
Sie sehen genauso aus, wie man sich Mehrfamilienhäuser vorstellt, die in den 1970er-Jahren entstanden sind: rechteckig, schmucklos – und ein bisschen in die Jahre gekommen. Häuser wie diese gibt es viele in Gelsenkirchen, und eben auch in Rotthausen. Doch ein Quartier dort soll in den kommenden Jahren eine Frischzellenkur erfahren.
Mitte Juli wurde im Hans-Sachs-Haus symbolisch der Förderbescheid für den ersten Abschnitt eines großen Modernisierungsprojekts an die Gesellschaft für Wohnungsbau (GFW) übergeben. „Damit leiten Oberbürgermeisterin Andrea Henze und GFW-Geschäftsführer Joachim Bracke ein wegweisendes Projekt in Gelsenkirchen-Rotthausen ein“, heißt es in einer Mitteilung der GFW.
Zu den rund 1300 Wohnungen im Bestand der Wohnungsgesellschaft gehören auch 153 Wohnungen in 17 Gebäuden im Quartier Memeler Straße/Chaudronstraße. Den 1976 bis 1979 erbauten Wohnhäusern steht jetzt eine umfassende Modernisierung bevor, für die insgesamt rund 26 Millionen Euro veranschlagt sind. Ein Großteil dieser Kosten wird über den 2021 von NRW-Landesbauministerin Ina Scharrenbach (CDU) aufgelegten Fördertopf „Modernisierungsoffensive+“ finanziert.
Wohnungsunternehmen soll es damit ermöglicht werden, größere zusammenhängende Wohnbauten mit über 100 Wohnungen energetisch zu modernisieren, um damit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und gleichzeitig die Wohnstandards für alle Altersgruppen zu bezahlbaren Mieten zu erhöhen.
Joachim Bracke, Geschäftsführer der GFW, freut sich über die Bewilligung der ersten Fördermittel: „Gemeinsam mit den darüber hinaus beantragten Mitteln versetzen uns diese Gelder nach Jahren der wirtschaftlichen Konsolidierung in die Lage, unmittelbar über zehn Prozent unseres Bestandes im Sinne von Energieeffizienz und Wohnkomfort zukunftsfähig auszurichten.“
Ohne diese Förderung sei eine Maßnahme dieser Größenordnung nicht darstellbar. Der erste von vier Bauabschnitten soll im Oktober dieses Jahres starten. Die Kosten von rund 9 Millionen Euro werden mit ungefähr 7,8 Millionen Euro gefördert. Die Förderanträge für die weiteren Bauabschnitte sind bereits gestellt.
Die Sanierung geht weit über die Energie hinaus. Statt der alten Nachtspeicheröfen heizen künftig Luft-Wasser-Wärmepumpen die Wohnungen. Handwerker dämmen das Dach neu und bessern die Fassade nach. Auch die Bäder werden erneuert, die Außenflächen aufgewertet. Barrieren fallen weg, Loggien wandern in den Wohnraum und schaffen so mehr Platz. Zusätzlich montiert die Firma Vorstellbalkone an die Fassade.
„Dieses umfassende Projekt in Rotthausen zeigt, wie entschlossen wir uns unseren Herausforderungen stellen“, sagte Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Andrea Henze, „aber auch, dass gemeinsam mit engagierten Partnern moderner und zukunftsorientierter Wohnraum entstehen kann, ohne immer neu bauen zu müssen.“
Die Gesellschaft für Wohnungsbau (GfW) ist seit 1926 im Wohnungsbau tätig und hat ihren Sitz am Grüner Weg in Rotthausen. 1996 übernahm sie sämtliche Wohnungen der Dahlbusch AG. Heute umfasst ihr Bestand rund 1300 Wohneinheiten, überwiegend mit 2,5 bis 3,5 Zimmern; etwa 100 davon sind seniorengerecht ausgebaut. Seit 2022 hält die Gelsenkirchener Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft GGW eine Zwei-Drittel-Mehrheit an der GFW.
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