Mit Tanzpädagogik und Herz: Erfolg in Gelsenkirchen-Hassel – WAZ


Gelsenkirchen-Hassel. Tanz mit Herz und Haltung: In Hassel bringt eine engagierte Gruppe Kinder in Bewegung – mit viel Gemeinschaftssinn, Disziplin und Freude.
Welch ein imposantes Bild: 72 Kinder und Jugendliche tanzen in bunten Kostümen auf der Terrasse des Hasseler Stadtteilzentrums gemeinsam das Finale ihrer großen Show. Heute für die Presse. Sonst, auf großer Bühne, für die zahlreichen Fans der „Hasseler Tanzgruppe“, die gerne und so oft es möglich ist bei den Festen in der Umgebung auftritt.
Ihre Wurzeln hat die Gruppe in der „Hasseler Schreberjugend“. So wie Martina Kellner selbst auch. Die engagierte Tanzlehrerin ist Kopf und Herz der Truppe. „Ich war sechs Jahre alt, als ich selbst bei Lilo Reinecke angefangen habe zu tanzen.“ Nach einigen aktiven Jahren habe sie pausiert. „Bis dann meine Tochter 1996 in dem Alter war, dass sie tanzen konnte und wollte. Ich habe sie begleitet und ein bisschen geholfen beim Training – bis dann die eigentliche Tanzlehrerin ausschied. Und ich wurde, quasi über Nacht, zur Tanzlehrerin der Kindergruppe.“ Für die bewegungsfreudige Mutter kein Problem. „Tanzbegeistert war ich schon immer.“ Und in der neuen Aufgabe findet sie ihre Passion.
„2005 habe ich dann angefangen, als Tanzlehrerin beim buerschen Tanzexpress zu arbeiten. Die Kindergruppen der Hasseler Schreberjugend habe ich aber nach der Arbeit auch noch betreut.“ Die Tätigkeit mit den Kindern aus Hassel nämlich liegt ihr damals wie heute am Herzen. Ebenso wie das Engagement im Stadtteil selbst. Dort kann die Gruppe jedoch, bedingt durch die damaligen Bauarbeiten am Stadtteilzentrum, jahrelang nicht trainieren, muss nach Polsum ausweichen. „Bis mich dann Bernd Gartenmann, der damalige Geschäftsführer des Stadteilzentrums, ansprach und zurück ins Bonni holte.“ Damit trennen sich 2019 auch die Wege der Kinderabteilung und die der Erwachsenenabteilung der „Hasseler Schreberjugend“.
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Am Eppmannsweg soll 2020 im neuen Stadtteilzentrum auch eine neue Tanzgruppe entstehen. „Wir hatten alles besprochen, hatten unsere Verträge unterschrieben – und dann kam Corona. Das war eine schwierige und harte Zeit, besonders für die Kinder.“ So sehr sich Martina Kellner und ihre beiden Trainerinnen, Tochter Carina Ebener und „Eigengewächs“ Melissa Heyeckh, auch bemühen, die Gruppe wird in dieser Zeit kleiner. Erst 2023 können die tanzbegeisterten Frauen wieder „normale“ Angebote machen. Seither wächst die Truppe stetig, umfasst heute vier Gruppen für Kinder und Jugendliche verschiedenen Alters und eine Gruppe für erwachsene Frauen. „Wir haben mittlerweile eine Warteliste“, sagt Martina Kellner, die sich freut, keine Nachwuchssorgen zu haben. „Offenbar leisten wir gute Tanzarbeit.“
Zumal man großen Wert darauf legt, ein vielfältiges tanzpädagogisches Angebot zu machen für kleines Geld. „Jedes Kind, das tanzen möchte, soll das auch können.“ Daher zahlen Eltern 19 Euro im Monat und können, bei Bedarf, auch einen Zuschuss erhalten über das „Bildungs- und Teilhabepaket“. Finanzielle Engpässe dürften Kinder in ihrer Bewegungsfreude nicht einschränken, so Kellner. Denn beim Besuch im Probenraum wird rasch deutlich: Die jungen Damen profitieren ungemein, sind konzentriert bei der Sache, lernen, aufeinander zu achten und diszipliniert zu sein.
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Und die zahlreichen Auftritte geben Bestätigung und stärken das Selbstbewusstsein sowie den Sinn für echtes gesellschaftliches Miteinander. „Denn wir besuchen jährlich das Sommerfest des Wichernhauses, einer Einrichtung für Menschen mit Unterstützungsbedarf, und tanzen dort und treten auch gern in Seniorenzentren auf. Wenn man dort sieht, wie die älteren Menschen sich freuen und berührt sind von den Darbietungen unserer Kinder, dann geht einem das Herz auf“, sagt Martina Kellner. Apropos Herz: Das ist, verrät sie, das Geheimrezept der Tanzgruppe mit familiärem Flair. „Wir sind alle mit dem Herzen dabei, weil wir das Tanzen so sehr lieben.“
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