
Etwa ein halbes Jahr lang blieb der Chef-Posten im Gelsenkirchener Polizeipräsidium unbesetzt, bis Britta Zur Ende 2019 zur damals jüngsten Polizeipräsidentin Deutschlands ernannt wurde. Zuvor hatte die Düsseldorferin sich bereits als Staatsanwältin einen Namen gemacht, deren Aufgabe darin lag, jene zu bestrafen, die gewalttätig gegenüber Polizisten und Rettungskräften wurden.
Und obwohl sie nur zweieinhalb Jahre in Gelsenkirchen blieb, erklärte sie damals, dass sie sich in die Stadt verliebt habe. Auf den Posten in Gelsenkirchen folgte ein kurzes Intermezzo als Sportdezernentin der Stadt Düsseldorf, ehe Britta Zur nach etwa einem Jahr Chefin der DB Sicherheit wurde.
Doch nach nur 14 Monaten ist auch das bereits wieder Geschichte. Ende Oktober 2025 verließ Zur die Deutsche Bahn – auf eigenen Wunsch, wie sie damals auf dem Karriere-Netzwerk LinkedIn erklärte.
Als Grund für ihren Schritt nannte Zur „unterschiedliche Auffassungen“ über die strategische Ausrichtung der DB Sicherheit mit dem Konzern. Sie habe in den letzten Monaten „viel Herzblut in die Sicherheit der DB, ihrer vielen Millionen Reisenden sowie ihrer Mitarbeitenden gesteckt – und dabei stets Wert auf Haltung, Diversität und Chancengleichheit gelegt.“
Ein Bericht der Bild-Zeitung wirft nun ein anderes Licht auf Zurs kurze Karriere als Bahn-Managerin. Wie die Zeitung berichtet, waren die frühere Polizeipräsidentin und ihre Familie im Juni 2025 unter den rund 300 Passagieren eines gestrandeten Zuges. Der Zug habe vorläufig nicht weiterfahren dürfen, weil es zu wenig Wasser für mögliche Notfälle an Bord gegeben habe.
Britta Zur und ihre Familie seien daraufhin in einen Nahverkehrszug nach Itzehoe gestiegen. Dort seien sie von einem Team der DB Sicherheit abgeholt und an den Stadtrand von Hamburg chauffiert worden, ehe sie ihre Reise mit einer S-Bahn nach Hamburg und von dort aus mit einem ICE nach Düsseldorf fortgeführt hätten.
Die Bahn ließ den Vorfall laut Zeitungsbericht von ihrer Compliance-Abteilung untersuchen. Rechtsverstöße seien nicht festgestellt worden, sagte Britta Zur gegenüber der Bild. Dennoch trennten sich die Wege der Sicherheitschefin und der DB rund vier Monate später.
Auf Anfrage der WAZ verwies Britta Zur am Mittwochabend auf einen neuen Eintrag auf ihrem Linkedin-Profil. Darin setzt sich Zur entschieden gegen den Eindruck zur Wehr, dass sie im Mittelpunkt eines Dienstwagen-Skandals stehen würde.
„Als sichtbare und erfolgreiche Frau werde ich nicht das erste Mal von Medien mit Dreck beworfen – vieles blieb oftmals von mir unkommentiert. Dieses Mal nicht. Dieses Mal wehre ich mich laut und ausdrücklich gegen die neuerlichen Unterstellungen und falschen Tatsachenbehauptungen, die diesmal von einer Zeitung mit vier großen Buchstaben verbreitet wurden“, schreibt Zur.
Die Darstellung der Bild sei „unzutreffend und unvollständig“. „Einzig der Fakt, dass ich – nach vorheriger Absprache – für eine kurze Fahrt in einem Dienstfahrzeug an einem Wochenende mitgefahren bin, ist zutreffend“, so Zur weiter.
Die gelernte Juristin verweist darauf, dass dies gegen „keinerlei Vorschrift“ verstoße, und berichtet, dass es sich vielmehr um „ein übliches Verhalten im DB-Konzern“ gehandelt habe.
Mit ihrem Ausscheiden bei der Deutschen Bahn habe der Vorfall gar nichts zu tun. Dass der Bericht jetzt veröffentlicht wurde, darin sieht Britta Zur vielmehr eine Kampagne: „Die Berichterstattung vom heutigen Tage ist einzig eine Reaktion darauf, dass mein Lebensgefährte Sebastian Fiedler in seiner Rolle als innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion die Führung des DB-Konzerns massiv öffentlich kritisiert und konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Sicherheit gemacht hat. Dies folgt im Übrigen auch unmissverständlich aus dem Fragenkatalog, den die besagte Zeitung sowohl ihm als auch mir zuvor geschickt hatte.“
Die frühere Bahn-Managerin kündigt an, sich nicht „diffamieren“ zu lassen und nicht von ihrem Kurs abzuweichen.
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