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Wie viel die Diebe an Weihnachten aus den mehr als 3000 Schließfächern der Sparkasse Gelsenkirchen gestohlen haben, ist noch immer unklar. Im ersten Zivilprozess kämpfen jetzt zwei von Hunderten Opfern um Entschädigung. Sie haben all ihre Ersparnisse verloren.
Von Christoph Koopmann
Was sich hier vor dem Haupteingang des Landgerichts Essen abspielt, nennt man dann wohl: einen Auftritt. Daniel Kuhlmann steht im dunkelgrünen Anzug vor dem Portal, im Hintergrund zwei Bodyguards, mit denen man, dem optischen Eindruck nach, lieber keinen Streit anfinge. Vor ihm baumelt ein ganzer Strauß an Mikrofonen und da ist eine Journalistentraube von einer Größe, dass man im Zentrum eher einen Bundestrainer oder wenigstens einen Bundeskanzler erwarten würde. Aber Kuhlmann ist Anwalt und eigentlich auch gar nicht die Hauptperson hier. Die Hauptpersonen stehen neben ihm: Rita M., 83 Jahre, schwarzweißes Kleid, schwarzer Blazer. Rechts neben Kuhlmann: Joachim Alfred Wagner, 63 Jahre, schwarzer Anzug, Krawatte. Ein letztes Interview, bevor es in den Gerichtssaal geht.
Seit dem dreisten Millionendiebstahl in der Sparkasse versinkt Gelsenkirchen in einem Sumpf aus Vorurteilen. Als wäre hier jeder, der was besitzt, kriminell. Und den Geschädigten? Fehlt jetzt ihre Altersvorsorge, das Gold der Oma und: Mitgefühl.
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