
5. Mai 2025, 6:34 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Das Magazin „Stern“ hat ein Ranking erstellt, in dem sich wohl keine deutsche Stadt wiederfinden möchte: das Ranking der schlimmsten Städte Deutschlands. TRAVELBOOK zeigt die Gewinner/Verlierer-Städte.
Was ist das, eine „schlimme“ Stadt? Ich denke direkt an hässliche Häuserblöcke, tristes Grau ohne Grün, unglückliche Menschen ohne Perspektive, Drogen, Gewalt. Und frage mich zugleich, ob irgendein Ort auf der Welt einen derartigen Titel verdient hat. Einerseits möchte ich zumindest fest glauben, dass es selbst in der ungemütlichsten Umgebung mindestens ein bisschen Glück und Freude geben kann. Etwas wie eine einzelne, bunt blühende Blume im oder ein wunderschöner Sonnenuntergang über einem trist-grauen Plattenbau. Oder auch das Lachen eines Kindes in einem von Armut geprägten Leben. Andererseits finde ich vielleicht auch einfach den Titel schwierig, hat ein Negativstempel oft den Effekt, dass der Versuch, etwas zu ändern, von vornherein als gescheitert erachtet wird. Doch sei es drum, das Ranking der „schlimmsten“ Städte Deutschlands ist in der Welt. Und das sind die Ergebnisse.
Zur Umschreibung, was genau er mit „schlimm“ meint, nutzt der „Stern“ etliche Anhaltspunkte: „abgeranzte Wohnblöcke, triste City, endloses Grau und fehlendes Grün“, „unattraktiv, ungeliebt und unbesucht“. Hinzu kommen Bilder wie „eine nach dem Krieg eilig hochgezogene Stadtmitte“; „zu viele Hochstraßen oder zu wenige“; „fehlende Parks, fehlende Schlösser, fehlende Flüsse; „zu viel Beton und an den falschen Stellen.“ Das Bild dürfte klar sein.
Seitens des „Stern“ heißt es, bislang habe sich „niemand die Mühe gemacht, die ,Schlimmheit‘ deutscher Städte ernsthaft zu untersuchen oder gar zu sortieren“. Für das Magazin spielen für dieses Ranking Daten wie Armut, Abwanderungsquote und wirtschaftliche Dynamik, ebenso wie Hässlichkeit, Unhöflichkeit und Lebensqualität eine Rolle.
Entstanden ist ein Ranking ohne Abfolge. Gekürt wurden die unhöflichste, gefährlichste, ärmste, letzte, teuerste, unglücklichste, vertreibendste, zweitplatzierte, hässlichste und allerhässlichste Stadt.
Offenbar sind die Menschen in Essen ganz besonders unfreundlich. Diese Aussage stützt der „Stern“ auf eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Preply aus Mai 2024.
„Seit 2022 werden in Frankfurt am Main so viele Straftaten registriert wie sonst nirgendwo in Deutschland. 114.969 waren es im Jahr 2023“, schreibt das Magazin und kürt Frankfurt am Main zur gefährlichsten Stadt Deutschlands. Ein Ranking der Allianz-Versicherung stützt diese Aussage. Übrigens: Demnach war München 2024 die sicherste Stadt.
Gelsenkirchen ist die ärmste Stadt Deutschlands. Laut der „Deutschen Welle“ bekommt hier jeder vierte Erwerbstätige zusätzlich Sozialleistungen. Das durchschnittliche Jahreseinkommen ist mit 18.000 Euro das niedrigste des Landes, die Arbeitslosenquote liegt bei 14 Prozent.
Ob diese Kategorie wirklich einen Sinn hat, sei dahingestellt. Hier wird Hagen zur letzten Stadt Deutschlands gewählt. Damit gemeint ist, dass sich die nordrhein-westfälische Stadt bei Themen wie Wirtschaft, Umwelt und Lebensqualität irgendwo auf den letzten Plätzen bewegt. Das gilt jedoch auch für andere. Tatsächlich auf dem letzten Platz liegt sie aber nicht. Aber ein schlechtes Gefühl macht dieser Titel den Hagenern vermutlich trotzdem.
München ist die teuerste Stadt, wenn es um Lebenshaltung und Miete geht. Für die Ranking-Autoren offenbar Grund genug, sie in die Liste der schlimmsten Städte aufzunehmen.
Rostock ist offenbar die unglücklichste Großstadt Deutschlands. Das ergab der 2024er „Glücksatlas“ der Süddeutschen Klassenlotterie, kurz SKL, wie auch TRAVELBOOK berichtete. Rostock zeigt mit seinem letzten Platz, wie weit die objektive Lebensqualität und das tatsächlich gefühlte Lebensglück auseinander klaffen können: Hinsichtlich der objektiven Lebensqualität steht Rostock mit Platz 17 von 40 nämlich gar nicht schlecht da.
In Suhl fühlen sich die Menschen offenbar so unwohl, dass sie in Scharen wegziehen. Zumindest schreibt der „Stern“, dass „aus keiner anderen Stadt in den vergangenen 20 Jahren verhältnismäßig so viele Menschen weggezogen sind wie aus dem kleinen Ort in Thüringen“. Der verlinkte Report nennt einen Bevölkerungsrückgang von 25 Prozent.
Offenbar galt Gießen laut der Satiresendung „Extra 3“ lange als „Inbegriff der Hässlichkeit“, wie „Stern“ schreibt. Nach einem Zuschauervoting hat die Stadt demnach inzwischen den zweiten Platz inne, weshalb das Magazin sie zur „Zweitplatzierten“ kürt. Die neue hässlichste Stadt Deutschlands ist laut dem Zuschauervotum Ludwigshafen. Eine andere Quelle nennt Neumünster als hässlichste Stadt Deutschlands, weshalb das Magazin sie in diesem Ranking zur „allerhässlichsten“ Stadt kürt.
Besonders die letzten drei Kategorien, die wir hier zu einer zusammengefasst haben, zeigt, dass das Ranking der „schlimmsten“ Städte Deutschlands nicht wirklich ernst genommen werden kann. Spannend sind vielleicht echte Fakten wie Sicherheit und Wohlstand und besonders das tatsächliche Lebensgefühl der Menschen vor Ort, vielleicht auch zur Hässlichkeit, wenn vernünftig eruiert. Derartige Rankings bilden eine gelebte Realität ab. Der Oberbegriff „schlimm“ hingegen ist von vornherein schwierig, weil wertend und ungenau. Und nicht zuletzt hinterlässt eine solche Bewertung ein schlechtes Gefühl. Wozu?
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