
Stand: 05.01.2026 07:30 Uhr
Bei einem Bank-Einbruch in Gelsenkirchen wurden rund 3.200 Schließfächer aufgebrochen und eine Millionensumme erbeutet. Die Chronologie eines der größten Coups in der bundesdeutschen Kriminalgeschichte.
Bis heute ist nicht ganz klar, wann genau sich der Einbruch ereignete. Der Tatzeitpunkt könnte entweder auf die Weihnachtsfeiertage oder das darauffolgende Wochenende fallen.
27. Dezember 2025: Es gibt einen ersten Brandmeldealarm in dem Bankgebäude. Polizei und Feuerwehr sind gegen 6.15 Uhr vor Ort, können aber „nichts feststellen, was auf einen Schaden schließen“ lässt, teilen die Beamten mit.
Loch in der Wand des Kellers einer Bankfiliale in Gelsenkirchen
29. Dezember 2025: Um 03.58 Uhr geht bei der Feuerwehr ein weiterer Brandmeldealarm ein. Daraufhin wird der Einbruch entdeckt. Die Täter verschafften sich von einer benachbarten Tiefgarage aus zunächst Zugang zu einem Archivraum. Von da aus arbeiteten sie sich mit einem Spezialbohrer in den Tresorraum der Bank vor – dafür rissen sie ein riesiges Loch in die Stahlbetonwand.
Kunden protestieren vor Gelsenkirchener Sparkassenfiliale
29./30. Dezember 2025: Nach Bekanntwerden des Einbruchs finden sich am Montag einige Dutzend und am Dienstagvormittag schätzungsweise 200 betroffene Kunden vor der Filiale ein. Die Lage droht zu eskalieren, es kommt zu tumultartigen Szenen. Mehrere Menschen stürmen in den Vorraum der Sparkasse. Polizeikräfte rücken an und sichern den Eingang.
30. Dezember 2025: Die Ermittler gehen erstmals einer konkreten Spur nach. Zeugen hatten Hinweise auf mehrere Männer gegeben, die in der Nacht zu Sonntag mit großen Taschen im Treppenhaus eines angrenzenden Parkhauses gesehen worden seien. Zudem zeigten Videobilder aus dem Parkhaus einen hochmotorisierten schwarzen Wagen, der am frühen Montagmorgen das Parkhaus verlassen habe. Im Auto hätten maskierte Täter gesessen, von denen einer die Schranke zur Ausfahrt betätigt habe. Die Kennzeichen waren nach Polizeiangaben gefälscht.
Im Tagesverlauf richtet die Sparkasse für betroffene Kunden eine Hotline ein. Zudem schaltet die Bank einige Informationen im Internet frei. Dort heißt es: „Die Wahrscheinlichkeit, dass auch Ihr Fach betroffen ist, ist sehr hoch.“ Die Betroffenen würden umgehend schriftlich informiert.
31. Dezember 2025: Es wird ein weiterer Fall von Schließfach-Raub bekannt – diesmal in Bonn. Wie die betroffene Sparkasse Köln/Bonn bestätigt, sei es in der Filialdirektion am Bonner Friedensplatz bereits Mitte Dezember zu einem internen Sicherheitsvorfall im Schließfachbereich gekommen. Betroffen waren zwei Schließfächer, aus denen erhebliche Mengen Gold verschwunden sind. Ein 22 Jahre alter ehemaliger Mitarbeiter steht im Verdacht, sich unberechtigterweise Zugang zu den Schließfächern verschafft und den wertvollen Inhalt gestohlen zu haben. Mit dem Millionendiebstahl aus der Sparkasse in Gelsenkirchen hat der Bonner Fall laut einer Polizeisprecherin nichts zu tun.
In Gelsenkirchen rückt unterdessen ein weiteres Fahrzeug in den Fokus. Überwachungskameras erfassten laut eines Polizeisprechers nicht nur den hochmotorisierten schwarzen Wagen, sondern auch einen weißen Kleintransporter, den die Täter genutzt haben könnten. Auch dieser hat nach Polizeiangaben gefälschte Kennzeichen.
2. Januar 2026: In Halle (Westfalen) wird binnen weniger Tage der dritte Fall von Schließfach-Raub bekannt. Dieser ereignete sich bereits am 30. Dezember 2025 gegen Viertel vor eins – also während der regulären Öffnungszeiten der Sparkassenfiliale. Vier Schließfächer wurden aufgebrochen und vollständig leergeräumt. Nach Angaben der Polizei gelangten der oder die Täter ohne Gewalt in den Schließfachbereich. Ob der Raum offen stand oder wie genau sie hineinkamen, ist noch unklar.
Fahndungsfotos zum Einbruch in die Sparkasse Gelsenkirchen
3. Januar 2026: Nach dem Einbruch in die Sparkasse Gelsenkirchen veröffentlicht die Polizei Fotos der maskierten Tatverdächtigen. Es handelt sich um Aufnahmen aus Überwachungskameras aus dem angrenzenden Parkhaus.
Fahndungsfotos zum Einbruch in die Sparkasse Gelsenkirchen
Auf den Fotos sind mehrere Personen mit schwarzen Sturmhauben zu sehen. Eine trägt rote Handschuhe, eine andere Person grüne Handschuhe. Weitere Bilder zeigen das schwarze Auto sowie den weißen Kleintransporter. Nach Einschätzung der Polizei könnten sie von den Tätern als Fluchtautos genutzt worden sein.
4. Januar 2026: Ein ehemaliger Mitarbeiter der Sparkasse Gelsenkirchen spricht in der „Bild“ am Sonntag von Sicherheitsmängeln in der Filiale, die seit langem bekannt seien. Demnach gebe es im Untergeschoss keine Videoüberwachung und im Tresorraum keine Bewegungsmelder.
Die Bank selber gibt bekannt, dass die betroffene Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen noch einige Tage geschlossen bleibt. Man arbeite noch an der Beseitigung der Einbruchschäden. Zumindest das Loch im Tresorraum wurde laut der Bank aber inzwischen von Spezialisten geschlossen.
Die Deutsche Presseagentur berichtet außerdem: Der Wert der Beute lag möglicherweise über 100 Millionen Euro. Das erfuhr die Nachrichtenagentur aus Sicherheitskreisen.
5. Januar 2026: Es gibt offenbar eine erste heiße Spur: Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, hat ein Zeuge die Nummernschilder der Fluchtwagen in einem öffentlichen Mülleimer in Dortmund entdeckt.
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 04.01.2026, 18.45 Uhr
Antworten