Nordrhein-Westfalen: CDU gewinnt in NRW, historisches AfD-Ergebnis in Gelsenkirchen – tagesschau.de


Stand: 24.02.2025 00:26 Uhr
Nach letzten Hochrechnungen liegt die CDU bei der Bundestagwahl nicht nur im Bund, sondern auch in NRW eindeutig vorne. Die SPD bleibt in NRW auf Platz 2, dann folgen AfD und Grüne.
Nach Auszählung der meisten Wahlkreise in NRW formiert sich ein Bild vom Ausgang der Bundestagswahl 2025.
Demnach stabilisiert sich die CDU in NRW bei 30,1 Prozent der Stimmen und liegt damit klar an der Spitze. Zweitstärkste Partei im größten Bundesland ist demnach die SPD, die auf 20,2 Prozent zugelegt hat. Danach folgt mit 16,3 Prozent die AfD – deutlich vor den Grünen, die bei 12,6 Prozent bleiben.
Damit unterscheidet sich das AfD-Wahlergebnis in NRW vom deutschlandweiten Trend, bei dem die AfD inzwischen mit 20,7 Prozent der Stimmen rechnen kann und auf Platz 2 steht.
Nach einer Hochrechnung von 22.08 Uhr schnitt die AfD in Westdeutschland insgesamt mit 17,9 Prozent ab, während sie in den ostdeutschen Bundesländern im Schnitt 32,2 Prozent der Stimmen erhielt. In Thüringen verkündete der Landeswahlleiter nach Auszählung aller Stimmen ein Ergebnis von 38,6 Prozent für die AfD, die dort als gesichert rechtsextrem gilt.
Den Wahlkreis Gelsenkirchen gewann die AfD mit der Zweitstimme allerdings in NRW für sich. Als erster Wahlkreis in NRW überhaupt gehen hier die meisten Zweitstimmen an die AfD: 24,7 Prozent. Gute acht Prozentpunkte über dem NRW-Landesdurchschnitt. Zwar hatte die Partei bereits überdurchschnittlich viele Stimmen bei vorherigen Wahlen in der Stadt verbuchen können, nun ist sie aber zum ersten Mal stärkste Kraft beim Zweitstimmenergebnis. 
Die Mehrheit der Erststimmen dagegen ging dort an den SPD-Kandidaten Markus Töns. Erste Ergebnisse dazu, wie einzelne Städte oder Kreise gewählt haben, findet Ihr in der folgenden Karte im Lauf des Abends.
Die FDP kann laut der Hochrechnung in NRW nur mit 4,4 Prozent rechnen. Auch auf Bundesebene kommt die FDP laut aktueller Hochrechnung nur auf 4,4 Prozent, damit wird ihr Wiedereinzug in den Bundestag immer unwahrscheinlicher.
Die Linke pendelt sich nach ihrer Aufholjagd der vergangenen Wochen bei 8,5 Prozent ein – und hat damit in NRW ihren Stimmenanteil im Vergleich zur Bundestagswahl 2021 fast verdoppelt. Auch bundesweit erreicht die Linke bislang 8,7 Prozent.
Nach ersten Schätzungen zu Wählerwanderungen hat die Linke vor allem Stimmen von früheren SPD- und Grünen-Wählern bekommen.
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), das erstmals bei einer Bundestagswahl antritt, bleibt in NRW weiter bei 4,2 Prozent. Auf die „anderen“, kleineren Parteien entfallen insgesamt 3,7 Prozent.
Details aus den Wahlkreisen und weitere Infos findet Ihr unter diesem Link:
Die Ampel sei „krachend gescheitert“, kommentierte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst das gute Abschneiden der CDU – und seines Parteifreunds Friedrich Merz – am Abend. „Die Menschen wollen einen Politikwechsel.“ Die Parteien der Mitte hätten nun „eine große Verantwortung, Gespräche zu führen, um Deutschland aus der Krise zu führen“. Für Merz sieht Wüst mit dem Wahlergebnis „einen klaren Regierungsauftrag“. 
Die AfD schnitt in NRW bislang zwar deutlich schlechter ab als bundesweit, dennoch herrschte auch dort am frühen Abend Jubelstimmung: Man sei „der eindeutige Wahlsieger“, schrieb der Vorsitzende der AfD-Landtagsfraktion, Martin Vincentz. „Wir sind die einzige ernstzunehmende Opposition in Deutschland und das hat der Wähler goutiert.“
Trauer herrschte bei der SPD-NRW. „Der heutige Abend ist ein äußerst bitterer Moment für die SPD“, schrieb der Co-Vorsitzende Achim Post. Die Menschen hätten „den Streit und den Stil der vergangenen Monate und Jahre eindeutig abgewählt“. Der „beängstigende Erfolg der AfD“ zeige, wer davon profitiert habe. „Das muss ein Warnsignal für alle demokratischen Parteien sein“, sagte Post, „auch mit Blick auf die neue Bundesregierung“.
Die Co-Vorsitzende Sarah Philipp sagte: Friedrich Merz habe in den vergangenen Wochen „durch seine Zusammenarbeit mit der AfD und seine aggressive Rhetorik das Vertrauen der demokratischen Mitte stark erschüttert“. Es liege nun an ihm, das zerrüttete Vertrauen wieder aufzubauen.
Auch bei der FDP herrschte Endzeitstimmung – zumal, nachdem Bundesparteichef Christian Lindner am Abend seinen Rückzug aus der aktiven Politik verkündet hatte. Das Wahlergebnis sei „ein extrem harter Einschnitt“ für die Freien Demokraten, schrieb Henning Höne, Chef der FDP in NRW, am späten Abend auf X. Man habe „gekämpft, diskutiert, überzeugt – und doch nicht genug Bürgerinnen und Bürger für unsere liberale Agenda gewinnen können“. Doch die „liberale Idee“ lebe weiter – man werde Fehler analysieren, sich strategisch neu aufstellen „und mit neuer Kraft zurückkommen“.
Eine Statistik von Infratest dimap zur Wählerwanderung zeigt, dass es der FDP nicht gelungen ist, Wähler anderere Parteien für sich zu gewinnen. Die meisten Stimmen verloren die Liberalen an CDU und AfD.
Einfluss auf das Wahlergebnis der Parteien haben diverse Faktoren: Geschlecht und Alter der Wählenden, Bildungsstand, finanzielle Situation – hier könnt ihr euch verschiedene Wählergruppen anschauen. Die Daten basieren auf Befragungen und bilden darum eventuell nicht ganz exakt das Wahlergebnis ab.
Nach ersten Einschätzungen der Landeswahlleiterin ist die Wahlbeteiligung in NRW dieses Mal deutlich höher als bei der letzten Bundestagswahl 2021. Am Mittag lag sie in acht ausgewählten Kreisen und Städten bereits bei 63 Prozent, vor vier Jahren waren es um diese Zeit 45 Prozent.
Infratest dimap schätzte die Wahlbeteiligung in NRW am Sonntagabend auf 83,1 Prozent – 2021 waren es 76,4 Prozent.

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