
Die wirtschaftliche Stimmung in Gelsenkirchen, Münsterland und Emscher-Lippe bleibt schwach. Die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Nord Westfalen verdeutlicht den Stillstand. „Von einem Aufschwung ist weit und breit nichts zu sehen, es herrscht konjunktureller Stillstand“, sagt Lars Baumgürtel, IHK-Präsident und Gelsenkirchener Unternehmer. Sein Betrieb Zinq hat gerade den Deutschen Umweltpreis gewonnen.
Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der Geschäftslage und Zukunftserwartungen zusammenfasst, verharrt seit drei Jahren bei knapp 100 Punkten. „Eine so lange Stagnation gab es in der gesamten Datenreihe der IHK noch nie“, erläutert Hauptgeschäftsführer Fritz Jaeckel. Der Wert liegt deutlich unter dem Zehn-Jahres-Durchschnitt von 108,7 Punkten und weit unter dem Herbstwert von 2018 von über 125 Punkten. „Das bedeutet schleichende Wohlstandsverluste, die jetzt spürbar werden.“
Fast jedes vierte Unternehmen bewertet die Geschäftslage als schlecht. Besonders Industrie und Handel kämpfen, jeder dritte Betrieb ist unzufrieden. Im Dienstleistungssektor liegt der Anteil schlechter Bewertungen bei 14 Prozent, was einen Rückgang schlechter Bewertungen zeigt.
Die Zukunftserwartungen sind gedämpft. Nur ein Fünftel der Betriebe hofft auf eine Verbesserung, ebenso viele befürchten eine Verschlechterung. Über 60 Prozent erwarten, dass sich nichts ändert. Die Investitionsbereitschaft folgt diesem Trend: 27 Prozent wollen weniger investieren, 24 Prozent mehr. In der Industrie plant sogar jeder dritte Betrieb, Investitionen zurückzufahren.
„Unternehmen müssen jetzt entscheiden, und die Lage ist nach wie vor schwierig“, erklärt Baumgürtel. „Wir brauchen politische Signale, die Planungssicherheit und Investitionsbereitschaft wiederherstellen.“ Industrieunternehmen leiden demnach unter hohen Energie- und Arbeitskosten sowie Wettbewerbsnachteilen. Der Handel spürt die gedämpfte Kauflaune, über alle Branchen hinweg bremst Bürokratie die Entwicklung aus Sicht der Unternehmen. Die größten Risiken sehen die Betriebe in schwacher Inlandsnachfrage (61 Prozent) und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (59 Prozent).
Die Unsicherheit wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. Jedes vierte Unternehmen plant Personalabbau, vor allem in der Industrie. Nur 17 Prozent wollen neue Stellen schaffen. Die Mehrheit hält die Belegschaft stabil.
Baumgürtel fordert konkrete Maßnahmen: „Die Bundesregierung muss jetzt Mut zu Reformen haben – Bürokratieabbau, Entlastungen bei Energie- und Steuerkosten, Modernisierung des Sozialstaates und mehr Freiraum für unternehmerisches Handeln. Ohne diese Schritte wird ein Neustart der Wirtschaft nicht gelingen.“
Besonders die Energieversorgung sorgt für Sorgen. „Der Umbau des Energiesystems, so wie er derzeit geplant ist, kann weder von Unternehmen noch vom Staat in dieser Form finanziert werden. Wir brauchen Klarheit über Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Preise.“
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Baumgürtel bezieht sich dabei auf eine aktuelle Studie der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Die Studie schätzt die Gesamtkosten der Energiewende für den Zeitraum 2025 bis 2049 auf 4,8 bis 5,4 Milliarden Euro. Zweifel an der langfristigen Energieversorgung hemmen nach Auffassung der IHK Investitionen und strategische Entscheidungen für die kommenden Jahrzehnte.
Baumgürtel warnt: „Jeden Tag fallen Entscheidungen für Investitionen für die nächsten zehn, 20 oder 30 Jahre – hier vor Ort oder im Ausland. Wer jetzt zögert, riskiert, dass Chancen verloren gehen.“
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