
Der Sarkasmus lässt nie lange auf sich warten. Man hätte nicht geglaubt, dass in Gelsenkirchen so viel Geld in den Bank-Schließfächern lagert wie in München-Grünwald, lästerte Neujahr ein Kommentator mit Blick auf den Millionen-Coup in Buer. Immerhin machten in Einzelfällen schon Aussagen über einen sechsstelligen Verlust die Runde, den man erlitten habe. Wenn eine Stadt in den Armuts-Studien regelmäßig auf den vordersten Plätzen landet, muss man mit so einer boshaften Spitze wohl leben.
Zunächst muss man aber festhalten, dass rund 2500 Bankkunden, die ihre Wertsachen in der Sparkasse in Sicherheit wähnten, ohne Wenn und Aber zu Opfern geworden sind. Dass Menschen Dinge verloren haben, die womöglich über den materiellen Wert hinaus unersetzbar sind, ist tragisch und kein Anlass für Späße.
Man darf allerdings bei 3250 Schließfächern kaum ausschließen, dass der ein oder andere Inhalt nicht ganz koscherer Herkunft ist. Wenn es in Kürze darum geht, den persönlichen Verlust zu beziffern, dürfte womöglich auch das Finanzamt Interesse verspüren, einmal genauer hinzusehen. Auch wenn es natürlich erst einmal jedem selbst überlassen ist, ob er Bargeld in Schließfächern stapelt oder auf ein Tagesgeldkonto mit Verzinsung legt.
Noch unangenehmeren Fragen wird sich indes die Sparkasse in Buer stellen müssen. Auch ein paar Tage nach dem Einbruch kann man immer noch schwer fassen, dass man, etwas grob vereinfacht, nur Löcher in Wände bohren muss, um derart fette Beute zu machen. Gab es denn keinen Bewegungsmelder, der bei rausbröckelndem Putz mal irgendwo Alarm auslöst? Das dürfte besonders die Versicherung interessieren, die mit bis zu 10.300 Euro pro Fach für den Schaden geradestehen soll – einer im übrigen lächerlich niedrigen Summe.
Den Vertrauensverlust in die Sicherheit eines Geldinstituts, dem man mit gutem Gewissen seine kleinen und größeren Schätze anvertraut, der in einer Nacht entstanden ist, wiegt schwer, selbst wenn es sich hier um einen spektakulären Einzelfall handelt. Umso mehr wird die Sparkasse alles tun müssen, um ihren Kunden zur Seite zu stehen, die jedes Recht darauf haben. Man muss kein Prophet der schlechten Laune sein, um vorherzusagen: Das alles wird noch viele unangenehme Gespräche heraufbeschwören.
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