
Gelsenkirchen. Die 31. City Nacht bietet Party und Spitzensport. Weltmeister Roger Kluge wird Vierter und sagt: „Beim Geruch von Spiritus und Bratwurst möchte man am liebsten anhalten“.
Ein paar Minuten nach dem Ende des Eliterennens bei der 31. City Nacht von Gelsenkirchen hatte Michael Zurhausen die Lacher auf seiner Seite. Der Organisator des Radsport-Spektakels, das im Ortsteil Schaffrath wieder mehrere 1000 Besucher in seinen Bann zog, kommentierte bei der Siegerehrung des „Großen Preises der Sparkasse“ via Mikrofon: „Das gibt es auch nicht so oft: Ein Holländer trinkt Veltins-Bier.“ Marvin Peters, der Mann, der auf dem Podest ganz oben stand, lachte bei dem Satz und nahm einen kräftigen Schluck aus dem XXL-Glas. Im Hintergrund wurden zur visuellen Abrundung zwei Goldfontänen gezündet.
Der 21-jährige Peters, der nach eigenen Angaben „nur zehn Kilometer hinter der Grenze zu Deutschland wohnt“ und „nur eine Stunde mit dem Auto“ als Anfahrt benötigte, war im stark besetzten Feld nicht als Top-Favorit gestartet. „Als Sieger hatte ich ihn nicht unbedingt auf dem Zettel, aber er ist ein richtig starkes Rennen gefahren. Insgesamt hatten wir einen spannenden Wettkampf. Es konnte sich bis zum Schluss niemand entscheidend absetzen, der Spannungsbogen war enorm hoch. So wünscht man sich das“, bilanzierte ein sichtlich zufriedener Michael Zurhausen.
Einen Schreckmoment gab es gegen Mitte des Profi-Rennens, als zwei Fahrer in einer engen, schnellen Kurve auf dem Gelsenkirchener Asphalt zu Sturz kamen. „So etwas kommt bei unserem rasanten Sport vor. Zum Glück gab es keine schwerwiegende Verletzung“, meinte Organisator Zurhausen. Bei Jonas Messerschmidt aus Witten waren die Spuren des Missgeschicks deutlich sichtbar. Seine Radlerhose wies Riss-Spuren auf, dazu hatte er sich Schürfwunden am Bein zugezogen.
Messerschmidt meinte im Gespräch mit der WAZ: „Die Kurven sind echt Scheiße. Das ist hier ein ganz schlechter Belag, da kann schnell etwas passieren. Es war in der Runde, in der mein Sturz passiert ist, verdammt schnell. Du bewegst dich am Limit. Da kann es schnell dazu kommen, mal wegzurutschen.“ Bei Messerschmidt, der vor der City Nacht noch um den Kemnader See fuhr, war es jetzt der zweite Sturz in zwölf Jahren.
„In so einem Fall wartet man, bis das Adrenalin weg ist und fährt dann weiter. Da man bei einem Sturz in Gelsenkirchen eine Runde vergütet bekommt, ist das nicht weiter tragisch.“ Für Messerschmidt war es die Premiere bei der City Nacht. „Ich war sonst immer bei anderen Rennen und wollte hier unbedingt mal dabei sein. Ich finde die Veranstaltung mega. Das ist ein richtiges Event. Es macht einfach Spaß, vor so vielen Zuschauern zu fahren.“
Für einen der vorderen Plätze langte es bei Jonas Messerschmidt, der für das bayerische Profi-Team Run&Race Wibatech fährt, nicht. Der Mann aus Witten-Bommern kam als Dreizehnter über die Ziellinie. Hinter Sieger Marvin Peters (1:30:04h) wurde Joshua Huppertz Zweiter. Die Bronzemedaille holte sich Sven Thurau. Dreifach-Weltmeister Roger Kluge, der zur City Nacht über 500 Kilometer aus Berlin angereist war, musste mit Platz vier Vorlieb nehmen.
„Dann muss ich wohl nächstes Jahr wiederkommen“, meinte Kluge mit einem Augenzwinkern. Der 39-Jährige fand an der City Nacht durchaus Gefallen. „Gefühlt wurde es von Runde zu Runde immer voller an der Strecke. Ehrlich gesagt möchte man beim Geruch von Spiritus und Bratwurst, den man an der Strecke wahrnimmt, am liebsten anhalten.“
Dass es für ihn nicht zum Sieg reichte, stufte Roger Kluge realistisch ein. „Ich war ganz alleine hier, hatte keine Teamkollegen – so wie andere Fahrer. Die konnten ihre Karten im Rennen besser ausspielen. Um so ein Rennen zu gewinnen, muss man ganz frisch sein. Es waren vier Kurven und fünf Antritte – da muss man sich die Körner gut einteilen. Für mich war das Rennen weder langweilig noch zu leicht.“
Eine nicht ganz so weite Anreise wie Roger Kluge hatte Simon Walker. „Ich bin zwei Stunden aus Köln nach Gelsenkirchen gefahren. Die Stimmung hier zieht mich einfach an. Ich war vor zwei Jahren schon mal bei der City Nacht dabei und habe bei Anwohnern meinen Rucksack deponiert. Sie haben mich dann zum Grillen eingeladen. Die Leute sind locker, es macht einfach Laune. Vor dem Start haben mich Kinder gefragt, welche Nummer ich habe. Und dann haben sie meine Nummer bei jeder Runde gerufen“, freute sich Walker. Hauptberuflich arbeitet er am Rhein als Schul- und Sozialarbeiter. „Abends bist du als Radrennfahrer auf einmal der Held“, meint Walker mit einem Lächeln. Auch er dürfte wieder nach Gelsenkirchen kommen…
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