Für Organisator Herbert Fritzenwenger bedeutete das vor allem, dass er sich keine Gedanken darum machen musste, einen neuen Wanderpokal für die kommenden Jahre zu organisieren. Vor der 21. Auflage des Biathlons auf Schalke hatte der ehemalige Profi-Sportler, welches Team dreimal in Folge gewinne, dürfe die Trophäe mit nach Hause nehmen. Mit der Startnummer 1 waren die Franzosen Julia Simon und Fabien Claude angetreten, um dieses Versprechen mit einem Hattrick einzulösen. Doch die Vor- und Vorvorjahressieger mussten erleben, dass das Rennen vor allem am Schießstand entschieden wird. Vor der letzten Runde brach sich der Franzose noch die Bindung seines Schuhs. Ein gebrauchter Abend. Doch schon kurz nach dem Zieleinlauf versprach das Duo: „Wir kommen wieder.“
Erneut wurde das seit 2002 stattfindende Event zu einer Biathlon-Party in Gelsenkirchen. Wo sonst die Fußballer in Königsblau auf dem grünen Rasen kicken, schlängelte sich die schneeweiße Loipe durch den Innenraum. 50 LKW-Landungen Schnee aus Neuss sorgten gemeinsam mit hunderten Tannenbäumen für ein Winterwunderland im Gelsenkirchener Stadion. Wo sonst die Bälle ins Tor geschossen werden, stand der Schießstand vor der Südtribüne. Wo sonst die Fangesänge der Schalker durch die Veltins-Arena schallen, war bei jedem Schießen das charakteristische „Ahh“ und „Ohh“ zu hören.
Vor der Arena lockte das Winterdorf mit verschiedensten Essens- und Getränkeangeboten, eine Schlagerbühne und Mitmachangebote. Mehr als 30.000 Zuschauer kamen. Bunte Glitzerhüte, Kopfbedeckungen eines bekannten Getränkeherstellers, Kuhglocken und Verkleidungen – ein buntes Bild einer bunten Party. Aber auch sportlich wurde den Biathlon-Fans im Ruhrgebiet etwas geboten. Erstmals ging ein Teil der Prämie in diesem Jahr auch an die Sieger des Massenstarts. Noch mehr Anreiz für die Athleten schon im ersten Rennen des Abends den Sieg zu holen und sich nicht nur noch eine gute Ausgangslage für die Verfolgung zu sichern. Die Norweger Karoline Offigstadt Knotten und Sturla Holm Laegreid zeigten auch dort ihr Können und überquerten als erste die Ziellinie. Auf den Rängen drei und vier folgten die deutschen Teams.
Anna Weidel war für die erkrankte Vanessa Vogt eingesprungen und stellte schon beim Shoot-Out ihre Qualitäten als sichere Schützin unter Beweis. Als zweitschnellste der Frauen beendete sie das Wettschießen. Gemeinsam mit Justus Strelow, einem ebenfalls sicheren Schützen, ging sie an den Start. Für das zweite deutsche Team lief es im Massenstart besonders bitter: Franziska Preuß, als Weltcup-Führende die aktuell beste Biathletin der Welt, lud beim Liegenschießen fälschlicherweise nach und kassierte dafür gemeinsam mit ihrem Partner Philipp Nawrath eine Zeitstrafe von 30 Sekunden. Durch eine Neuerung im Regelwerk gingen die Athletinnen jedoch jeweils mit nur fünf Sekunden Abstand auf die Verfolgung.
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Ein Abstand, den die führenden Norweger kontinuierlich zu vergrößern wussten. Mit einer überragenden Leistung beim Schießen verteidigten sie ihre Spitzenposition vom Start bis zum Ziel. Durch den Doppelsieg in Massenstart und Verfolgung sicherten sie sich ein Preisgeld von 38.000 Euro – und machten den französischen Traum eines Hattricks zunichte.
In dem engen Parcours kam es zum ein oder anderen Wackler, im Junioren-Rennen gab es einen Sturz am „Ruhrpott-Gletscher“, der erbauten Anhöhe auf dem Außenteil der Strecke. Die größten Probleme hatte aber wohl die Tschechien Jessica Jislova – und das im Vorfeld des Events. Ihr Flug wurde annulliert, ein Ausfall drohte. Um trotzdem mit zehn Teams an den Start gehen zu können, machten sich zwei Fahrer des Organisationsteam auf den Weg und holten die Athletin mit dem Auto in Prag ab. Am Morgen ging es die sieben Stunden zurück nach Gelsenkirchen. Die Biathlon-Party auf Schalke wollte niemand verpassen.
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