
Eine junge Frau hat sich in Gelsenkirchen mit einem ungewöhnlichen Notruf-Trick aus einer bedrohlichen Lage befreit: Sie bestellte bei der Polizei eine Pizza. Die Beamtin in der Leitstelle erkannte den versteckten Hilferuf sofort – und schickte einen Streifenwagen los. Das teilte die Polizei Gelsenkirchen jetzt mit.
Der Anruf ging am frühen Samstagmorgen, 18. Juli, gegen 4.40 Uhr in der Leitstelle ein. Am anderen Ende meldete sich eine weibliche Stimme und gab eine Pizza-Bestellung auf. Statt aufzulegen, fragte die Beamtin gezielt nach: Sie ahnte, dass die Anruferin nicht frei sprechen konnte. Kurz darauf rollte ein Streifenwagen nach Buer.
Vor Ort trafen die Einsatzkräfte auf eine 18-jährige Gelsenkirchenerin und einen 35-jährigen Uberfahrer aus Düsseldorf. Die junge Frau hatte sich nach eigenen Angaben von Bochum nach Hause fahren lassen. Während der Fahrt soll der 35-Jährige sie unsittlich berührt haben. Weil der mutmaßliche Täter direkt neben ihr saß, wählte sie die 110 und tarnte den Notruf als Pizza-Bestellung. Den Fahrer erwartet nun ein Strafverfahren wegen sexueller Belästigung.
Die Polizei nutzt den Fall, um auf sogenannte stille Hilferufe hinzuweisen. Wer in einer bedrohlichen Situation nicht offen sprechen kann, weil der Täter in der Nähe ist, kann sich mit unauffälligen Formulierungen bemerkbar machen. Bekannte Codes sind die vermeintliche Pizza-Bestellung oder, beispielsweise in Kneipen und Clubs, die Frage „Wo ist Luisa?“. Auch das internationale Handzeichen gegen häusliche Gewalt – Handfläche zeigen, Daumen einklappen und mit den anderen Fingern umschließen – ist ein Signal, auf das Einsatzkräfte geschult sind.
Entscheidend sei aber nicht der exakte Wortlaut, so die Polizei. Auch abwegige, widersprüchliche oder scheinbar unpassende Sätze am Telefon könnten die Leitstelle aufhorchen lassen. Wichtig sei, in der Leitung zu bleiben und die Rückfragen der Beamtinnen und Beamten zu beantworten – auch wenn es nur mit einem „Ja“ oder „Nein“ geht.
In einer ersten Meldung war von einem Taxifahrer die Rede. Die Polizei korrigierte das später, es handelte sich um ein Fahrzeug des Vermittlungsdienstes Uber.
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