
Sie hatten 50 Personen angemeldet, am Ende waren doch mehr junge (und teils auch ältere) Menschen gekommen als gedacht: Für Donnerstag, 5. März, hatten Schülerinnen und Schüler zum ersten Schulstreik gegen die Wehrpflicht in Gelsenkirchen aufgerufen. Laut offiziellen Zahlen der Polizei waren dem Aufruf mehr als 70 Menschen gefolgt und zum Heinrich-König-Platz in die City gekommen.
„Es kamen mehr, als wir erwartet hatten“, berichtet der 17 Jahre alte Michel in seiner Funktion als Sprecher der hiesigen Gruppe. Und er fügt hinzu: „Wir sind sehr zufrieden, dass wir so viele Leute auf die Straße bringen konnten und die Stimmung so gut war.“ Doch es gab einen „Dämpfer“, wie Michel es nennt: Der Demo-Zug durfte von offizieller Seite nicht über die Straße laufen und musste den Bürgersteig nehmen.
Geschätzt eine bis anderthalb Stunden seien die Schülerinnen und Schüler, aber eben auch Erwachsene, unterwegs gewesen, berichtet Michel. Auf ihrer Route durch die Stadt hätten sie auch mehrere Schulen passiert, unter anderen das Gauß-Gymnasium, das Berufskolleg Königstraße oder das Ricarda-Huch-Gymnasium.
Zum Start der Kundgebung auf dem HKP und auch während ihres Protest-Gangs durch die Stadt hielten die Schulstreikenden ein großes weißes Banner mit dem Schriftzug „Schulstreik gegen die Wehrpflicht“ hoch. Einzelne Plakate waren ebenfalls zu sehen, darauf geschrieben hatten die Schüler beispielsweise „Gelsen gegen Krieg“ oder „Merz an die Front“.
„Wir stehen nicht einfach so hier, weil wir so gerne die Schule schwänzen“, leitete Michel die Kundgebung ein. Die Schüler sind der Meinung: Die deutsche Regierung mache die Bundeswehr wehrhaft, damit sie endlich wieder Krieg führen könne. Und: Dass die Schulen in der Vergangenheit „kaputt gespart“ worden seien – doch plötzlich sei Geld für eine Aufrüstung da.
Für die jungen Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener ist klar: Das sei eine Frage der politischen Prioritäten und auch, dass „die Jugend der Politik komplett egal ist.“ Sie fordern, massiv Geld in die Schulen zu stecken, damit die Kinder und Jugendlichen dort besser auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereitet werden können.
Ganz grundsätzlich heißt es in einem Post der Gelsenkirchener Gruppe auf Instagram: „Wir wollen selbst über unsere Zukunft entscheiden, nicht zwangsverpflichtet zu werden.“ Im vergangenen Dezember hatten Bundestag und Bundesrat das sogenannte Wehrdienst-Modernisierungsgesetz auf den Weg gebracht. Die neue Regelung des Wehrdienstes gilt seit dem 1. Januar dieses Jahres.
Die Veranstaltung am 5. März wollen sie noch nachbereiten, erklärt Michel, einen neuen Termin für eine weitere Demonstration gibt es indes auch schon: Am 8. Mai wollen sie wieder zum Schulstreik in Gelsenkirchen aufrufen.
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