
Gelsenkirchen. Im Alter von 90 Jahren ist der Metallbildhauer Heinz Schäpers verstorben. Nachruf auf einen Künstler, der lange in Gelsenkirchen gewirkt hat.
Er goss seine zahllosen Ideen in Bronze, verwandelte feine Philosophie in harten Stahl und lebte stets nach dem Motto: „Man muss die Gedanken schmieden wie das Eisen im Feuer.“ Am vergangenen Wochenende ist der Metallbildhauer, Kunstschmied und Poet Heinz Schäpers im Alter von 90 Jahren in seiner Wahlheimat Essen verstorben. Die Kunstwelt trauert um einen überaus kreativen Kopf, der im gesamten Ruhrgebiet seine künstlerischen Spuren hinterlassen hat.
Besonders in Buer, wo Heinz Schäpers bis 2010 gelebt und in seiner Schmiede an der Horster Straße gearbeitet hat, erinnern sich die Menschen gerne an einen Macher, der so leidenschaftlich über Kunst, Religion und Philosophie reden konnte. Gelsenkirchen blieb Schäpers zeit seines Lebens treu, traf hier bis zum Schluss regelmäßig Freunde und Sammler, kaufte weiterhin in Buer gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth ein. Mit Wehmut dachte er dann zurück an den für ihn schmerzhaften Abriss seiner Schmiedewerkstatt, die einem Neubau weichen musste. Auch wenn sich der lebenskluge Mann, Vater von 13 Kindern, längst mit seinem neuen Domizil in Essen arrangiert hatte.
1934 in Dorsten geboren, zog es Heinz Schäpers schon früh nach Gelsenkirchen. In der Künstlersiedlung Halfmannshof in Ückendorf absolvierte er eine Ausbildung zum Kunstschmied und Metallbildhauer, erlernte eine Kunstform, die ihn glücklich machte, weil er mit ihr seine Ideen in die passende Form bringen konnte. Einige Jahre lang pflegte er engen Kontakt zu Joseph Beuys. Später gründete er eine Jazzband, schrieb ein Kinderbuch und schmiedete Skulpturen unterschiedlichster Art. Zumeist waren sie der menschlichen Figur verpflichtet, blieben erkennbar auch bei bis auf wenige Linien reduzierte Formen, die manchmal wie eine Zeichnung in die Luft anmuteten.
Auch sakrale Objekte lagen ihm am Herzen: Mit ihnen dokumentierte Heinz Schäpers seine tiefe, spirituelle Beziehung zu Gott und der Welt. Sie inspirierte ihn zu Altarkreuzen, Kreuzwegen oder Engelsgestalten.
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Auf dem Hauptfriedhof in Buer zum Beispiel erzählt die Skulptur „Gehen“ im Garten der Erinnerung von Ankunft und Abschied. Seit 2010 steht die Figurengruppe „Rebecca“ auf dem Altmarkt in Buer, entstanden zum 1000. Geburtstag des Stadtteils. Welche Figur auch immer er schuf, sie senden Botschaften an den Betrachter aus, erzählen in Metaphern und Symbolen von Liebe und Leid, Glaube und Hoffnung, mahnen im Spätwerk aber auch kritisch vor den Folgen des Klimawandels.
Unvergessen bleibt der Stahlbrunnen, den der Künstler 1976 vor der Volksbank am Goldbergplatz installierte und der bis heute von vielen schmerzlich vermisst wird. Das Wasserspiel mit seinen unterschiedlich hohen Säulegn wurde einst wegen des Platzumbaus entfernt. Bis heute beobachtet der stählerne „Fotograf“ den Verkehr an der Kreuzung Horster Straße/Vinckestraße, stammen die Entwürfe für die Gedenktafeln an der Berliner Brücke aus der Schäpers-Werkstatt.
Der „Ironman“, wie er sich nannte, und der stets zugewandte Menschenfreund war bis ins hohe Alter mit Tatkraft und Freude erklärtermaßen auch seines eigenes Glückes Schmied.
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