Schwerer Straßenbahnunfall mit lebensgefährlich Verletzten – Bahnen geborgen – WAZ | Westdeutsche Allgemeine Zeitung


Drei Menschen schweben in Lebensgefahr, sieben wurden schwer- und 14 leicht verletzt. Das ist die vorläufige Bilanz der Rettungskräfte nach einem schweren Straßenbahnunfall, der den Verkehr auf der Kurt-Schumacher-Straße in Gelsenkirchen am Donnerstagnachmittag über Stunden zum Erliegen brachte.
In der Nähe der Veltins-Arena waren gegen 12.30 Uhr zwei Bahnen kollidiert, die auf demselben Gleis Richtung Innenstadt unterwegs waren. Wie es zu dem folgenschweren Unfall gekommen ist, ist jetzt Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen. Für die Protokollierung des Unfalls wurde ein speziell geschultes Verkehrsunfallaufnahmeteam der Polizei Bochum angefordert.
Bisher scheint nur so viel klar zu sein: Der Zusammenstoß ereignete sich auf halber Strecke zwischen den Haltestellen Veltins-Arena und Willy-Brandt-Allee. Eine der beiden Bahnen war eine Fahrschulbahn. Laut Polizei habe die Fahrschulbahn, die Richtung Gelsenkirchen-Innenstadt unterwegs war, angehalten. Wie es aussieht, sollte die Fahrschulbahn ein Stück zurückfahren, um an geeigneter Stelle ein Wändemanöver durchzuführen.
Die zweite Bahn, die aus Richtung Buer kam und mit Fahrgästen besetzt war, ist dann aufgefahren. Warum es auf gerader und gut einsehbarer Strecke zu diesem Zusammenstoß kam, warum die Bahnen nicht vorher gebremst haben, ob ein technischer oder menschlicher Fehler oder ein medizinischer Notfall vorlag, muss jetzt geklärt werden, erklärte die Polizei. Dafür werden auch die Fahrtenschreiber der Straßenbahnen ausgewertet.
Die Fahrerkabine der einen Bahn jedenfalls wurde völlig zerstört und bei dem Aufprall weit bis in die erste Tür dahinter hineingeschoben. Auch der Fahrzeugführerbereich der zweiten Bahn wurde stark demoliert, die Frontscheibe ist geborsten.
Nach WAZ-Informationen handelt es sich bei den drei lebensgefährlich Verletzten um die Fahrerin der mit Fahrgästen beladenen Bahn sowie um zwei Insassen der Fahrschulbahn, die wegen des mutmaßlichen Wendemanövers beim Aufprall gewissermaßen am Ende ihrer Bahn im Führerhäuschen waren, sodass es für beide Straßenbahnführer zum Frontalzusammenstoß kam. Ersten Erkenntnissen vom Freitagmorgen nach seien die Betroffenen aber in einem stabilen Zustand.
Der Bahnverkehr der Linie 302 wurde für mehrere Stunden in beide Richtungen unterbrochen. Und auch der Autoverkehr auf der Kurt-Schumacher-Straße war lange in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. In Fahrtrichtung Norden wurde eine Umleitung ab der Willy-Brandt-Allee, in Fahrtrichtung Süden über die Emil-Zimmermann-Allee eingerichtet. Erst um 16.10 Uhr konnte die Straße Richtung Buer für den Straßenverkehr wieder freigegeben werden. In Richtung Süden blieb die Straße bis zur Bergung der Straßenbahnen weiter gesperrt.
Die Bergung der beiden beschädigten Straßenbahnen gestaltete sich aufwendig. Wegen der Hochspannungsoberleitung konnten die Fahrzeuge nicht ohne Weiteres mit einem Kran angehoben werden. Eine der Bahnen wurde inzwischen vollständig abtransportiert, die zweite von den Gleisen entfernt und nahe der Strecke abgestellt. Die Strecke ist seit etwa 1.30 Uhr wieder freigegeben. Im Bereich der Unfallstelle müssen die Straßenbahnen wegen weiterer Arbeiten allerdings langsamer fahren.
Für die Bergung mussten die beschädigten Fahrzeuge zunächst aufwendig vorbereitet und anschließend auf spezielle Rollwagen gesetzt werden, wie die unterstützende Feuerwehr Essen mitteilte. Die technischen Arbeiten dauerten rund sechs Stunden. Unter anderem trennten die Einsatzkräfte mit Schneidbrennern Teile des stark verformten Fahrzeugrahmens ab und brachten verformte Drehgestelle wieder in Position. Anschließend wurden die Straßenbahnen mit einem Feuerwehrkran angehoben und auf die Rollwagen gesetzt.
Neben den Verletzten betreuen die Einsatzkräfte 19 weitere Personen, die direkt oder indirekt von dem Unfall betroffen waren, jedoch keine Verletzungen erlitten haben. Zur psychosozialen Betreuung machte sich ein Team aus fünf Notfallseelsorgern auf den Weg zur Einsatzstelle. Unterstützt wurde die Feuerwehr Gelsenkirchen bei ihrem Großeinsatz von Rettungsmannschaften aus Essen und Recklinghausen.
Auch Oberbürgermeisterin Andrea Henze kam zur Unfallstelle, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Vor Ort informierte sie sich über den Stand des Rettungseinsatzes und sprach mit den verantwortlichen Einsatz- und Führungskräften. Zudem verschaffte sie sich in einem der beschädigten Straßenbahnwagen einen Eindruck von den Folgen des Zusammenstoßes.
Die Einsatzkräfte wurden von Rettungsmannschaften aus Essen und Recklinghausen unterstützt. Insgesamt waren 82 Feuerwehrleute zum Unglücksort ausgerückt. Bei solchen Unfällen geht die Feuerwehr von einem Szenario von rund 25 Verletzten aus und rückt in entsprechend großer Mannstärke aus. Die erste Meldung ging bei der Polizei um 12.31 Uhr ein. Für die Protokollierung des Unfalls wurde ein speziell geschultes Verkehrsunfallaufnahmeteam der Polizei Bochum angefordert.
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