
Kurz vor der Stichwahl zum Oberbürgermeister-Amt am Sonntag, 28. September, zwischen Andrea Henze (SPD) und Norbert Emmerich (AfD) wendet sich das Leitungsteam der katholischen Pfarrei St. Hippolytus mit einer persönlichen Stellungnahme von Pastor Bernd Steinrötter nicht nur an die Gläubigen: Es sind mehr als nur mahnende Worte, die abheben auf eine aufgeheizte Stimmung in der Gesellschaft.
In der Stellungnahme, die an alle kirchlichen Gremien der Pfarrei gegangen ist, weist der durchaus meinungsstarke Geistliche „aus dem christlichen Menschenbild heraus“ darauf hin, dass jeder Mensch „die gleiche, unauslöschliche Würde“ habe, „gleichgültig welcher Herkunft, Nationalität Religionszugehörigkeit oder Identität“ er sei. „Diese (Würde) kann und darf niemandem abgesprochen werden.“
„Pauschale Schuldzuweisung und der Ruf nach einfachen Lösungen helfen dabei nicht. Sie schaffen vielmehr ein Klima der Verunsicherung, der Angst, die im Extremen sogar in verbalen Hass oder sogar in Gewalt münden können“, so der Pastor und stellt klar. „Dies ist keine Parteipolitik! Es ist vielmehr meine ernsthafte Sorge, dass ich als Christ in der Zeit nicht mehr schweigen kann und darf!“ Bei der Stichwahl müsse sich jeder seiner Verantwortung für die Stadt und Gesellschaft bewusst sein.
Hintergrund der Stellungnahme sei, dass „der Boden“ für ein solches Klima von Verunsicherung, Angst, verbalem Hass oder sogar Gewalt „bereits bereitet worden“ sei. „Dies habe ich in den letzten Tagen sowohl in Nordrhein-Westfalen als auch in der Welt erfahren müssen“, so Steinrötter weiter.
Dabei bezieht er sich etwa auf den Angriff auf zwei Mitarbeiter der Katholischen Jungen Gemeinde (KjG) St. Michael in Essen-Dellwig am 13. September. Zwei Unbekannte hatten eine Regenbogenfahne auf der Bühne des Gemeindefestes zunächst kritisiert, einer von ihnen hatte einen KjG-Jugendleiter dann per Faustschlag attackiert und ein Bierglas nach ihm geworfen.
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Steinrötter verweist auch auf anonyme Hass-Botschaften in sozialen Medien, etwa gegen die ZDF-Journalistin Dunja Hayali. Sie wird wegen ihrer Anmoderation über das tödliche Attentat auf den rechtskonservativen US-Aktivisten Charlie Kirk mit Hass-Botschaften überzogen und mit dem Tode bedroht. Sie hatte ihn als „radikal-religiösen Verschwörungsanhänger“ bezeichnet.
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