„Das müssen wir erhalten“: Diese Unterstützung sichert Gelsenkirchens Karneval – WAZ | Westdeutsche Allgemeine Zeitung


Es ist schon ein recht närrisches Spektakel, das alljährlich zum Jahresbeginn und somit zum Auftakt der heißen Phase der fünften Jahreszeit im Autohaus Basdorf stattfindet: Die Prinzessinnen der Stadt Gelsenkirchen werden in Kamelle aufgewogen. Jene Menge, die es braucht, um die Lieblichkeiten in die Höhe schweben zu lassen, wird ihnen später als Wurfmaterial für die jecken Umzüge gespendet. Und das ist nur einer der Höhepunkte dieser internen Veranstaltung: Die Hilfen der Sponsoren werden feierlich übergeben und den Wohltätern wird festlich-ausgelassen gedankt.
Denn, das machte Björn Tondorf, Präsident des Festkomitees Gelsenkirchener Karneval, kürzlich gegenüber der WAZ deutlich, diese Unterstützung ist wichtiger denn je.
„Ohne die drei Sponsoren, die hier heute im Mittelpunkt stehen, wäre im Gelsenkirchener Karneval vieles nicht möglich“, sagt er und hebt zunächst das Engagement von Frank Basdorf hervor. „Er ist unser größter Sponsor.“ Denn er unterstützt das närrische Treiben nicht nur mit finanziellen Mitteln. „Er stellt uns mit seinem Autohaus auch die Wagen, die wir brauchen, um die sicherheitsrelevanten Absperrungen für die Umzüge gewährleisten zu können. Zudem stellt er den Prinzenpaaren zwei ausreichend große Autos, die sie bis Aschermittwoch nutzen können, um zu den über 100 Terminen zu kommen. Das ist eine enorme Erleichterung.“
Zweiter im Bunde ist heute Dagwin Lauer vom örtlichen Zahnärzteverein, der den Karneval ebenso unterstützt wie die Dekra, die heute mit den Kamelle angereist ist. „Ganz wichtig ist für uns auch, dass die Dekra die Wagen für die Umzüge abnimmt“, so Tondorf. Das sei zwar nicht ganz kostenlos möglich. „Aber sehr flexibel und sogar an Sonntagen.“
Doch was treibt diese Menschen an, den Karneval an der Emscher so großzügig und verlässlich zu unterstützen, während andere, aufgrund wirtschaftlich schwieriger Zeiten, ihr finanzielles Engagement mindestens verkleinern müssen? „Weil es eine gute Sache ist“, findet Frank Basdorf, der seit rund 25 Jahren zu den Sponsoren des Karnevals zählt – wenn auch zunächst nicht seiner jecken Leidenschaft wegen.
„Ich bin eher durch den sozialen Ansatz im Gelsenkirchener Karneval dazugekommen. Er holt Kinder von der Straße. Wo können denn Familien ihre Töchter tanzen lassen, wenn für die Tanzschule das Geld fehlt? Die Kleinen lernen zudem im Karneval soziale Fähigkeiten, dass man einander hilft und füreinander einsteht.“ Also ist der Inhaber eines Autohauses gleich am Kanal gar nicht jeck? „Ich mache das jetzt seit über 20 Jahren. Da wächst man dann rein. Früher war das eine Pflicht für mich. Heute ist es mir eine Freude“, sagt der Unternehmer, der so ziemlich jede Auszeichnung im Gelsenkirchener Karneval schon verliehen bekommen hat. Heute gesellt sich noch die höchste Ehrenbezeugung der Erler Funken hinzu, der „Erler Zuch“.
Den Rosenmontagszug auf der Cranger Straße zu realisieren, das werde immer schwieriger, weiß er. „Aber den dürfen wir als Stadt Gelsenkirchen nicht auch noch verlieren.“ So sieht es auch Dagwin Lauer. „Das ist ja ein Kulturgut, welches wir erhalten müssen. Der Karneval prägt unser Land, unsere Stadt. Es ist doch Bestandteil unserer christlich-abendländischen Kultur, dass wir vor der Fastenzeit noch einmal die Sau rauslassen. Ohne diese tollen Tage wäre unsere Gesellschaft eine andere“, so der Zahnarzt, der stets bei beiden Umzügen mitfährt auf dem Wagen des Zahnärztevereins.
„Ich liebe den Karneval“, erzählt er und verrät: „Ich bin schon im Bauch meiner Mutter an Altweiber auf dem Tisch getanzt.“ Sein finanzielles Engagement, erklärt Björn Tondorf weiter, konzentriere sich vor allem auf den Kinderumzug am Karnevalssonntag in Buer, der ohnehin finanziell auf wackeligen Beinen stehe. Solch Unterstützung sei daher besonders wichtig.
Im Mittelpunkt beim eigentlichen Prinzessinnenwiegen steht das Unternehmen Dekra. Das sei einst, erzählt Berthold Ossendorf, von Frank Basdorf quasi angeworben worden für diese recht ungewöhnliche Sponsoring-Aktion. „Und da ich selbst gebürtiger Kölner bin, liegt mir so etwas am Herzen.“ Zahlreiche Lieblichkeiten haben er und sein Team schon in Süßwaren aufgewogen – und die mitgebrachten Leckereien hätten immer gereicht, verrät er und ist sicher, dass dies auch heute wieder so ist.
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