In Gelsenkirchen bereits ein Kino-Renner: Filmwelt Herne startet Retro-Reihe – WAZ | Westdeutsche Allgemeine Zeitung


Verblüffend: Die Schauburg in Gelsenkirchen-Buer schafft es seit 2024, mit Filmklassikern aus dem 20. Jahrhundert zahlreiche Menschen ins Kino zu locken. Der Vater dieses Erfolgsformats heißt Klaus Füßmann, ist Herner und wird nun auch in seiner Heimatstadt aktiv. Am Sonntag, 19. April, startet in der Herner Filmwelt um 17.30 Uhr die monatliche Retro-Reihe „Filmwelt Klassiker“.
Beim Herner Kino-Chef Markus Koether habe er bei seinem Vorstoß offene Türen eingerannt, berichtet der 68-Jährige im Gespräch. Und auf die Premiere der Monatsreihe dürfte sich Koether ganz besonders freuen: Zum Auftakt läuft mit „The Big Lebowski“ jener Film, den er im Oktober 2024 anlässlich des 20. Filmwelt-Geburtstags in einer WAZ-Umfrage an die Spitze seiner persönlichen Kino-Charts setzte.
Das Herner Lichtspielhaus am Berliner Platz 7-9 zeigt den irrwitzigen US-Film aus dem Jahr 1998 über Jeffrey „The Dude“ Lebowski (Jeff Bridges) und seine skurrilen Bowlingfreunde im Original mit deutschen Untertiteln. Eine absolute Ausnahme, denn: Die von dem ehrenamtlich arbeitenden Cineasten Füßmann ausgewählten Filme sind ansonsten ausschließlich in der deutsch synchronisierten Fassung zu sehen.
Warum „The Big Lebowski“, warum im Original? „Ich halte ,The Big Lebowski‘ für einen Schlüsselfilm“, sagt Füßmann. Die Coen-Brüder rekurrierten mit ihrem skurrilen Verwirrspiel auf den Film noir der 40er-Jahre und Filme wie „The Big Sleep“ von Howard Hawks. Alle redeten ständig aneinander vorbei, was im US-amerikanischen Original und nicht zuletzt durch den inflationären Einsatz des Wortes „Fuck“ noch besser funktioniere. Ein zentraler Satz des Films sei für ihn: „What the fuck are you talking about?“
Wie in der Schauburg wolle er in der Filmwelt „Klasse mit Masse verbinden, damit die Reihe für den Kinobetreiber auch kommerziell zu einem Erfolg wird“, sagt der Rentner. Im buerschen Filmpalast wollten am vergangenen Sonntag mehr als 100 Besucherinnen und Besucher Hitcocks „Das Fenster zum Hof“ mit James Stewart auf der großen Leinwand sehen. Und Stewart brach mit „Das Leben ist schön“ im Dezember 2024 und 2025 in der Gelsenkirchener Vintage-Reihe gleich zweimal alle Rekorde: Jeweils mehr als 300 Zuschauerinnen und Zuschauer wollten den US-Weihnachtsklassiker im großen Schauburg-Saal sehen.
Alfred Hitchcock und James Stewart finden sich auch in dem Filmpaket, das Klaus Füßmann bis Jahresende für Herne geschnürt hat. Im Einzelnen:
Alle Vorführungen beginnen um 17.30 Uhr; der Eintritt kostet jeweils 11,50 oder 12,50 Euro (in Buer: 15 Euro). Vor Beginn wird Füßmann – wie auch bei den „Vintage-Classics“ in der Schauburg – eine etwa 15-minütige Einführung in den Film geben. Dass der frühere Leiter der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach ein absoluter Experte ist, hat er zuletzt mehrfach unter Beweis gestellt, so unter anderem als Dozent bei der VHS Herne oder als Autor für das Retro-Fachmagazin „35 Millimeter“.
Mit Brendan Fraser in „Rental Family“ startet die Filmwelt-Reihe VHS-Filmforum am 19. April ins neue Quartals-Programm. Ebenfalls im April zu sehen ist Jessie Buckley (Oscar!) in „Hamnet“.
Im Mai läuft im VHS-Filmforum Jim Jarmuschs „Father Mother Sister Brother“, Ilker Çataks Berlinale-Sieger „Gelbe Briefe“, der britische Film „The Testament of Ann Lee“ mit Amanda Seyfried sowie „Nouvelle Vague“, Richard Linklaters Hommage an Jean-Luc Godard.
Vor der Sommerpause stehen im Juni auf dem Spielplan: das deutsche Drama „Vier minus Drei“ sowie Sandra Hüller in „Rose“. Alle Termine und mehr Informationen auf filmwelt-herne.de.
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