Ein Leben für die Leichtathletik: Schalke trauert um Klaus Glowatsch – WAZ | Westdeutsche Allgemeine Zeitung


Die Leichtathletik-Abteilung des FC Schalke 04 trauert um Klaus Glowatsch. Vor wenigen Tagen verstarb der Ehrenvorsitzende der S04-Leichtathleten. Wenige Tage zuvor, am 23. Dezember 2025, hatte er im Bruder-Jordan-Haus in der Pfefferackerstraße noch seinen 87. Geburtstag gefeiert.
Glowatsch gehörte über viele Jahrzehnte zu den prägenden Figuren der Gelsenkirchener Leichtathletik. Was ihn so besonders machte, war seine Vielseitigkeit. Als er sich am 1. Oktober 1956 der Schalker Leichtathletik-Abteilung anschloss, war das, wie sich bald herausstellte, ein Glücksfall für den Verein.
Im Laufe der Jahrzehnte hatte Glowatsch fast alle Positionen einmal inne, die in seiner Abteilung zu vergeben waren. Seine Arbeitskraft und sein Tatendrang imponierten. Wenn er sich nicht mehr zur Wiederwahl stellte, dann nur, weil er an anderer Position noch mehr gebraucht wurde.
Schon während seiner aktiven Zeit als begeisterter Langstreckenläufer war der gebürtige Gelsenkirchener Mitglied des Abteilungsvorstandes. Danach war er im Laufe der Jahre Kassierer, Jugendwart, Sportwart und von 1998 bis 2008 Abteilungsleiter der Schalker Leichtathleten. Aufgrund seiner Verdienste wurde er 2008 zum Ehrenvorsitzenden ernannt. 
Doch das war noch längst nicht alles, was seine Aktivitäten für den Gelsenkirchener Sport betraf. 30 Jahre lang, von 1969 bis 1999, war Glowatsch als Kassierer für die Sportleistungsschule in Gelsenkirchen tätig, die die besten Amateursportler der Stadt materiell und finanziell unterstützte. Eine leider längst eingestellte Einrichtung, von der man heutzutage in der sogenannten „Sportstadt“ Gelsenkirchen nicht einmal mehr zu träumen wagt.
Für ihn als Leiter des Finanzwesens bei der Sparkasse Gelsenkirchen war das eine Aufgabe, die Glowatsch wie auf den Leib geschnitten war. Von 1968 bis 1981 als Trainer aktiv, betreute der B-Lizenz-Inhaber auch DLV-Kaderathleten. Klaus Glowatsch war dabei trotz eigener läuferischer Vorlieben nie auf eine Disziplin innerhalb der Leichtathletik fokussiert.
Es ist deshalb bezeichnend, dass er seinen größten Trainererfolg nicht mit einem Läufer, sondern mit einem Hochspringer erzielte. Unter seiner Leitung sprang Jochen Busshuven als A-Jugendlicher 2,12 m – so hoch wie kein anderer Athlet in seiner Altersklasse im Jahre 1980.
Dass Glowatsch trotz beruflicher Verpflichtungen auch noch die Zeit fand, das mühsame und arbeitsintensive Amt des Kreisstatistikers über viele Jahre auszuüben, darf an dieser Stelle keineswegs unerwähnt bleiben. 2008 zeichnete ihn die Stadt als verdiente Persönlichkeit des Gelsenkirchener Sports aus.
Auch im Ruhestand blieb Glowatsch sehr aktiv. Er reiste viel und widmete sich einem seiner Hobbys, der Fotografie. Von gesundheitlichen Rückschlägen ließ er sich nicht entmutigen. Eine Bypass-Operation und ein künstliches Kniegelenk nahm er ohne Wehklagen hin, obwohl er sehr gesund gelebt hatte. Viele Jahre gehörte er der Koronarsportgruppe des FC Schalke 04 an und genoss das Zusammensein von Gleichgesinnten, darunter auch seine ehemalige Athletin Angelika Wedwing, die vor allem im Mehrkampf große Erfolge feierte. 
Gerne erinnerte Glowatsch sich an das alte Parkstadion zurück. Die Deutsche Jugendmeisterschaft 1975, bei der er wie bei vielen anderen Veranstaltungen in der Organisation tätig war, ist mit 30.000 Zuschauern an drei Tagen bis heute die bestbesuchte Jugendmeisterschaft in der Leichtathletik aller Zeiten.
Umso mehr bedauerte es Glowatsch, dass „seine“ Leichtathletik heutzutage fast zu einer Randsportart mutiert ist. Mit seinem Tod wird aber die Erinnerung immer bleiben, wie viel Spaß Leichtathletik machen kann.
fl/tt
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