
Gelsenkirchen. Ein Vater beleidigt einen Gelsenkirchener Schiedsrichter bei einem Juniorinnen-Spiel in Bottrop übel. Der Unparteiische handelt besonnen und startet einen Fairness-Appell.
So einen Vorfall hat ein Gelsenkirchener Nachwuchs-Schiedsrichter in seiner – wenn auch kurzen – Laufbahn noch nicht erlebt. Bei einem Juniorinnen-Spiel zwischen dem VfL Grafenwald und der SpVg. Arminia Holsterhausen wurde der Unparteiische, der anonym bleiben möchte, von einem Elternteil lautstark und aggressiv beleidigt. Nachdem eine Spielerin des Heimvereins in der 45. Minute nach der Restspieldauer gefragt hatte, rief eine Person der Herner Gastmannschaft von der Seitenlinie aus: „Was sind das denn für Mistviecher?“
Als der Schiedsrichter daraufhin zur Klärung des Vorkommnisses an die Gästebank trat, fielen mehrere Beleidigungen von der Seite eines Vaters einer Spielerin der Gäste. „Du Spasti“, „du kleiner Pisser“, „du Bastard“, waren nur einige davon. Daraufhin betrat der Elternteil sogar den Innenraum. Er fing an, den Unparteiischen zu bedrohen: „Pass auf, was ich mit dir mache, wenn du nicht vernünftig pfeifst.“
Der Schiedsrichter wandte daraufhin das DFB-Stopp-Konzept an und begab sich in Richtung des Mittelkreises, da er zu diesem Zeitpunkt um seine eigene Sicherheit fürchtete. Der Vater rief weiter Beleidigungen in Richtung des Referees: „Warte ab, was ich nach dem Spiel mit dir machen werde.“ Er fing daraufhin auch an, den Schiedsrichter mit seinem Handy zu filmen – offenbar ein weiterer Einschüchterungsversuch.
Im Gespräch mit den beiden Trainern machte der Unparteiische klar, dass er das Spiel abbrechen würde, sollte sich der Vater nicht beruhigen. Die Gemüter kühlten sich ab, sodass das Spiel in der zweiten Halbzeit ohne weitere Vorkommnisse fortgesetzt und beendet werden konnte. Aus dem Fußball-Kreis gibt es Lob für die Art und Weise, wie der Schiedsrichter mit der Situation umgegangen ist. Er habe sich tadellos verhalten.
Eine Erklärung für das Verhalten des Vaters hatte der Schiedsrichter nicht. „Es waren wohl zwei, drei Fouls, die ich gepfiffen habe und die ihm nicht gefallen haben“, sagt er. Aber bereits vor dem Spiel habe sich der Vater ihm auf seltsame Art und Weise genähert. Der Vorfall geht nun auch vor das Sportgericht.
Dass er den Fall überhaupt publik machte, begründet er so: „Ich möchte die Leute und Eltern darauf aufmerksam machen, dass wir Schiedsrichter auch nur Menschen sind.“
Der Gastverein aus Herne hat auf diesen Vorfall bereits kurzfristig reagiert. „Das entspricht nicht unserer Vereinsphilosophie“, erklärt ein Vorstandsmitglied. „Wir haben das intern geklärt. Der Betroffene ist kein Vereins-Mitglied. Wir können ihn also nicht ausschließen. Das Kind wollen wir aber auch nicht ausschließen.“ Am Montagabend habe ein klärendes Gespräch stattgefunden. Welche Konsequenzen aus dem Fehlverhalten genau gezogen wurden, teilte der Verein nicht mit.
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