
Als Helmut Warnke erfuhr, dass am 27. Juni die „Extraschicht“ stattfindet, erschrak er im ersten Moment. Denn die lange Nacht der Industriekultur wäre für seine am selben Abend geplante Veranstaltung ein kaum zu schlagender Konkurrent gewesen. Doch dann stellte sich heraus, dass erstmals auch die Bochumer Straße als Spielort für die „Extraschicht“ ausgewählt wurde. Und genau dort findet auch Warnkes Kulturfest „Querbeet Sommerlicht“ statt. Deshalb hofft er nun, dass so viele Gäste wie noch nie zuvor in den Gemeinschaftsgarten gegenüber der „Trinkhalle am Flöz“ strömen werden.
Bereits zum vierten Mal findet dieses eintägige Kulturevent auf besagter Ückendorfer Grünfläche statt, die in Besitz der benachbarten Stadterneuerungsgesellschaft (SEG) ist. Im Alltag wird dieses eingezäunte Naturparadies von einer fünfköpfigen Gruppe gepflegt und fungiert als Treffpunkt für Menschen aus dem Umfeld. Einmal im Jahr verwandelt es sich aber in eine besondere Kultur-Spielstätte. „Ich mag Gärten wie diesen hier sehr“, stellte Festival-Organisator Warnke klar.
Das Programm startet am Samstag, 27. Juni, um 14 Uhr mit einem Auftritt von jungen Talenten der städtischen Musikschule Gelsenkirchen. Ab 15.30 Uhr wollen dann Sängerin Laetitia Stengel und Jesse Christiaanse (Klavier) dem Publikum gemeinsam ihre Jazz- und Pop-Variationen präsentieren. Im Anschluss erklingen die Indie-Folk-Stücke von Nic Koray (ab 16.45 Uhr). In diesem Zeitfenster hat das „Sommerlicht“ noch keine Konkurrenz durch die „Extraschicht“, die erst um 18 Uhr beginnt.
Das gilt dann aber nicht mehr für das Erzähltheater der Gelsenkirchenerin Melody Reich, das ab 18.30 Uhr beginnt, Shakespeares „Sommernachtstraum“-Thema aufgreift und neu interpretiert. „Orient meets Okzident“ lautet ab 19.45 Uhr das Motto. Dann treten Kioomars Musayyebi und Andreas Heuser gemeinsam auf, um auf der kleinen, provisorischen Bühne zu spielen. Letzterer die Gitarre, sein Mitstreiter das Santur.
Der Top-Act dieses Festivals startet dann ab 21 Uhr: Aeham Ahmad, bekannt geworden als „Pianist von Yarmouk“, hatte 2014 internationale Aufmerksamkeit erzeugt. Mitten in den Wirren und Trümmern des syrischen Bürgerkriegs spielte er für die Menschen dort Klavier – als ein kleines Zeichen der Hoffnung. Die Bilder davon gingen im Internet um die Welt. Er tritt im Gemeinschaftsgarten an der Bochumer Straße mit dem Saxofonisten Steve Schofield auf.
Neben Live-Musik gibt es auch andere Kunst zu bestaunen – etwa die Tanzperformance von Junko oder die Holzskulpturen von Roger Löcherbach. Zudem stellt Ahang Nakhaei, eine in Essen lebende Künstlerin mit iranischen Wurzeln, zehn Werke ihres Digital-Art-Projekts aus. Zu den Themen, die sie in ihrer künstlerischen Arbeit gern berücksichtigt, gehören Feminismus und Freiheit.
Der Eintritt ist frei und ganztägig möglich. Geplantes Festivalende: 22.30 Uhr. Wer danach noch weiterziehen will, kann dies in direkter Umgebung tun. Denn die „Extraschicht“ endet auch auf der Bochumer Straße erst um 2 Uhr.
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