
Gelsenkirchen. Victoria Dolle gelingt für die SG Gelsenkirchen eine Premiere. Sie schwimmt bei den Deutschen Meisterschaften dreimal ins A-Finale – trotz Handicaps.
Die letzten Wochen und Monate waren für Victoria Dolle nicht die einfachsten – das waren sie für keinen aus dem Kader der SG Gelsenkirchen. Wo andere einen Virus nicht loswurden und Trainer Michael Seeger beinahe bis zur Verzweiflung trieben, war es bei der 20-Jährigen nicht mit einmal richtig auskurieren getan. Sie leidet an einer chronischen Atemwegs-Erkrankung, da hilft keine Ruhe, nur das Umgehen mit der Krankheit.
„Ich konnte nicht so trainieren, wie ich es hätte machen müssen“, sagt sie. Was wäre dann wohl bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin wohl herausgekommen? Denn auch so schon hat die Gelsenkirchener Schwimmerin Geschichte geschrieben.
Dreimal schwamm sie ins A-Finale. Über die drei Schmetterling-Strecken gehörte sie zu den besten Acht in ganz Deutschland. „Es ist wie ein Traum, ein Film, der an einem vorbeizieht“, meint Dolle. „Ich habe es noch nicht begriffen. Es wirkt so unrealistisch.“
Dass sie die erste überhaupt bei der SG Gelsenkirchen war, die dreifach in den Endlauf einzog, hatte sie gar nicht auf dem Zettel. Erst eine Freundin, die früher ebenfalls für die SG schwamm, machte sie darauf aufmerksam. „Da ist mir klar geworden: Du bist doch etwas Besonderes. Das ist ein schönes Gefühl.“
Und auch Trainer Seeger war begeistert ob der Leistung von Dolle. „Das war das i-Tüpfelchen nach ihrer Vorgeschichte“, sagt er. Wie die meisten anderen SG-Schwimmer profitierte sie vom zwölftägigen Trainingslager in Italien. „Es hat geholfen, dass ich nicht untergehe“, erklärt sie.
Dabei war es gar nicht immer nur der Körper, der nach Training und Arbeit verlange. „In den letzten Wochen war es viel der Kopf“, sagt sie. „Ich habe viel mit meiner Mutter und meiner Oma und auch Freunden gesprochen, die alle gesagt haben: Du musst mit dem Kopf schwimmen. Es war viel mentale Arbeit dabei.“ Die richtige Einstellung war für sie ebenso wichtig, wie ein funktionierender Körper. „Ich wollte nur an den Start gehen und daran glauben.“
Das gelang. Über die 100m Schmetterling wurde sie Sechste, und jeweils Achte über die 50m und 200m Schmetterling. Dabei verbesserte sie auch noch einige ihren ohnehin schon guten Zeiten. Das gelang auch weiteren Schwimmern der SG Gelsenkirchen. „Es war ein anstrengendes, schönes, aber auch erfolgreiches Wochenende“, sagt Seeger.
Neben den drei A-Finals schwammen die noch vier Staffeln in die Top 10. Die 4x200m Freistil der Männer kam als beste auf Platz sechs in Ziel. Daneben fiel nach der siebte Platz über die 4x100m Freistil der Männer auf Platz sieben und die beiden Mixed-Staffeln über 4x200m Freistil auf Platz sieben 4x100m Lagen auf Platz zehn.
„Fast bei jedem Start gab es eine Saisonbestzeit oder eine persönliche Bestzeit. Es war von der ganzen Mannschaft ein Top-Wettkampf“, meint Seeger. Und kurz wurde es auch noch dramatisch. Nach der 4x100m Lagen-Staffel der Männer klappte Benedikt Schmitz für einen Moment zusammen. Mit einer Platzwunde am Kopf war er danach trotzdem „hart im Nehmen“ und erreichte mit der 4x200m Freistil Staffel noch den sechsten Platz. „Das war eine tolle Leistung“, meint Seeger.
Das gilt für Dolle ohnehin. Es soll nicht ihr letzter Besuch bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin sein. An gleicher Stelle holte sie schon einmal den dritten Platz bei den Deutschen Jahrgangs-Meisterschaften. Wie sich das Treppchen anfühlt, weiß sie. „Das bei den Deutschen zu schaffen, ist der Traum“, sagt sie. „Ich habe gesehen, dass ich oben rankommen kann.“
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