Ein stiller Held des Gelsenkirchener Amateurfußballs: Große Trauer um Witold Ruta – WAZ | Westdeutsche Allgemeine Zeitung


Der Gelsenkirchener Amateurfußball trauert um Witold Ruta. Der ehemalige Torjäger verstarb im Alter von 74 Jahren. Der gebürtige Pole verkörperte in den 1970er-Jahren das, was man einen Vollblutstürmer nennt: treffsicher und entschlossen im gegnerischen Strafraum.
Seine sportliche Geschichte war eng verknüpft mit dem am Trinenkamp in Bismarck ansässig gewesenen Sportclub Gelsenkirchen 07. Mit neun Jahren streifte Witold Ruta erstmals das Trikot des Traditionsklubs über, zehn Jahre später rückte er in die erste Mannschaft auf. Dort machte er sich in der Landesliga schnell einen Namen, vor allem in der Saison 1975/76, in der ihm 42 Tore gelangen. Gemeinsam mit Karl-Heinz Grezcik bildete er ein gefürchtetes Sturmduo, das weit über Gelsenkirchen hinaus Beachtung fand.
Der VfL Bochum lud ihn zum Probetraining ein, doch dort konnte er den damaligen Trainer Heinz Höher offensichtlich nicht überzeugen. Später hatten auch die DJK Gütersloh und Arminia Bielefeld großes Interesse an Witold Ruta, doch er lehnte ab. „Ich hätte mit meiner Familie nach Ostwestfalen umziehen müssen. Aber das wollte ich nicht, weil ich kurz zuvor geheiratet hatte“, so lautete seine Begründung.
Witold Ruta nahm im Alter von 28 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft an. Der gelernte Industriekaufmann erzielte etwa 300 Treffer in rund 600 Spielen für „die gelbe Gefahr“, wie der Sportclub 07 aufgrund seiner Trikotfarben genannt wurde. Zahlen, die seine Bedeutung nur unvollständig wiedergeben. Denn Witold Ruta war mehr als ein Torjäger: Er war ein Identifikationsspieler, ein Publikumsliebling, ein stiller Held des Amateurfußballs.
Erst mit 31 Jahren wechselte er den Verein und schloss sich der BSG Großmarkt, dem späteren Union Gelsenkirchen, an. Dort führte er den Klub mit seinen Toren von der Kreisliga B bis in die Bezirksliga. Mit 35 Jahren beendete er seine aktive Karriere im Liga-Betrieb. Danach spielte er noch viele Jahre bei den Alten Herren von Westfalia 04 Gelsenkirchen, bis zu seinem 50. Lebensjahr.
Doch seine große fußballerische Liebe blieb immer der Sportclub Gelsenkirchen 07, ein Verein, der längst Geschichte ist, aber durch Menschen wie Witold Ruta unvergessen bleibt. Überschuldet und ohne Perspektive blieb dem Sportclub 07 im Jahr 1984 nur noch der Gang zum Amtsgericht. Mit Wehmut blickte Ruta später auf das bittere Aus seines Klubs zurück: „Es ist einfach nur traurig, dass es so traditionsreiche Vereine wie den Sportclub 07 in Gelsenkirchen nicht mehr gibt.“
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