Flexible Stromtarife? „Halten derzeit nicht, was sie versprechen“ – WAZ | Westdeutsche Allgemeine Zeitung


Strom kommt aus der Steckdose und die Kilowattstunde kostet, egal ob morgens um 8 Uhr oder abends um 22 Uhr, immer dasselbe: So war es über lange Zeit, so waren es die Verbraucher gewohnt. Seit Beginn dieses Jahres hat sich das geändert, denn seitdem kann, wer will, einen flexiblen beziehungsweise sogenannten dynamischen Stromtarif nutzen. Dabei ändert sich der Preis je nach Angebot von Wind- und Sonnenstrom.
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Nun hat Prof. Dr.-Ing. Markus J. Löffler vom Westfälischen Energieinstitut an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen eine aktuelle Studie vorgelegt, die eine quantitative Bewertung der flexiblen Stromtarife auf Basis des Stromverbrauchs von 2024 liefert. Das Ergebnis: Die neuen Tarife würden derzeit nicht halten, was sie versprechen.
„Die Flexibilisierung des Strommarktes über dynamische Preismechanismen ist grundsätzlich eine Form der Energierationierung, die strukturelle Probleme im Energiesektor sichtbar offenlegt – als alleiniges Instrument sind flexible Tarife kein ‚Game-Changer‘“, so Löfflers Fazit. Vielmehr bedürfe es ergänzender technischer Lösungen, um den Paradigmenwechsel wirklich zu ermöglichen, so der Wissenschaftler weiter.
Anhand von 243 Szenarien simuliert die Löffler-Studie, wie sich Verbraucherinnen und Verbraucher im Jahr 2024 verhalten, die zum einen ihre Stromkosten optimieren und zum anderen die dynamischen Tarife in Wechselwirkung mit der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien vollständig nutzen möchten. Dabei wird insbesondere untersucht, wie sich diese Tarife auf den Lastverlauf sowie auf die Kosten an der Strombörse auswirken würden.
Die zentralen Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung aus Gelsenkirchen: „Ohne zusätzliche Kurzzeitspeicher oder Batteriesysteme führen dynamische Tarife zu erheblichen Verwerfungen im Tagesablauf der Verbraucher – sowohl privat als auch institutionell“, heißt es in einer Mitteilung. Dies umfasse etwa zeitliche Verschiebungen im Verbrauch, die den Alltag erheblich beeinträchtigen können – zum Beispiel durch unpraktische oder schwer umsetzbare Nutzungszeiten für Haushaltsgeräte oder industrielle Prozesse. Ein reines Preissignal reicht daher nicht aus, um den Verbrauch in nennenswertem Umfang flexibel zu gestalten.
Hinzu kommt: Die Simulation zeige keine wesentlichen Einsparungen bei den Gesamtkosten durch dynamische Tarife allein. Ganzheitlich betrachtet würden die Herausforderungen der Energiewende – zum Beispiel unzureichende Speicherkapazitäten und ein zu langsamer Netzausbau – bestehen bleiben. Allerdings: Trotz dieser Einschränkungen sieht Löffler Chancen in neuen Produkten rund um dynamische Tarife sowie in deren psychologischer Wirkung auf Verbraucher – „sie könnten das Bewusstsein für die Energiewende schärfen und zur Akzeptanz beitragen“, so Löffler.
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