
Redakteur Lokal
Gelsenkirchen. Seit 2018 gibt es das griechische Restaurant „Mykonos“ an der Horster Straße in Gelsenkirchen. Wir haben getestet, wie das Essen dort schmeckt.
„Essen beim Griechen? Da gibt es doch nur Fleisch mit Fleisch!“ Dieses Vorurteil ist weit verbreitet, und es mag durchaus noch das ein oder griechische Restaurant geben, auf das das zutrifft. Das Mykonos in Gelsenkirchen-Buer, an der Grenze zu Beckhausen gelegen, ist davon explizit ausgenommen. Natürlich gibt es auch hier diverse Grillplatten – wer aber ein bisschen tiefer in die Speisekarte eintaucht, der kann spannende Entdeckungen machen. Das zeigt unser Besuch: Im Rahmen unserer Reihe „Gastrokritik“ haben wir einmal vorbeigeschaut.
Wir sind zu dritt, als wir an einem Sonntagabend das „Mykonos“ aufsuchen – vorsichtshalber haben wir vorher reserviert (die Erfahrung lehrt, dass das sinnvoll ist), an diesem Abend wäre es aber nicht nötig gewesen. Weil das Wetter mitspielt, nehmen wir an einem Tisch im Garten Platz, und das ist definitiv empfehlenswert: Obwohl das Mykonos an der viel befahrenen Horster Straße liegt, sitzt man hier im Grünen, neben dem Klappern des Bestecks ist das einzige Geräusch das Plätschern des kleinen Teichs. Einige Plätze sind überdacht, sodass man auch bei einem leichten Sommerregen im Trockenen sitzt.
Das „Mykonos“ befindet sich seit 2018 an der Horster Straße, ist aber wesentlich älter. 1980 hatte die Familie Gkovalis in Schalke ein griechisches Restaurant eröffnet, heute ist es Ioannis „Janni“ Gkovilas, der den Familienbetrieb leitet. Er setze auf „griechische Hausmannskost“, hat er einmal gesagt, und ein Blick in die Karte zeigt, was damit gemeint ist: Wer‘s mag, bekommt hier seinen Grillteller mit diversen Sorten Fleisch, interessanter aber sind die „Spezialitäten aus der Pfanne“, oder die „Traditionell Griechischen Spezialitäten“. Aber dazu später mehr.
Zunächst stehen die Vorspeisen an. Wir teilen uns zu dritt die „Mezze Platte“ – eigentlich für zwei Personen gedacht, die einhellige Meinung am Tisch ist aber: Wer zu zweit diesen Teller leer ist, der muss schon sehr großen Hunger haben, um dann noch ein Hauptgericht zu schaffen. Die Quantität stimmt, viel wichtiger aber: die Qualität auch. Auf der Platte findet sich ein ausgewogener Mix aus raffinierten griechischen Häppchen: Es gibt allseits bekannte Klassiker wie gefüllte Weinblätter und Zaziki, aber auch eher Unerwartetes – lecker sind die Riesenbohnen in Tomatensauce, die Fischrogenpaste „Taramas“ ist fein abgeschmeckt und passt besonders gut zu den mit Kräutern und Salz bestreuten Pitafladen, dazu gibt es frisches Weißbrot. Wer hier nicht aufpasst, ist satt, bevor die Hauptgerichte kommen. Was hilft: Der Uozo mit Eis, den es zur Vorspeisenplatte dazu gibt.
Apropos Hauptgerichte: Niemand von uns entscheidet sich für einen Grillteller, wir wählen „Sikoti Tiganito“ (gebratene Rinderleber in Olivenöl, mit Paprika, Oregano, Zitrone und Zwiebel), die Gyrospfanne in Metaxasauce – und „Stifado“: Rindfleisch aus dem Ofen, in Rotwein geschmort mit ganzen kleinen Zwiebeln. Leber ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber so, wie sie hier dargeboten wird, sollte sie sein: Angenehm im Mundgefühl, das Olivenöl in Kombination mit der Paprika und den Zwiebeln entwickelt einen leicht süßlichen Geschmack, der durch die Zitrone gut aufgefangen wird – ein Genuss. Dazu gibt es Pommes und Reis – nicht spektakulär, aber eben passend.
Auch die anderen Hauptgerichte gefallen. Für das Stifado hat sich ein Freund und Besucher aus England entschieden, sein Kommentar zur Fleischkonsistenz: „very buttery“ – das muss nicht übersetzt werden und trifft den Kern der Sache, das Fleisch lässt sich mit der Gabel zerteilen, die Sauce ist gut abgeschmeckt. Das gilt auch für die Metaxa-Sauce, in der das Pfannengyros daherkommt. Von der Weinkarte wählen wir eine Flasche Rotwein, ein Cuvee aus Cabernet Sauvignon und der griechischen Traubensorte Agiorgitiko, eine unkomplizierte Begleitung zum Essen. Wie Janni Gkovilas erklärt, sind Weine, die ausschließlich aus griechischen Traubensorten gemacht sind, in Deutschland kaum zu bekommen, in der Regel werden sie mit andern Sorten gemischt.
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Nachtisch? Fällt aus, wir sind pappsatt, nehmen höchstens noch Espresso beziehungsweise griechischen Tee. Beziehungsweise stoßen mit dem Uozo an, den der Wirt uns noch spendiert. Der Service ist schnell und freundlich, das Ambiente angenehm: Hier waren wir bestimmt nicht zum letzten Mal.
Hinweis: Unsere Restaurantbeschreibungen basieren auf subjektiven Bewertungen und erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Wir bezahlen unsere Rechnungen selbst und geben uns erst nach Begleichen der Rechnung als Tester zu erkennen
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