Coup in Gelsenkirchen – Täter gelangten durch manipulierte Tür in Bank – Kronen Zeitung


Die Ermittlungen zu dem spektakulären Einbruch in die Sparkasse in Gelsenkirchen sollen noch mehrere Monate dauern. So müssten etwa Gegenstände gesichert werden, die die Täter aus den Schließfächern zurückgelassen hätten, teilte die Polizei mit.
Bekannt wurde nun, dass die Täter durch eine manipulierte Fluchttür in das Gebäude der Sparkasse gelangt sein sollen. Hier würde sich „eine Reihe von Fragen stellen“, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul am Dienstag. Zuvor hatte es bereits geheißen, dass der Millionen-Coup tagelang gedauert haben könnte. Die Täter waren entweder an den Weihnachtsfeiertagen oder am letzten Dezemberwochenende eingebrochen. Der Vorstoß erfolgte über ein Parkhaus, von dort ging es in den Archivraum weiter, in dessen Wand die Unbekannten mit einem Spezialbohrer ein Loch bohrten.
Die Täter brachen fast alle 3250 Schließfächer von Bankkundinnen und Bankkunden auf, erbeuteten so ungefähr 30 Millionen Euro. Entdeckt wurde der Einbruch nur, weil der Alarm einer Brandmeldeanlage losgegangen war. Anwälte fragen jetzt vor allem, wieso die mutmaßlich stundenlangen schweren Bohrarbeiten durch die dicke Wand des Tresorraums unbemerkt blieben. Offensichtlich habe es keinen Bewegungsmelder gegeben, werfen sie der Bank vor. Sonst hätte es einen Einbruchsalarm geben müssen.
Anwalt will bald Klage einreichen
Mindestens 250 Geschädigte haben sich bereits an die deutschen Anwälte Burkhard Benecken und Daniel Kuhlmann gewandt, die wiederum Kontakt mit Sachverständigen aufgenommen haben. Sie sehen mögliche Pflicht- und Sorgfaltsverletzungen der Bank und fordern eine vollständige Erstattung des Schadens ohne Begrenzung. Kuhlmann möchte die erste Klage bereits nächste Woche beim Landgericht Essen einreichen. Solche Prozesse könnten aber Jahre dauern, gibt Benecken zu bedenken.
Einer der betroffenen Bankkunden, der  sich an Benecken gewandt hat, ist der 67-jährige Teppichhändler Faqir Malyar (siehe Video oben). Er wollte in ein bis zwei Jahren in Pension gehen, doch seit dem Einbruch sind seine Ersparnisse weg. Ungefähr 85.000 Euro aus einer Erbschaft und einer Lebensversicherung hatte der gebürtige Afghane nach eigenen Worten zuletzt in seinem Bankschließfach bei der Gelsenkirchener Sparkasse. Hinzu kommt Schmuck im Wert von mehr als 20.000 Euro, Geschenke von der Hochzeit mit seiner zweiten Ehefrau 2012. „Wenn Sie in der Heimat Teppiche einkaufen, brauchen Sie Bargeld“, sagte Malyar, der nun damit rechnet, nicht so schnell in Pension gehen zu können.
Ich habe doch immer penibel Buch geführt über Ein- und Auszahlungen im Schließfach. Nun ist alles weg.
Faqir Malyar, Bankkunde in Gelsenkirchen
Kunde: „Konnte im ersten Moment nicht atmen“
Malyar sei nach einer Dreiviertelstunde in der Info-Hotline der Bank durchgekommen. „Ich konnte im ersten Moment nicht atmen. Ich war wie betäubt nach einer Spritze“, sagte der 67-Jährige. Er habe gedacht, dass bei der Bank alles sicher sei. Niemand habe ihm gesagt, dass die Sparkasse nur bis maximal 10.300 Euro in Schließfächern hafte. „Sonst hätte ich 100-prozentig eine Zusatzversicherung abgeschlossen.“
„Die Filiale mit dem Schließfachraum war nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert“, sagte Sparkassenchef Michael Klotz. Zu den möglichen Klagen äußerte er sich vorerst nicht. Die Bank könnte noch lange geschlossen bleiben.
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