
Schalke-Fans feiern Bundesliga-Rückkehr
Gelsenkirchen · Der FC Schalke 04 kehrt nach 1071 Tagen in die Bundesliga zurück – und Gelsenkirchen verwandelt sich in eine einzige, flackernde Feiermeile, in der sich Erleichterung, Übermut und eine lange aufgestaute Sehnsucht überlagern.
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Gelsenkirchen, 22.28 Uhr. Auf der Schalker Meile stürmen die Fans aus den Kneipen auf die Straße, fliegen sich in die Arme, reißen sich die Trikots vom Leib und kreischen. Es ist, als hätten sie kurz vor dem Schlusspfiff kollektiv den Atem angehalten, um ihn nun mit einem gewaltigen Schrei wieder freizugeben. Der FC Schalke 04 ist zurück. Nach dem 1:0 Sieg gegen den Abstiegskandidaten Fortuna Düsseldorf enden 1071 Tage Zweitklassigkeit und der Club ist wieder in der Bundesliga.
„Es ist so ein wunderbarer Tag“, sagt Mustafa, 31, der schon seit dem frühen Nachmittag mit seinem Kumpel Berthold unterwegs ist. Von Buer aus sind sie mit insgesamt 20.000 Schalke-Fans zur Arena gezogen. Weil sie keine Karten für das Spiel hatten und das Public Viewing bei „Charly’s Schalker“ am Stadion wegen des massenhaften Andrangs aus Sicherheitsgründen abgesagt werden musste, haben die Freunde das Spiel in einer Kneipe auf der Schalker Meile geschaut, gleich bei der Glückauf-Kampfbahn, dem ehemaligen Stadion. Den Aufstieg haben sie wie alle anderen lange herbeigesehnt. „Wir kommen beide aus Gelsenkirchen“, sagt Berthold. „Für die Leute hier ist das alles. Schalke ist der Seismograf für den Selbstwert dieser Stadt.“
Ein paar Übermütige zünden mitten auf der Straße Bengalfackeln und werfen Böller. „Nie mehr zweite Liga!“, singen die Fans, unten ihnen auch Tobias und David. „Ich will heute einfach nur feiern“, sagt David. „Es geht nur um den Aufstieg, alles andere ist egal.“ Andere fahren dauerhupend im Autokorso durch die Straßen. Der Bahnverkehr muss zeitweise eingestellt werden, mehrere Tausend Menschen feiern in Schalke-Nord und in Buer auf den Straßen.
Justus und Emily – Schalke-Fans aus Siegen und Köln – hatten noch über Ticketbörsen versucht, Karten fürs Spiel zu bekommen. „Bis zu 1500 Euro für zwei Stehplätze wurden da verlangt“, sagt Justus. Schon für die letzten Heimspiele sei schon nichts mehr möglich gewesen. Also sind auch sie in dieser Nacht auf der Schalker Meile gelandet. „Mein Koffer steht in Duisburg im Bahnhofsschließfach“, sagt Justus. „Keine Ahnung, wie ich da heute noch hinkomme, aber es ist egal.“ Er sieht vollkommen glücklich aus und sagt: „Alle Fans haben in den letzten Jahren so gelitten – wir haben das so verdient heute.“ Justus denkt heute schon an all die Spiele, die es in der nächsten Saison geben wird. „Für das Revierderby brauche ich auf jeden Fall Karten.“
Die Polizei ist mit Hunderten Kräften im Einsatz. Nicht erst am Abend, schon beim Fanmarsch schreiten sie ein, weil immer wieder Pyrotechnik geworfen wird. Auch im Stadion werden am Abend Feuerwerkskörper gezündet, teils fliegen sie zwischen den Fan-Lagern, wobei eine 31-jährige Frau schwer verletzt wird. Mehrere Fans ohne Tickets versuchen, in den abgesperrten Bereich zu gelangen. Nach Abpfiff verletzt sich ein 49-Jähriger beim Versuch, in den Innenraum zu klettern. Auf den Tribünen bleibt es – entgegen aller Befürchtungen – beim kollektiven Beben, zum Platzsturm kommt es nicht. In einer ersten Bilanz zieht Einsatzleiter Karsten Plenker in der Nacht ein positives Fazit und spricht von einem insgesamt friedlichen Verlauf angesichts der besonderen emotionalen Lage. „Für Schalke ist der Aufstieg perfekt, die Fans haben das größtenteils sehr verantwortungsvoll gefeiert“, sagt er.
An einer Kreuzung an der Willy-Brandt-Allee überquert ein Mann in königsblauer Fan-Kluft beinah schreitend den Zebrastreifen und winkt den hupenden Autos aus dem Korso zu, als meinten die Fahrer alle nur ihn allein. Auch für ihn ist heute ein Traum wahr geworden. Der Himmel über Gelsenkirchen wird weit nach Mitternacht noch von Feuerwerk erleuchtet. Wie an Silvester, nur dass hier niemand auf ein neues Jahr gewartet hat, sondern darauf, dass das alte Gefühl endlich zurück ist.
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