Kurios und gewöhnungsbedürftig: Architektur in Gelsenkirchen – DerWesten


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Von geteilten Pyramiden bis zum blauhaarigen Riesen: Das sind die kuriosesten und absurdesten Bauwerke in der Geschichte von Gelsenkirchen.
Gelsenkirchen ist bekannt für Kohle, Stahl und Schalke. Doch die Stadt hat auch eine Reihe von Bauwerken, die auf den ersten Blick verblüffen. Manche wirken wie aus einem Science-Fiction-Film, andere wie ein missglücktes Kunstprojekt. Wir stellen dir die ungewöhnlichsten Bauten der Stadtgeschichte vor und erklären, was wirklich dahintersteckt.
Der Strukturwandel spielt bei fast allen eine Rolle. Wo früher Bergleute schufteten, entstanden nach dem Ende der Zechen neue Wahrzeichen. Die Stadt setzte dabei bewusst auf Kunst und spektakuläre Architektur. Das Ergebnis polarisiert bis heute.
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Das wohl skurrilste Beispiel liegt im Ortsteil Buer. Die Halde Rungenberg wurde aus dem Abraum der Zeche Hugo aufgeschüttet und ragt rund 60 Meter in die Höhe. Ihre Spitze ist keine gewöhnliche Bergkuppe, sondern eine künstliche Doppelpyramide. In der Mitte teilt ein Tal das Gebilde in zwei Hälften.

Der Schweizer Architekt Rolf Keller wollte die Künstlichkeit der Halde bewusst betonen. Statt alles zu begrünen, ließ er die Spitze kahl und geometrisch gestalten. Wer heute die rund 300 Treppenstufen hinaufsteigt, steht vor einer bewusst unwirtlichen Landschaft. Genau das macht den seltsamen Reiz des Ortes aus.
Richtig kurios wird es nach Einbruch der Dunkelheit. Zwei dicke, verrostete Stahlröhren zeigen wie überdimensionale Fernrohre in den Himmel. Ihre Scheinwerfer kreuzen sich exakt über der imaginären Haldenspitze. Optisch ergänzen die Lichtstrahlen die zerschnittene Pyramide wieder zu einem Ganzen.
Diese Installation trägt den Namen „Nachtzeichen“. Die Künstler Hermann EsRichter und Klaus Noculak gewannen damit 1992 den Gestaltungswettbewerb. Auf der Halde schufen sie außerdem ein sogenanntes Schienenplateau. Dafür verlegten sie rund 5.500 Meter alter Zechenbahngleise dicht an dicht zu einer elliptischen Fläche, wie die freie Enzyklopädie „Wikipedia“ beschreibt.
Nicht weniger auffällig ist der Herkules von Gelsenkirchen. Die Monumentalstatue thront auf einem alten Förderturm der stillgelegten Zeche Nordstern. Sie ist 18 Meter hoch und wiegt rund 23 Tonnen. Geschaffen hat sie der bekannte Künstler Markus Lüpertz.
Der Riese sieht alles andere als klassisch aus. Sein Kopf ist überdimensional groß, ein Arm fehlt komplett. Dazu kommen blaue, aufgesprühte Haare und ein knallroter Mund. Für die Figur wurden 244 Einzelteile aus Aluminiumguss verschweißt.
Der Herkules kam im Dezember 2010 an seinen Platz. Ein Spezialunternehmen hob die Statue in etwa 90 Meter Höhe auf den Turm. Der Gesamtpreis lag bei rund zwei Millionen Euro. Kritiker fragten damals, ob eine Stadt in finanzieller Not so viel Geld für eine Kunstfigur ausgeben sollte.
Verteidiger sehen in dem Werk ein Sinnbild des Strukturwandels. Aus dem Symbol für Kohle und Kraft wurde ein modernes Wahrzeichen. Der Riese soll zeigen, dass die Region ihre industrielle Vergangenheit nicht versteckt, sondern kreativ umdeutet. Ob das gelungen ist, entscheidet bis heute jeder Betrachter für sich.
Auch der Nordsternpark selbst hält Ungewöhnliches bereit. Auf dem Gelände der früheren Zeche Nordstern entstand ein Landschaftspark, in dem 1997 die Bundesgartenschau stattfand. Mitten hindurch verläuft der Rhein-Herne-Kanal. Genau dort steht ein Bauwerk, das viele Besucher stutzen lässt.
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Die Doppelbogenbrücke misst 36 Meter in der Höhe und 80 Meter in der Spannweite. Ihre zwei Bögen verlaufen asymmetrisch, aber parallel, und liegen schräg über dem Wasser. Entworfen hat sie der Ingenieur Stefan Polónyi. Zusammen mit den drei künstlichen Kletterfelsen und dem begehbaren Bergbaustollen macht sie den Park zu einer Sammlung eigenwilliger Bauideen.
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