
Der Zusammenschluss von Fußball-Vereinen war vor wenigen Monaten ein heißes Thema in Gelsenkirchen. Der damalige Gelsensport-Präsident Klaus Lindner hatte zum Jahreswechsel 2024/2025 einen Denkanstoß an die Vereine gerichtet. „Die Diskussion, dass Klubs zusammenarbeiten und verschmelzen, müssen wir anstoßen. Das ist die größte Aufgabe für den Fußball hier in unserer Stadt“, so Lindner.
Mit Westfalia ETuS 04/31 hat Gelsenkirchen seit dieser Spielzeit einen Fusionsverein am Start. Der neue Klub, aktuell Tabellendritter in der Fußball-Kreisliga A, ging aus Westfalia 04 und dem ETuS Bismarck hervor. Insgesamt 16 Westfalia ETuS 04/31-Mannschaften nehmen aktuell im Jugend- und Seniorenbereich am Spielbetrieb teil – darunter sind auch zwei Mädchen-Teams (C-Juniorinnen, D-Juniorinnen).
Fusionen können sinnvoll sein – wenn sie Kräfte bündeln
Marco Fladrich, Sportausschuss-Vorsitzender in Gelsenkirchen, sagt zum Thema Vereins-Zusammenschlüsse: „Fusionen können sinnvoll sein, wenn sie Kräfte bündeln und die Sportanlagen-Problematik entschärfen – das muss man ehrlich und individuell prüfen.“ Längst nicht bei allen Vereinen kommt der Gedanke, mit einem oder sogar mehreren Klubs zu verschmelzen, gut an. Florian Brandenburger, Geschäftsführer von Rot-Weiß Wacker Bismarck, meinte im Zuge der FLVW-Beitragserhöhung zur WAZ: „Es könnte sein, dass sich Vereine wegen der steigenden Kosten künftig auflösen – oder sich zusammenschließen. Aber es gab schon genug Beispiele, bei denen der größere Verein den Kleineren aufgefressen hat.“
Grundsätzlich misst Sportausschuss-Chef Marco Fladrich dem Vereinsleben einen hohen Stellenwert bei und blickt einige Jahre zurück. „In meiner Jugend waren Vereine fest in die soziale Struktur eingebettet. Man kannte den Vorsitzenden, bekam Praktika, Jobs – es gab enge Banden. Trainer erkannten früh, wenn Kinder „von der Bahn abdriften“, und konnten gegensteuern. Diese soziale Aufgabe ist heute schwerer zu leisten: Die Anforderungen sind gestiegen, die Fälle häufiger, und manchmal fehlt sogar dem Trainer die Stabilität.“
Fladrich stellt fest: „Ein kompletter Neustart wäre falsch. Wir sollten der Gesellschaft die Chance zur Besinnung geben und Vereine als Struktur erhalten – vielleicht weniger, aber verlässlich. Sonst geben wir die Gesellschaft auf.“ Die großen Schwierigkeiten, die Vereine in Gelsenkirchen und Umgebung mittlerweile mit dem Finden von Ehrenamtlern haben, sind dem Sportausschuss-Vorsitzenden bekannt.
„Leider zieht sich jeder stärker in den eigenen privaten Kosmos zurück: Arbeit, Familie. Die Bereitschaft fürs Ehrenamt sinkt. Dem müssen wir entgegenwirken: Attraktivität steigern und Gegenangebote zur reinen Individualisierung schaffen.“ Social Media und kommerzielle Formate wie die Icon League seien „starke Konkurrenten“. Fladrich: „Sie ziehen Aufmerksamkeit ab. Darauf müssen wir reagieren, mit realistischen Plänen für die nächsten Jahre: Wir dürfen nicht im kommerziellen Sport enden, sondern Vereins- und Breitensport stärken.“
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